Bremerhavener Magistrat setzt bei Baumaßnahmen im Straßenverkehr falsche Prioritäten – Fußgänger und Radfahrer werden missachtet…

15. September 2014

Seestadtpresse Bremerhaven –

Seestadtpresse Bremerhaven – Kürzlich habe ich >>>an dieser Stelle kritisiert, dass der Weg auf dem Geestedeich zwischen Marineschule und Grimsbystraße für Fußgänger und Radfahrer blockiert worden ist, weil auf dem Zubringer Straßenbauarbeiten durchgeführt werden.

Meine Frage an das zuständige Amt, ob es nicht auch anders ginge, wurde mit einem klaren NEIN beantwortet. Auf meine Nachfrage wurde u.a. festgestellt: „Eine Führung der Radfahrer und Fußgänger neben arbeitenden Baumaschinen ist unter Sicherheitsaspekten nicht vertretbar.“

Ich sehe in dieser Stellungnahme des Amtes eine schöne Illustration des alten Gedankens: „Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.“

Meine Kritik zielt also auf die grundsätzliche Herangehensweise an Probleme im Straßenverkehr. Das lässt sich leicht so illustrieren: Wenn es vorab die Anweisung gegeben hätte, dass der Weg für Fußgänger und Radfahrer unbedingt offengehalten werden muss, wären dann etwa die Straßenbauarbeiten unmöglich geworden?

Selbstverständlich nicht. Es wäre nur eine andere Herangehensweise notwendig geworden.

In diesem Fall gab es nämlich (wie so oft) die genau entgegengesetzte implizite Anweisung: Baut an der Autostraße! Fußgänger und Radfahrer brauchen nicht weiter berücksichtigt werden!

In einer „Klimastadt“ ist eine solche Herangehensweise ganz grundsätzlich unangemessen, meine ich. Fußgänger und Radfahrer müssen bei einem solchen Anspruch anders behandelt werden, als das hier wieder einmal geschehen ist.

Und: Wenn dann aus Sicherheitsgründen doch kurzfristige Sperrungen unumgänglich sein sollten, bleibt das immer noch etwas völlig Anderes als die vollständige Sperrung eines Weges über Monate.

Und noch etwas: Ich fürchte, wenn der oben vom Amt genannte Grundsatz „Keine Fußgänger und Radfahrer neben arbeitenden Baumaschinen“ ernst genommen würde, könnten Straßenbauarbeiten künftig kaum noch irgendwo durchgeführt werden.

Und ganz zum Schluss noch eine Kleinigkeit: Die wort- und hinweislose Vollsperrung des Geestedeichs an der Marineschule ist nun wirklich der blanke Unsinn, denn Spaziergänger könnten sich zumindest auf dem schönen Weg am Wasser hin und her bewegen. Es fehlt hier der Hinweis: Weg frei bis zur Baustelle.

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Eiertanz erster Güte – So sehen ökologische Meilensteine des rot-grünen Bremerhavener Magistrats aus…

8. Juli 2014

NACHTRÄGLICHER HINWEIS: Ich bitte um Beachtung der Leserzuschrift von Peter Schühle über den Ablauf der Bürgerbeteiligung!

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn es um Ökologie und Umweltschutz geht, dann ist dem Bremerhavener Magistrat unter spezieller Beteiligung der Grünen (!) kein Eiertanz zu eiertänzerisch.

Ich nehme als Beispiel die Vorlage des Magistrats Nr. V 36/2014: Integriertes Klimaschutzkonzept Regionalforum Bremerhaven. Dort sollte mensch sich den ersten Satz unter „A Problem“ auf der Zunge zergehen lassen (wörtlich mit Kommafehler abgetippt!): „Auf der Grundlage der Vorlage VI 78/2013 vom 11.06.2013 und der Beschlussfassung des Bau- und Umweltausschusses Sachstandsinformationen während der Gutachtenbearbeitung vorgelegt zu bekommen, ist bei der Abarbeitung des Projektes der Meilenstein Leitbild für ein regionales Klimaschutzkonzept der Unterweserregion erreicht worden.“

R0027345So schick sieht das Deckblatt aus (hier ein Ausschnitt). Die Magistratsvorlage und das Leitbild können >>>auf dieser Seite angeklickt werden (unter „Dokumente“ und „Anlage“).

Auf die genauere Analyse des verbalisierten Eiertanzes verzichte ich an dieser Stelle. Hier kommt wieder nur ein Beispiel: Das Stichwort „Verkehr“ taucht nicht etwa unter „Leitlinien zur Treibhausgas-Reduktion“ auf, sondern unter „Leitlinien zur Energieeffizienz“ (!).

