Bremerhavener Tourismus-Chef baut an Luftschloss – 1,8-Millionen-Euro-Projekt trotz Haushaltsnotlage…

1. September 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – „Die neue Willkommenskultur“ titelt die Nordsee-Zeitung (NZ) am 1. September 2014 mit erkennbarer Zustimmung zu einem 1,8-Millionen-Euro-Luftschloss, das der in der NZ viel gelobte neue Bremerhavener Tourismus-Chef ins Gespräch gebracht hat.

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Ich muss zugeben, dass ich nicht allzu oft mit CDU-Positionen übereinstimme, aber Paul Bödekers Presseerklärung zu dieser erneuten Anreicherung der ohnehin schon kostspieligen Bremerhavener Tourismus-Infrastruktur mit dem dämlichen Namen „Welcome Center“ kann ich nur unterstreichen.

Die CDU-Pressemitteilung wird deshalb hier in voller Länge zur Kenntnis gegeben. Die Überschrift: „Zeichen der Zeit nicht erkannt“ (die Hervorhebungen und kleine Korrekturen sind von mir).

 
„Als unbelehrbar bezeichnete der Fraktionsvorsitzenden Paul Bödeker die Aussagen des Tourismuschefs Kiesbye zum Welcome Center. Jetzt einen Bremer Architekten ohne Beschluss im Finanz- und Wirtschaftsausschuss mit der Planung zu beauftragen, ist ein einmaliger Vorgang. In Zeiten einer Haushaltssperre ist es abenteuerlich, ein Projekt von jetzt schon über 1,8 Millionen Euro in Angriff zu nehmen. Touristen, die nach Bremerhaven kommen, müssen über touristische Anlaufstellen im Bereich des Autobahnzubringers und des Hauptbahnhofs über Parkmöglichkeiten und über die touristischen Highlights dieser Stadt in netter Art informiert werden. Auch der ÖPNV und das Taxi-Gewerbe muss eingebunden werden. Ziel der touristischen Arbeit von Kiesbye soll das verstärkte regionale und überregionale Werben für Besucher unserer Stadt sein.

 
Wir brauchen im Bereich der Havenwelten keine zusätzlichen Attraktionen, die das Vorhandene wie Deutsches Auswanderhaus und Klimahaus erklären, sondern wir brauchen vermehrt Besucher für diese Attraktionen. Statt solche Hirngespinste zu verfolgen, sollte Kiesbye sich lieber um die Erreichbarkeit der Stadt durch Touristen kümmern.

 
Genauso hat man von ihm kein Wort zum Cityport gehört, an dem auch touristische Besucher mit ihren Booten der Stadt einen Besuch abgestattet haben. Hier fehlen inzwischen Steganlagen, es sind keine Versorgungsmöglichkeiten mehr vorhanden und es kümmert sich auch kein Hafenmeister mehr um die Besucher. Da wir im letzten Jahr sinkende Besucherzahlen zu verzeichnen hatten, hat der Tourismuschef in diesem Bereich eigentlich genug zu tun.“


Axthiebe an den Wurzeln der Stadt? – Anmerkungen zur Bremerhavener Stadtentwicklung…

14. Februar 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Stadtentwicklung ist ein zentrales Thema für alle Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt. Immer wieder sind große Strömungen zu beobachten, beispielsweise die nun endgültig ad absurdum geführte Vorstellung von einer „autogerechten Stadt“. Heute steht bekanntlich allerorten „der Mensch“ im Mittelpunkt.

Aber auch da kommt es auf die konkreten Weichenstellungen und Entwicklungen an.

„Von der Wiederkehr der verbotenen Stadt“ sprach am 10. Februar 2014 in der Süddeutschen Zeitung ein Kunsthistoriker in einem Interview. Er kritisierte mit deutlichen Worten das Abschließen einer Siedlung gegen „das Wohngewebe der Umgebung“ und meinte damit die sogenannten „gated cities“ (also das wirklich mit einem bewachten Tor nach außen verbarrikadierte Wohnen reicher Leute).

