Kriegerische Stimmung in der deutschen Presse – Die Kritik daran wird lauter…

15. September 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Wer die aktuelle außenpolitische Berichterstattung und Kommentierung in der deutschen Presse beobachtet, findet dort einen kriegerischen Grundton, der einen kritischen Beobachter durchaus an Zeiten der Gleichschaltung erinnern könnte.

Glücklicherweise nehmen außerhalb dieser großen deutschen Mainstream-Medien die Warnungen vor allzu viel Leichtfertigkeit, blindem Eigenlob und Gesinnungs-Trommelei mittlerweile zu. Besonders deutlich wird die Presse-Malaise im Zusammenhang mit den Konflikten in der Ukraine. Putin wird zum Ober-Bösewicht stilisiert, ohne die westliche Politik der Zuspitzung des Konflikts auch nur zu bedenken, geschweige denn kritisch zu beleuchten.

Dazu gibt es eine ausführliche Argumentation von Albrecht Müller in den NachDenkSeiten (nds) unter dem Datum 8. September 2014, die >>>hier angeklickt werden kann. Joachim Jahnke warnt vor den unübersehbaren negativen Folgen für die deutsche Wirtschaft. >>>Seiner Meinung nach wächst sich die leichtfertige „Sanktions-Spirale“ gegen Russland immer schneller zu einem neuen Kalten Krieg aus…

In der US-Zeitschrift >>>„Foreign Affairs“ (September / Oktober 2014) schreibt John Mearsheimer einen interessanten Text unter der Überschrift „Why de Ukraine Crisis Is the West’s Fault“.

Im >>>Guardian vom 3. September 2014 äußert sich Seumas Milne unter der Überschrift „Far from keeping the peace, Nato is a threat to it“. Bereits am 5. März 2014 meinte Milne >>>ebenfalls im Guardian: „The Clash im Crimea is the fruit of western expansion. The external struggle to dominate Ukraine has put fascists in power and brought the country to the brink of conflict“…

Wer die Hintergründe dieser spezifisch deutschen medialen Kriegs-Stimmung etwas besser verstehen will, sei an die Sendung „Die Anstalt“ im ZDF vom 29. April 2014 erinnert:


Journalismus lebt mit Blindstellen, aber wahrheitsgemäße Berichterstattung sieht anders aus…

28. September 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Journalismus ist ein heikles Betätigungsfeld. So manch einer der Akteure lässt sich mehr von seinen Glaubenssätzen und Gewohnheiten leiten als von der Bereitschaft, einfach einmal hinzuhören oder genau nachzulesen.

Deutlich geworden ist mir das wieder mal an der Berichterstattung über die Rede Ahmadinedschads am 26. September 2012 vor der UN-Volllversammlung. Dieser Mensch ist nun wahrlich kein Freund von mir, aber trotzdem sollte berichtet werden, was er tatsächlich gesagt hat und nicht, wodurch Denkschablonen am simpelsten bedient werden sollen.

„Ahmadinedschad wettert gegen unzivilisierte Zionisten“, titelte der >>>Spiegel am selben Tag und setzte damit einen klaren Akzent, der später auch in der weiteren Berichterstattung zu beobachten war. „Provokateur fühlt sich bedroht“, hieß es beispielsweise in der Nordsee-Zeitung.

Einen ganz anderen Akzent setzte das englischsprachige Medium >>>Aljazeera: „Mahmoud Ahmadinejad, Iran’s president, has accused the West of nuclear ‚intimidation‘ in speech to the UN general assembly which was boycotted by the US and Israel. But the Iranian president steered clear of toxic remarks about Israel“, stellt das Online-Medium fest. Also: Ahmadinedschad beschuldigt den Westen der nuklearen Einschüchterung und habe giftige Bemerkungen über Israel vermieden.

Wer sich aus Neugier etwas klüger machen möchte: Die Rede des iranischen Präsidenten ist auf den Seiten der Vereinten Nationen sowohl vollständig >>>als Video als auch als Text in einer kürzeren >>>offiziellen UN-Zusammenfassung sowie in einer >>>vollständigen Übersetzung) nachzuverfolgen.

Lässt mensch den Predigerton eines gläubigen Menschen einmal außer Acht, gibt es Anmerkungen über den Zustand der Welt, die zwar nicht die Sichtweise der gegenwärtigen Bestimmer-Nationen widerspiegeln, die aber meiner Ansicht nach viele richtige Hinweise aus der Perspektive der Bewegung der Blockfreien Staaten enthalten.

In einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung hätten solche Aussagen aus der Perspektive der Blockfreien sehr wohl ihren Platz finden müssen…


Nordsee-Zeitung wandelt munter weiter auf IHK-Propaganda-Pfaden – Verfälschung durch Überschrift…

9. Juli 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – „Bettensteuer ärgert die IHK-Funktionäre“ – so hätte die korrekte Überschrift für einen Artikel in der Bremerhavener Nordsee-Zeitung am 9. Juli 2012 lauten müssen.

Und wie verdreht die Redaktion der Nordsee-Zeitung diese parteiliche Botschaft?

Außerdem fällt auf, dass der Text nicht einmal diese einseitig verfälschte Botschaft stützt, denn laut Interessenverband Dehoga scheinen sich die allermeisten Gäste überhaupt nicht allzu sehr zu ärgern; von sinkenden Übernachtungszahlen könne nicht gesprochen werden, berichtet die NZ.

Selbst der im NZ-Text ausführlich zitierte Hotelier Piet Rothe meldet zwar „einen Buchungsrückstand von acht Prozent“. Aber dies kann nach seinen eigenen Angaben auch völlig andere Gründe haben, insbesondere „etwas mehr Ruhe“ bei den touristischen Angeboten Bremerhavens oder „viele neue Betten in Pensionen“. So steht es dann auch korrekt im NZ-Vorspann zum Text: „Der befürchtete Einbruch bei den Buchungen (ist) offenbar ausgeblieben.“

Jeder Mensch kann wissen, dass im Text noch so viele Relativierungen angeführt werden können. Die Überschrift setzt den entscheidenden Prägestempel für die durchschnittliche Leserschaft, und diese Überschrift spiegelt in diesem Fall nichts als die Sichtweise der IHK-Funktionäre wider.

Diese Einseitigkeit hat eine logische Folge: Die Meinungsäußerung irgendeines Befürworters der „Bettensteuer“ kommt im Text der Nordsee-Zeitung an keiner einzigen Stelle zur Sprache.