„Mieter raus, Flüchtlinge rein“ – Empörend – oder?

18. Januar 2016

Seestadtpresse Bremerhaven – „Mieter raus, Flüchtlinge rein“ – so lautet der Aufmacher des Lokalteils im heutigen Weser-Kurier (18. Januar 2016). Darunter steht: „Eine Akademie und zehn Parteien müssen… einem Übergangswohnheim weichen“.

Der erste Gedanke beim Lesen: So weit musste es kommen: Normale Mieter werden vertrieben, weil Flüchtlinge massenhaft ins Land strömen.

R0027370

Unicode

Wer aber den Text liest, findet einen ganz anderen Hintergrund: Die geschäftstüchtige Bremer Immobilienagentur Asset will mit Flüchtlingen höhere Gewinne machen als mit den normalen Mietern.

Aber warum steht nicht in der Überschrift: „Gierige Geschäftemacher vertreiben Mieter“?

Weil Geschäftemacherei mittlerweile bei uns zu etwas so Normalen gemacht worden ist, dass damit alles gerechtfertigt wird! Kann nicht jeder einen Vermieter verstehen, der die alte Oma vertreibt, um die Immobilie zu Luxuswohnungen zu machen? Das bringt halt mehr Geld in die Kasse… Ist doch normal, gelle?

Diese Sichtweise wird im Text sogar ausdrücklich erwähnt. „Wirtschaftlich kann ich den Vermieter verstehen“, erläutert einer der vertriebenen Mieter, „er wird mit Flüchtlingen eine deutlich höhere Rendite erzielen.“ Wen macht er verantwortlich? Die öffentliche Hand, weil sie „solche Anreize“ setzt „und die Eigentümer dann natürlich (!!!) entsprechend handeln“.

Was mich empört: Mit der Überschrift „Mieter raus, Flüchtlinge rein“ befördert der Weser-Kurier eine politisch immer weiter nach rechts kippende öffentliche Stimmung, die in der großen Not so vieler  Menschen nur noch eine „uns“ über Gebühr belastende „Flüchtlingskrise“ sehen will und die deshalb Maßnahmen gegen die „Flüchtlingsflut“ fordert und so weiter, und so weiter…

Wohlgemerkt: Der Text im Weser-Kurier ist in Ordnung. Dort wird erläutert, was geschehen ist und was geschehen soll. Aber die Überschrift gibt dem Ganzen einen Dreh, der die aktuelle politische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge noch weiter anheizt.

Deshalb finde ich die Überschrift so empörend…

 


So setzen Zeitungen Akzente – Gegensätzliche Pegida-Einschätzung…

5. Februar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Ein Politologe der TU Dresden hat laut Weser-Kurier vom 4. Februar 2015 „die bisher gründlichste Pegida-Studie vorgelegt“. Das Ergebnis laut WK: „Die… Bewegung besteht hauptsächlich aus ‚besorgten und empörten Gutwilligen‚.“ Die Nordsee-Zeitung setzt den Akzent auf derselben Informationsbasis ganz anders: „Viele Pegida-Anhänger extrem rechts“.

R0027363

Spiegelt sich in solchen geradezu gegensätzlichen Akzenten eigentlich eine politische Haltung der Redaktion?

Oder hängt es nur davon ab, welche politische Einstellung der jeweilige Redakteur zu dieser Problematik hat?

Oder ist die Wahrheit so biegsam, dass auch solche gegensätzlichen Darstellungen ohne Probleme zu rechtfertigen sind?

Eine denkbare Lehre: Leserinnen und Leser müssen in jedem Fall genau hinkucken, auf welche Figuren sie sich in unseren Medien jeweils verlassen sollen – und auf welche sie sich wirklich verlassen können.


Nordsee-Zeitung auf Rekordjagd – Wieder ist es der Hafen…

17. Januar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Rekorde muss man feiern, wo sie zu finden sind – das scheint auch bei der Nordsee-Zeitung eine journalistische Grundüberzeugung zu sein. Das jüngste Beispiel stammt aus der Nordsee-Zeitung vom 16. Januar 2015:

R0027359

Für den Weser-Kurier war die Rekord-Meldung aus dem Bremerhavener Hafen erkennbar nicht ganz so wichtig. Sie sah am 17. Januar 2015 auf Seite 17 so aus:

R0027357

Wer nun aber meint, der Weser-Kurier könne keine Rekorde feiern, der irrt sich doch erheblich. Denn am 16. Januar 2015 wurde dort ebenfalls auf Seite 1 ein eigener Bremer Rekord gefeiert:

R0027358

So ist das, liebe Leute. Überall auf der Welt gibt es Rekorde, manchmal von der seltsamsten Art, wie ein bekanntes Buch der Rekorde regelmäßig vor Augen führt.