So etwas entstehe, „wo sich risikofreies, schichtenrein praktiziertes Ausleben von Reichtum von Kriminalität oder auch nur Kritik bedroht sieht“. In zunehmendem Maße sei das weltweit zu beobachten, und der Experte für Architektur nannte das „Axthiebe an den Wurzeln der europäischen Stadt“.

Ich würde diese Charakterisierung als „Axthiebe“ nicht nur auf (im Wortsinn) abgeschlossene Quartiere begrenzen, sondern ausweiten auf alle Wohnquartiere, die sich „schichtenrein“ entwickeln – sowohl in heruntergekommenen Quartieren für ärmere Schichten als auch in Luxusquartieren für reichere Schichten, wie sie in Bremerhaven beispielsweise rund um den Neuen Hafen in der Stadtmitte entstanden sind.

Dieses Quartier habe ich hier >>>in der Seestadtpresse als „ein Mahnmal der sozialen Spaltung unserer Stadt“ bezeichnet – ein exklusives Luxusquartier ohne irgendwelche sozialen Einsprengsel, das seinerzeit unter Federführung eines entschlossenen SPD-Oberbürgermeisters massiv öffentlich gefördert wurde.

Ein Element dieser öffentlichen Förderungsstrategie war das geschickt inszenierte Umlenken von EU-Geldern für Lehe an den Neuen Hafen, der einfach trickreich zum Bestandteil eines sozial problematischen Projektgebiets erklärt wurde.

Durch diese Weichenstellung blieb die Werftbrache an der Geeste in Lehe bis heute leer, und der wichtige Impuls für die Entwicklung dieses Stadtteils blieb aus. Am Neuen Hafen konnte sich dagegen das Luxusquartier ausbreiten. Es wird u.a. ergänzt durch die Ansiedlung von Institutionen wie Arbeitnehmerkammer und Verbraucherberatung, die ebenfalls aus Lehe abgezogen und dorthin verlegt wurden, obwohl sie in Lehe mehr gebraucht werden.

Die Folgen dieses (an den falschen Ort umgelenkten) Impulsprojekts können in Lehe heute besichtigt werden.

Wer einen Rundgang durch das Quartier zwischen Hafenstraße, Körnerstraße und Rickmersstraße macht, wird ohne Probleme bemerken, dass es hier trotz aller lobenswerten Bemühungen immer weiter abwärts gegangen ist – im Gegensatz zu der auch von mir häufig geäußerten Hoffnung, nun müsse doch langsam der Tiefpunkt der Entwicklung erreicht sein.

Ohne es abschließend beweisen zu können, befürchte ich nach meinen Beobachtungen, dass es so schlimm noch nie gewesen ist. Ich sage dazu ausdrücklich: Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, falls das möglich sein sollte.

Wer diese (in unterschiedlichem Sinn negativen) Entwicklungen am Neuen Hafen und in Lehe nicht gedanklich zusammenbringt, verfehlt meiner Ansicht nach einen zentralen Punkt der Bremerhavener Stadtentwicklung.

Und es bleibt ein Verdienst der großen Koalition unter Federführung eines SPD-Oberbürgermeisters: Der in Lehe dringend benötigte soziale Impuls mit Hilfe von Geldern der Europäischen Union wurde missbraucht zum Aufbau eines Luxusquartiers in der Innenstadt.

Weitere Anmerkung: Unter der Überschrift „Die Leere glitzert golden“ beschäftigt sich Laura Weissmüller in der Süddeutschen Zeitung vom 29. November 2013 mit der städtischen Entwicklung Zürichs. Dabei werden allgemeine Anmerkungen zur Stadtentwicklung gemacht, die ich bemerkenswert finde.

„Die Marktlogik kennt keine soziales Gewissen“, lautet ein Kernsatz, der auf die Kritik einer „neoliberalen Stadtentwicklung“ zielt, „die nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist“. Sie basiere auf einer „Trennung durch den Quadratmeterpreis“ und produziere einen „sozialen Sprengstoff, der sich da gerade in die Innenstädte einbetoniert“.