Unter diesem Gesichtspunkt sollen dann „im Mobilitätsbereich kooperative Lösungen zwischen Stadt und Land“ gestärkt und „unter den besonderen Bedingungen ländlicher Räume innovative Maßnahmen“ umgesetzt werden, damit unter anderem „eine Reduktion des Verkehrsaufkommens“ erreicht werden kann.

Mensch betrachte vor diesem Hintergrund aktuelle Verkehrsprojekte wie die heftig propagierte Küstenautobahn und den Bremerhavener Hafentunnel – und siehe da! solche verkehrspolitischen Aktivitäten passen prima in den Leitlinien-Rahmen dieses innovativen „Klimaschutzkonzepts“ hinein.

Am Donnerstag (10. Juli 2014) darf die Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag des rot-grünen Magistrats diesem gelungenen „Leitbildvorschlag für das regionale Klimaschutzkonzept der Unterweserregion“ zustimmen und damit der „Klimastadt Bremerhaven“ ein neues Blümchen ins schüttere Haar flechten.


Bremerhaven: Autofahrer bestimmen immer noch die Prioritäten der Verkehrspolitik – Zeit zum Umsteuern ist längst da…

8. August 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Über den Umgang von Autofahrern mit Fußgängern und Radfahrern lässt sich in unseren Medien täglich eine Vielzahl von Berichten finden. Eine kleine Auswahl:

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Gleichwohl kommt niemand auf den Gedanken, wegen dieser Verletzten und Toten den Autoverkehr zu verbieten.

Das erstaunt, weil beispielsweise in der Bremerhavener Fußgängerzone ein paar rücksichtslose Radfahrer als Anlass genommen wurden, dort das Radfahren trotz der Breite der Straße tagsüber vollständig zu untersagen (und dieses Verbot auch häufig zu kontrollieren!).

Dieses Verbot für Radfahrer wird ausgesprochen, obwohl Radfahrer niemals in der Lage wären, auch nur annähernd für solche dramatischen Unfälle zu sorgen, wie es Autofahrer ohne große Anstrengung zustande bringen können.

Diese Blindstellen (von denen es noch andere gibt) illustrieren, dass unsere Verkehrspolitik trotz des Klimastadt-Gesabbels weiterhin unter dem Blickwinkel des motorisierten Verkehrs organisiert wird.

Die Zeit zum Umsteuern in der Verkehrspolitik ist nun wirklich längst gekommen.


Radfahrer im Straßenverkehr werden in unseren Medien gerne dämonisiert und von Opfern zu Tätern gemacht…

16. April 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wer sich mit dem Fahrrad am Straßenverkehr beteiligt, wird in unseren Medien oft mit eigenartigen Brillen betrachtet. Das dürfte im Kern daher kommen, dass die Sichtweisen motorisierter Verkehrsteilnehmer immer noch die Zentralperspektive für die Darstellung aller Verkehrsprobleme darstellen.

Rücksichtslosigkeiten in Fußgängerzonen (und die gibt es selbstverständlich!) werden beispielsweise aktuell gerade wieder unter dem Schlagwort „Kampfradler“ zu einem Riesenproblem aufgeblasen – als läge dort die hauptsächliche Gefährdung für Verkehrsteilnehmer.

Interessant finde ich eine aktuelle Dekra-Analysefür die Stadt Berlin (eine Konzentration auf Städte scheint mir wichtig zu sein, weil Gesamtzahlen für den bundesweiten Verkehr täuschen – schließlich sind auf Autobahnen nur sehr selten Fußgänger und Radfahrer unterwegs!).

Die >>>Berliner Morgenpost berichtete darüber am 13. April 2012 unter der Schlagzeile „Fußgänger und Radfahrer leben in Berlin gefährlich“. Der Kernpunkt dieser Berichterstattung: „Besonders Fußgänger und Radfahrer leben demnach auf den Straßen Berlins gefährlich. Mehr als jeder zweite 2011 im städtischen Straßenverkehr Getötete sei zu Fuß (53,7 Prozent), etwa jeder fünfte mit dem Fahrrad unterwegs gewesen (20,4 Prozent). Nur 3,7 Prozent der Todesopfer waren Auto-Insassen.“

Die >>>Dekra selbst spricht mit Blick auf Berlin von einem „großen Nachholbedarf, was die Rücksicht den schwächeren Verkehrsteilnehmern gegenüber angeht“.

Von Seestadtpresse-Lesern kritisiert wird in diesem Zusammenhang immer wieder auch die Art der Berichterstattung in der Nordsee-Zeitung. Ihm fallen „regelmäßig die schlechten Artikel in der NZ zum Thema Fahrrad und Verkehr auf“, heißt es in einer Zuschrift. Geradezu verärgert sei er nach einem Blick in die Nordsee-Zeitung vom 29. März 2012 gewesen. Dort seien in einem Interview von zehn Fragen sieben falsch oder unzureichend beantwortet worden.