Man muss eben nur ganz genau hinkucken, sonst sieht man die Rekorde nicht so ohne weiteres…


Hafenumschlag in Bremerhaven ist 2014 leicht gesunken – Aber…

16. Dezember 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – In Bremerhaven ist der Hafenumschlag im laufenden Jahr leicht gesunken. Die Zeitungen melden ein Minus von 0,4 Prozent.

Und welche Schlagzeile macht die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember 2014 aus dieser Tatsache?

R0027354

Der Weser-Kurier vom gleichen Tag bleibt deutlich dichter an der Wahrheit:

R0027355Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, was Medienschaffende so alles mit schnöden Tatsachen anfangen können.

Und die Nordsee-Zeitung schießt dabei wieder einmal den Vogel ab. Ich nenne das Marktschreierei, und die hat im soliden Journalismus eigentlich nichts zu suchen.

Aber was heißt heute schon solider Journalismus…


„Trotz Kauflaune weniger Umsatz“ – Nur Überraschung oder doch Dämlichkeit?

1. Juli 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Nehmen wir mal ein Beispiel: Da bescheinigt ein Gutachter einem Familienvater extreme Weichherzigkeit und Kinderliebe. Ein Blick auf das tatsächliche Geschehen in der Familie zeigt aber, dass der Vater seine Kinder tagtäglich mit übermäßiger Gewalt verprügelt.

Was sagt ein Mensch dazu? Das überrascht mich, obwohl die Diagnose  bestimmt korrekt ist? Oder muss doch festgestellt werden: Der Gutachter muss ein ziemlicher Trottel sein…

R0027340

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Ein Gutachter bescheinigt dem Verbraucher „gute Kauflaune“. Ein Blick auf die Tatsachen zeigt allerdings, dass nicht mehr, sondern weniger gekauft und verkauft wird.

Wie berichten unsere Medien (hier der Weser-Kurier am 1. Juli 2014): „Trotz Kauflaune weniger Umsatz“.

Im Text heißt es dazu: „Das schwache Geschäft der Einzelhändler überrascht, da die Stimmung der deutschen Verbraucher derzeit so gut ist wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr.“

Die Grundlage für diese kuriose Berichterstattung liefert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit ihrem „berühmt-berüchtigten Konsumklimaindex“. Sie wurde auf der Webseite namens >>>„NachDenkSeiten“ (NDS) bereits mehrfach mit kritischen Anmerkungen versehen.

Ich empfehle die >>>NDS noch einmal ausdrücklich zur möglichst täglichen Lektüre! Das gilt auch für Journalisten.

In der taz vom 28./29. Juni 2014 gab Johannes Ludwig, Professor für Medien und journalistische Fächer in Hamburg, den Journalisten folgende Empfehlung für einen nutzbringenden und verantwortlichen Journalisten-Alltag: „Indem man sein Gehirn einschaltet, Widersprüche erkennt, sagt, da stimmt etwas nicht und sich dann fragt: Wie komme ich an die nötigen Informationen“…

P.S. Schon gemerkt? Selbstverständlich lässt sich heute auch die Nordsee-Zeitung die Chance nicht entgehen, den Agentur-Blödsinn nachzuplappern (NZ 1. Juli 2014, Seite 5):

R0027342


Weser-Kurier profiliert sich mit reaktionärer Freihandels-Propaganda – Kritiker des TTIP als Dummköpfe dargestellt…

6. Mai 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Den „meisten Protestlern“ sei „offensichtlich gar nicht klar, wogegen sie eigentlich protestieren“, heißt es im Weser-Kurier vom 6. Mai 2014 in einer großen „Betrachtung“ auf Seite 2. Unter der Überschrift „Ängste statt Chancen“ wird reichlich verdrehte Propaganda für das TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) gemacht.

Mit Blick auf die Kritiker des TTIP ist von „eifernden Bedenkenträgern“, „Hysterie“, „Kleinmut“, „unsinnigsten Projektionen aller möglichen politischen Gruppierungen“ und „abstruser Angst vor Chlorhühnchen“ die Rede.

