Radfahrer im Straßenverkehr werden in unseren Medien gerne dämonisiert und von Opfern zu Tätern gemacht…

16. April 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wer sich mit dem Fahrrad am Straßenverkehr beteiligt, wird in unseren Medien oft mit eigenartigen Brillen betrachtet. Das dürfte im Kern daher kommen, dass die Sichtweisen motorisierter Verkehrsteilnehmer immer noch die Zentralperspektive für die Darstellung aller Verkehrsprobleme darstellen.

Rücksichtslosigkeiten in Fußgängerzonen (und die gibt es selbstverständlich!) werden beispielsweise aktuell gerade wieder unter dem Schlagwort „Kampfradler“ zu einem Riesenproblem aufgeblasen – als läge dort die hauptsächliche Gefährdung für Verkehrsteilnehmer.

Interessant finde ich eine aktuelle Dekra-Analysefür die Stadt Berlin (eine Konzentration auf Städte scheint mir wichtig zu sein, weil Gesamtzahlen für den bundesweiten Verkehr täuschen – schließlich sind auf Autobahnen nur sehr selten Fußgänger und Radfahrer unterwegs!).

Die >>>Berliner Morgenpost berichtete darüber am 13. April 2012 unter der Schlagzeile „Fußgänger und Radfahrer leben in Berlin gefährlich“. Der Kernpunkt dieser Berichterstattung: „Besonders Fußgänger und Radfahrer leben demnach auf den Straßen Berlins gefährlich. Mehr als jeder zweite 2011 im städtischen Straßenverkehr Getötete sei zu Fuß (53,7 Prozent), etwa jeder fünfte mit dem Fahrrad unterwegs gewesen (20,4 Prozent). Nur 3,7 Prozent der Todesopfer waren Auto-Insassen.“

Die >>>Dekra selbst spricht mit Blick auf Berlin von einem „großen Nachholbedarf, was die Rücksicht den schwächeren Verkehrsteilnehmern gegenüber angeht“.

Von Seestadtpresse-Lesern kritisiert wird in diesem Zusammenhang immer wieder auch die Art der Berichterstattung in der Nordsee-Zeitung. Ihm fallen „regelmäßig die schlechten Artikel in der NZ zum Thema Fahrrad und Verkehr auf“, heißt es in einer Zuschrift. Geradezu verärgert sei er nach einem Blick in die Nordsee-Zeitung vom 29. März 2012 gewesen. Dort seien in einem Interview von zehn Fragen sieben falsch oder unzureichend beantwortet worden.

Dieser Leser verweist auf die Darstellung auf einer Seite der Stiftung Warentest, die nach seiner Kenntnis korrekt ist. >>>„Irrtümer rund ums Radfahren – Diese Regeln gelten wirklich“ lautet dort die Überschrift.

Für Bremerhaven als „Klimastadt“ sollte übrigens die korrekte und  zukunftstaugliche Betrachtung des Verkehrs eine besondere Rolle spielen. Das gilt in ganz besonderem Maße, wenn es die „klimafreundlichen“ Verkehrsarten wie Radfahren und Zu-Fuß-Gehen betrifft.

Positiv anzumerken ist daher, dass die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 16. April 2012 in der unangenehm aufgeplusterten „Kampfradler“-Initiative des CSU-Verkehrsministers einen sehr gemäßigten Kommentar abdruckt. „Einen Gang runterschalten“, fordert der Kommentator und stellt fest: „Klar, es gibt Radel-Rowdys.“ Aber er fügt richtigerweise hinzu „ebenso übrigens wie rücksichtslose Autofahrer, Motorradfahrer und Fußgänger“.

Wie die Unfallstatitistik zeigt, sind die motorisierten Verkehrsteilnehmer jedenfalls erheblich gefährlicher für ihre Mitmenschen als Fußgänger und Radfahrer.
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