Dieser Leser verweist auf die Darstellung auf einer Seite der Stiftung Warentest, die nach seiner Kenntnis korrekt ist. >>>„Irrtümer rund ums Radfahren – Diese Regeln gelten wirklich“ lautet dort die Überschrift.

Für Bremerhaven als „Klimastadt“ sollte übrigens die korrekte und  zukunftstaugliche Betrachtung des Verkehrs eine besondere Rolle spielen. Das gilt in ganz besonderem Maße, wenn es die „klimafreundlichen“ Verkehrsarten wie Radfahren und Zu-Fuß-Gehen betrifft.

Positiv anzumerken ist daher, dass die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 16. April 2012 in der unangenehm aufgeplusterten „Kampfradler“-Initiative des CSU-Verkehrsministers einen sehr gemäßigten Kommentar abdruckt. „Einen Gang runterschalten“, fordert der Kommentator und stellt fest: „Klar, es gibt Radel-Rowdys.“ Aber er fügt richtigerweise hinzu „ebenso übrigens wie rücksichtslose Autofahrer, Motorradfahrer und Fußgänger“.

Wie die Unfallstatitistik zeigt, sind die motorisierten Verkehrsteilnehmer jedenfalls erheblich gefährlicher für ihre Mitmenschen als Fußgänger und Radfahrer.

Bremerhavener Klimapolitik: Nordsee-Zeitung liefert eindrucksvoll nichtssagende Berichterstattung…

7. Februar 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Mit einem gnadenlos auf den Informations-Nullpunkt gebrachten Text beeindruckt die Nordsee-Zeitung (NZ) in ihrer Ausgabe vom 7. Februar 2012 ihre Leserschaft.

Wer schon immer mal wissen wollte, was es mit der Bremerhavener Beteiligung am >>>European Energy Award auf sich hat, der findet in der NZ keinerlei Antwort.

* Nichts Brauchbares über den Charakter dieses Zertifizierungsprozesses, der in Bremerhaven bereits seit 2005 läuft.

*Nichts über das Scheitern beim Klimaschutz-Zertifikat im Jahre 2008.

* Nichts über die angewandten Kriterien und nichts über die erreichte Punktzahl beim jetzigen Anlauf.

Das ist für eine Lokalzeitung erstaunlich viel Nichts, scheint sich aber bei der Nordsee-Zeitung als interessantes Konzept immer weiter in den Vordergrund zu drängen.

Schon ein Blick auf die Informationen auf der >>>allgemein zugänglichen Seite von Bremerhaven.de hätten dem NZ-Autor gedanklich ein wenig auf die Sprünge helfen können. Da findet sich beispielsweise der „Masterplan aktive Klimapolitik in Bremerhaven“ mit seiner Fortschreibung von Maßnahmen.

Bei der Stadtverwaltung erhältlich ist der ausführliche Audit-Bericht zum European Energy Award, aus dem interessante Details herauszulesen sind.

Nur ein paar Beispiele:

* Nachdem Bremerhaven im ersten Anlauf 2008 mit nur 42 Prozent der möglichen Punkte unter der entscheidenden 50-Prozent-Hürde geblieben war, konnten jetzt immerhin (nach einer Modifizierung) 61 Prozent erreicht werden. Das ist im Kreis der aktuell teilnehmenden 221 Städte und Gemeinden wenig glanzvoll für die „Klimastadt Bremerhaven“ (!), >>>aber immerhin Mittelfeld.

* „Großes Verbesserungspotential“ mahnt der Bericht beispielsweise für die Flächennutzungsplanung an. Darin seien u.a. „klimarelevante Maßnahmen“ bei der Vernetzung von Grünflächen und bei der Planung von Rad- und Fußwegen nicht verankert worden. Man erinnere sich: Diese Chance wurde vor nicht allzu langer Zeit vertan.

* In der Verkehrspolitik fehlt ein Gesamtkonzept, macht der Bericht deutlich. Was dort übrigens überhaupt nicht angesprochen wird, ist das Kuriosum, dass sich die „Klimastadt Bremerhaven“ mit großer Energie für einen Autobahn-Neubau ins Zeug legt...

Ich breche die Analyse hier erst einmal ab.

Vielleicht besinnt sich die Nordsee-Zeitung ja doch noch auf ihre Informationspflichten und liefert eine Analyse zum Ergebnis des Zertifizierungsverfahrens zum European Energy Award…