Der WK-Schreiber stellt klar, was durch die „eifernden Bedenkenträger“ zerredet und verhindert werden könnte, nämlich neuer Schwung in der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. „Europa dürfte den Prognosen zufolge auf Zugewinne von 119 Milliarden Euro im Jahr hoffen, Amerika auf 95 Milliarden Euro.“ Was mit „Zugewinnen“ gemeint ist, wem sie nützen und worauf die „Prognosen“ basieren und wer sie erstellt hat, bleibt sein Geheimnis.

Auch die Kritik an fehlender Transparenz, die sogar vom TTIP-Förderer an der Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums geteilt wird, weist der WK-Mann vehement zurück: „Es wurde noch über kein anderes Abkommen dieser Art so transparent verhandelt wie über dieses.“

Ein paar Absätze weiter räumt der TTIP-Propagandist allerdings selbst ein, dass „noch niemand weiß, was letztlich in dem Vertrag stehen wird“. Viele kontroverse Themen seien „bereits ausgeklammert oder sind politisch längst nicht mehr durchsetzbar. So zum Beispiel die ursprünglich vorgesehene Investitionsschutzklausel.“

Leider, leider sei das so, meint der WK-Mann aus Berlin: „Zu groß ist mittlerweile die Hysterie.“ Das hat Deutschland nun davon: „Statt um Zollabbau geht es um Themen wie die Sorge vor chemisch belasteten Baby-Schnullern aus Übersee.“

Wer verlässlichere Informationen zum Thema TTIP haben möchte, kann beispielsweise frühere Texte in der Seestadtpresse (hier oder hier) nachlesen.


„Grüner Mumpitz“ oder Dämlichkeit konventioneller Journalisten? – Klimaschutzgesetz-Entwurf sorgt für journalistische Wirrnisse…

20. März 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Am Nachmittag des 19. März 2014 kam vom Bremer Senat eine knappe Pressemitteilung unter der Überschrift: „Unnötige Aufregung über geplantes Klimaschutzgesetz. Elektroheizungen bereits seit 1991 verboten – Überwachungsregeln sind ebenfalls heute schon Gesetz„.

Merkwürdig. Darüber spricht doch der Haudruff der Nordsee-Zeitung in der Ausgabe vom 19. März 2014 ganz anderen Klartext:

R0027336Auch der Weser-Kurier ist in seiner Ausgabe vom 19. März 2014 nicht besonders zurückhaltend: „Senator plant Verbot von Elektroheizungen“, heißt es groß im Aufmacher des Lokalteils, und in einem Kommentar unter der Überschrift „Schrill im Quadrat“ wird in starken Worten kritisiert, dass der grüne Senator „behördliche Kontrollettis“ berechtigen will, „bei der Überwachung der Klimaregeln die ‚Wohnungen zu betreten'“.

Und folglich endet der Weser-Kurier-Kommentar so: „‚Die Wohnung ist unverletzlich‘, heißt es im Grundgesetz. Ein Bremer Umweltsenator wagt, dies anzutasten? Grüner Mumpitz.“ (Hervorhebung EZ)

So ist es wohl: Konventionelle und reaktionäre Journalisten lieben die Grünen eben auf ganz besondere Weise. Falls deren (früher stärker verbreiteter) Moralismus noch einmal irgendwo aufzuflackern scheint, können sie nach Lust und Laune draufhauen.

Manchmal scheinen sie allerdings heftig daneben zu greifen, falls die Pressemitteilung des Senats die Tatsachen richtig darstellt.

Und noch etwas: Am Folgetag tauchte die Presseerklärung des Senats mit den Richtigstellungen weder in der Nordsee-Zeitung noch im Weser-Kurier auf,wenn ich nichts übersehen habe.

Zur Information folgt hier der Text der Presseerklärung des Senats:“Das Verbot des Neuanschlusses von Elektroheizung ist nicht etwa neu geplant, sondern es besteht in Bremen bereits seit dem Jahr 1991. Das stellt der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr zur aktuellen Berichterstattung über das geplante Klimaschutzgesetz klar. Das Verbot wurde aus dem heute geltenden Bremischen Energiegesetz in den Entwurf zum neuen Klimaschutz- und Energiegesetz übernommen. In dem Entwurf werden lediglich Ausnahmen zum Beispiel für Passivhäuser konkretisiert und der Vollzug vereinfacht.

Auch die kritisierten Regelungen zur behördlichen Überwachung gelten bereits heute. Sie sind wortgleich in dem derzeit geltenden Bremischen Energie Gesetz übernommen worden. Eine entsprechende Regelung steht auch in der gültigen Landesbauordnung (§ 58) und im Erneuerbare Energien Wärmegesetz des Bundes. Das Bundesland Bremen ist verpflichtet, Bundesgesetze zu vollziehen und deren Einhaltung zu überwachen.“

Auf welcher politischen Linie die beiden Lokalzeitungen hier agieren, zeigt sich in einer Presseerklärung der FDP vom gleichen Tag. Es folgt der FDP-Text im Originalton:

„FDP: Besserwisserisches Vorschreiben bringt Klimaschutz nicht voran

Bremen: Harsche Kritik übte der Bremer FDP-Landesvorsitzende, Prof. Dr. Hauke Hilz am Vorstoß von Umweltsenator Lohse zu einem Energie- und Klimaschutzgesetz: „Der notwendige Klimaschutz wird sich nur realisieren lassen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Besserwisserisches Vorschreiben vermeintlich richtiger Ideen, bringt Klimaschutz nicht voran und hilft auch nicht die Akzeptanz der Energiewende zu verbessern.“

Dass dazu noch ein System der Überwachung geplant ist, bringt den Liberalen Landeschef auf die Palme: „Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Grüne Moralapostel Grundrechte wie die Unverletzlichkeit der Wohnung einschränken, um den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.“ 

Die Liberalen fordern den Senator auf, seinen Gesetzentwurf zurückzuziehen. „ Herr Lohse sollte nicht weiter versuchen die Ideen seiner Verbotspartei als bremisches Recht durchzudrücken“, so Hilz. Welche Techniken sich beispielsweise zum Heizen durchsetzen, sollte nach Ansicht der Liberalen dem Markt überlassen werden. Hilz: „Die Menschen entscheiden bei Heiztechnik und energetischer Sanierung nach wirtschaftlichen Überlegungen. Beratung, Treibhausgashandel und Förderung sind die richtigen Instrumente. Verbote nicht.“ (Hervorhebungen EZ).

Man sieht sehr schön: Es gibt politische Reflexe, die immer noch sehr schön funktionieren. Mit Journalismus hat das allerdings nicht allzu viel zu tun…

Nachbemerkung: Ich muss zugeben, dass ich wieder mal nicht genau genug hingekuckt habe. Im Weser-Kurier wird in der heutigen Ausgabe (20. März 2014) das Thema sehr wohl aufgegriffen.

Allerdings ist dort von Selbstkritik keine Rede. Die Richtigstellung des Senats wird mitten in einem Text erwähnt, in dem vorher und hinterher die alten Vorwürfe erneut zitiert werden (aus einer Stellungnahme der CDU sowie der hier zitierten FDP-Pressemitteilung).

Nun bin ich gespannt, ob der Senat tatsächlich wahrheitsgemäß informiert hat…

Zweite Nachbemerkung: Und die Nordsee-Zeitung setzt heute (20. März 2014) sogar noch einen drauf.

R0027339Im Text werden nur die kritischen Stellungnahmen von CDU und FDP mitgeteilt. Von der Stellungnahme des Senats fehlt jede Spur!


Früheres Bremerhavener Nordsee-Hotel Naber von der Stadt mit hohem Verlust verkauft – Im Weser-Kurier fehlt leider diese interessante Tatsache…

1. August 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Kurioserweise sogar doppelt gemoppelt berichtet der Weser-Kurier in seiner Ausgabe vom 1. August 2013, dass in Bremerhaven das frühere Nordsee-Hotel Naber verkauft worden ist. Einmal wird es der Leserschaft im Lokalteil serviert und ein zweites Mal im Wirtschaftsteil.

R0027306

Solche Fehler können im Journalismus passieren.

Was allerdings nicht passieren sollte, ist etwas Anderes: In beiden Texten teilt der Weser-Kurier mit, dass der Verkaufspreis die Höhe von 650.000 Euro habe. Leider fehlt die Erinnerung, dass die Stadt Bremerhaven als jetzige Verkäuferin das Nordsee-Hotel vor zehn Jahren für immer 3,6 Millionen Euro erworben hatte – ein großzügiger Akt der Wirtschaftsförderung durch eine arme Stadt.

Die Nordsee-Zeitung erinnert in ihrer Ausgabe vom 1. August 2013 korrekt an diesen „Verlust“ von fast drei Millionen Euro für das notleidende Bremerhaven.

Warum der Weser-Kurier diese Erinnerung verpasst hat, ist leicht herauszufinden: Der WK verlässt sich auf die Pressemitteilung des Magistrats, und darin wird der peinliche finanzielle Fehlschlag aus verständlichen Gründen einfach verschwiegen.

Jeder weiß es und trotzdem wird es viel zu oft verdrängt: Qualitäts-Journalismus braucht den Blick zurück, und der leidet unter den auch im Journalismus-Gewerbe weiterhin wild wuchernden Sparzwängen.

Nachbemerkung: Selbstverständlich gibt es im Zusammenhang mit dem Ankauf und der Verwaltung des Nordsee-Hotels Naber noch eine Reihe anderer Punkte, die in Erinnerung gerufen werden könnten. Einige Beispiele liefert die Verkaufsgeschichte.

Aber ganz interessant wäre auch eine Erinnerung an den Umgang der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS mit den teilweise durchaus interessanten Teilen des Inventars des Nordsee-Hotels Naber (ein paar Bemerkungen können >>>an dieser Stelle nachgelesen werden – Datum 16. Dezember 2007 – sowie >>>an dieser Stelle – Datum 20. Januar 2008). Seinerzeit hat sich u.a. das Historische Museum darüber beschwert, dass es beim Umgang mit dem Inventar nicht angemessen einbezogen wurde.

Über die Rechtfertigung des damaligen Oberbürgermeisters für den kostspieligen Ankauf des Hotels wird >>>an dieser Stelle berichtet.

Das ließe sich fortsetzen…


Turbulenzen im Hause Weser-Kurier – Die Bremer taz berichtet über Verwirrungen…

4. Oktober 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – „Stammes-Krieg im Pressehaus“, lautet die Überschrift in der >>>taz Bremen am 4. Oktober 2012. Auch Radio Bremen berichtete kurz, wie >>>hier nachzulesen ist. Da in der Nordsee-Zeitung dazu voraussichtlich nichts zu lesen sein wird, gebe ich eine Zusammenfassung der taz-Berichterstattung von Klaus Wolschner, der die „Krise beim Weser-Kurier“ am 4. Oktober 2012 auch kommentierte – siehe hier.

Ulrich Hackmack, „der allgewaltige Vorstandsvorsitzende der Weser Kurier-Konzerngruppe Bremer Tageszeitungen-AG (BTAG)“, so Wolschner, sei immer noch auf diesem Posten, obwohl mittlerweile nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs feststehe, dass Hackmacks Vertrag, der seit 2009 läuft, „nichtig“ ist. Dafür gibt es formale Gründe. Allerdings sei eine erneute und formal korrekte Bestätigung Hackmacks wegen veränderter Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat nicht möglich.

Der Hintergrund laut Wolschner: Die Eigentümer-Erben der Bremer Familien Hackmack und Meyer, die auch als „Stämme“ bezeichnet werden, haben seit Jahren das Kriegsbeil ausgegraben. Mittlerweile hält der Erbe der Meyer-Anteile 50 Prozent der Aktien. Und dieser Erbe, schreibt Wolschner, „hält die selbstherrliche Vorstandstätigkeit von Ulrich Hackmack für eine Katastrophe für das Unternehmen und hätte sie gern schon 2009 beendet“.

Daher warten nun nicht nur die „Opfer“ der Hackmack-Ära „gespannt, wie der Krieg der Stämme ausgeht, sondern auch die Opfer der Chefredakteurin Silke Hellwig“. Deren Bestellung im September 2011 sei „ein Herzensanliegen von Ulrich Hackmack“ gewesen und habe „im Hauses des Weser Kuriers schnell zu ähnlich tiefgreifenden Missstimmungen geführt wie ihre Rolle als Chefin von buten & binnen vor ihrer Absetzung im Hause Radio Bremen“, berichtet Klaus Wolschner in der taz.

Laut Wolschner tagt der Aufsichtsrat noch im Oktober und müsse dann über „die Konsequenzen aus der Rechtswidrigkeit der Anstellung seines Geschäftsführers“ eine Entscheidung treffen.


Der Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) als kleines Lehrstück über regionale Medien…

20. September 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Am vergangenen Montag (17. September 2012) fand das Sommerfest der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven statt. Auch der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen dabei und machte einige Bemerkungen über den OTB: Eine private Finanzierung sei offensichtlich sehr schwierig, aber dies bedeute nicht, dass der OTB nicht gebaut werde…

In der Runde der Sommerfest-Gäste murmelte neben mir ein Kommunalpolitiker: „Na endlich, das wurde aber auch Zeit! Und was hat Böhrnsen vorher auf Zeit gespielt, um das zu verhindern!“ Und von einem anderen Gesprächspartner kam die Bemerkung: „War das nicht eine Unverschämtheit? Das ist doch geradezu eine Einladung an die Privaten, sich auf staatliches Geld zu verlassen.“

Wäre ein Vertreter der Nordsee-Zeitung (NZ) an diesem Abend anwesend gewesen, dann hätte die Wende der Bremer Politik in puncto OTB bereits am Dienstag (18. September 2012) in der Zeitung stehen können.

Ich habe niemanden von der NZ entdeckt, obwohl ich die meisten nicht mehr kenne. Aber auch Nachfragen vor Ort ergaben nur Kopfschütteln. Und in der NZ war folglich am nächsten Tag nichts zu entdecken.

Erst am Mittwoch (19. September 2012) kam Radio Bremen mit der OTB-Neuigkeit. Allerdings schöpfte der Sender aus einer anderen Quelle, denn mittlerweile hatte Wirtschaftssenator Martin Günthner auf der Messe Husum-Wind eine entsprechende Botschaft ausgesandt.

Einen Tag später (20. September 2012) berichtete sowohl der Weser-Kurier (WK) als auch die Nordsee-Zeitung über die Neuigkeit.

„Suche nach privatem Investor gescheitert“, lautet die Schlagzeile im WK-Wirtschaftsteil. Dort wurde solide über die Zusammenhänge und Hintergründe berichtet. In einem Kommentar auf Seite 2 setzte sich Annermarie Strußß-von Poellnitz abwägend und kritisch mit dem Geschehen auseinander. Überschrift: „Riskante Entscheidung“.

Ein kurzer Überblick über die Argumentation: Es herrschte noch Goldgräberstimmung in der Branche, als im Herbst 2010 die ersten Pläne für einen OTB auftauchten. Allerdings zeigte sich schnell, dass nur zwei Interessenten für die Investition von 200 Millionen Euro übrig blieben.

„Vielleicht haben sie von vornherein darauf gesetzt, dass Bremen einsteigt, denn die Politik wollte den OTB – unbedingt“, schreibt die WK-Kommenatorin. Aber da liege ein Problem, denn angesichts der Haushaltslage sei es „schwer vorstellbar“, dass Bremen noch einmal einen kompletten Hafen baut und ihn später an private Betreiber vermietet.

Die Folgerung: „Nach den Kriterien der Marktwirtschaft rechnet sich das Projekt nicht.“ Und Annemarie Struß-von Poellnitz warnt leise: Die Offshore-Branche sei „schon jetzt stark globalisiert und nicht an einen Standort gebunden“. Daher müsse mit bedacht werden, dass Konzerne ihren Standort schnell wechseln, während „der OTB bleibt“.

Und was macht die Nordsee-Zeitung am 20. September 2012 aus der OTB-Frage?

Sie überlässt dem hauseigenen Haudruff wieder einmal das Feld, um eine seiner platten Trommeleien für private Interessenten loszulassen. Aber solche provinziellen Trommeleien werden mittlerweile von so manchem in der Stadt nur noch kopfschüttelnd belächelt und müssen hier nicht weiter zusammengefasst werden.

Ergänzung 20. September 2012 – aus einer Pressemitteilung der FDP: „Bremen darf nicht an den bisherigen Planungen festhalten. Wenn sich kein Investor findet, der bereit ist, das wirtschaftliche Risiko zu tragen, hat dies gute Gründe. Das Land kann sich nicht noch ein Großprojekt leisten, welches den Haushalt erheblich belastet. Der bisher gewählte Standort ist aus nautischen Gründen falsch und der Senat hat ohne Not den Flugplatz Luneort kaputt gemacht. Rot-Grün muss sich von seinen Illusionen lösen und der Realität stellen.“