Dagegen setzt die Autorin diesen Gedanken: „Was es braucht, sind neue Ideen für eine sozial gerechtere, aber auch zukunftsfähige Stadt.“

Und: „Anders als in der freien Marktwirtschaft muss sich in einer gelungenen Stadtplanung ein soziales Gewissen widerspiegeln.“ Wenn die öffentliche Hand nicht vorschreibe, „dass auf einem Areal zu einem gewissen Anteil auch günstiger Wohnraum entstehen soll oder Gewerbeflächen für Kleinunternehmer, dann wird die Immobilienwirtschaft beides verdrängen“.

Wer behauptet, die von Laura Weissmüller geforderten „neuen Ideen für eine sozial gerechtere Stadt“ ließen sich in der (angeblich neuen) Bremerhavener Stadtentwicklung am (ebenfalls nicht ganz neuen) Neuen Hafen ablesen, der müsste sich in die Kategorie „Spinner“ oder „Traumtänzer“ einsortieren lassen.

Oder?

 


Kuddelmuddel bei der Nordsee-Zeitung: Gibt es freiwillige Verpflichtungen? Und ist die BIS ein merkwürdiger Verein?

14. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Überschriften sollen den Inhalt eines Zeitungsartikels prägnant auf den Punkt bringen und meinetwegen gelegentlich auch mal provokativ zuspitzen. Interessant wird es, wenn eine Überschrift prägnant und provokativ misslingt, wie im Lokalteil der Nordsee-Zeitung vom 12. November 2013:

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Von „freiwilligen Leistungen“ und „Vereinen und Verbänden“ wird dort geschrieben. Und es wird erläutert, dass es um „Zuwendungen“ aus dem städtischen Haushalt geht, denen der „Rotstift“ droht.

Schon ein erster Blick auf den Text macht den Unsinn in der Überschrift deutlich, denn die Zuwendungen gehen an die Entwicklungsgesellschaft BEAN, an die Verkehrsgesellschaft VGB, an die Wirtschaftsförderer der BIS, an die Stadthalle, an das Arbeitsförderungszentrum AFZ, den Zoo am Meer, das Schiffahrtsmuseum – und da kann weder von „Vereinen und Verbänden“ noch von „freiwilligen Leistungen“ die Rede sein.

In einem Zusatz wird das Ganze in der unteren Ecke auch richtig erklärt. Bei Zuwendungen gehe es um zweckgebundene Geldleistungen der Stadt „‚zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben’…, die sonst von ihr selbst wahrgenommen werden müssen“.

Wohlgemerkt: MÜSSEN! Von wegen freiwillig!

Noch eine kleine Anmerkung: Genau 1,86 Millionen Euro gingen laut NZ im vergangenen Jahr an die Stäpark „für den Betrieb der Parkgarage Havenwelten“.

Erinnert sich noch jemand: Die Parkgarage unter den Havenwelten wurde „privat“ finanziert von den Unternehmen AVW und Zech. Genaue Zahlen über die Kosten gibt es bis heute nicht. Im Weser-Kurier vom 10. Oktober 2008 war zu lesen, dass AVW von 45 Millionen Euro Gesamtinvestition spreche, während der Magistrat stets eine Zahl von 37,5 Millionen Euro genannt habe. „Darin enthalten sind 7,8 Millionen Euro, die von der Stadt für den Bau der gläsernen Kuppel beigesteuert wurden. Bestandteil der AVW-Investition ist die Tiefgarage, die mit bis zu 16 Millionen Euro zu Buche schlagen dürfte. Für die Nutzung der 500 Stellplätze konnte AVW einen langfristigen Vertrag mit der Städtischen Wohnunggesellschaft (Stäwog) abschließen. Über eine Tochtergesellschaft sorgt die Stäwog mit jährlichen Zahlungen für die Finanzierung – unabhängig von der Höhe der Einnahmen aus Parkgebühren. Gefüllt wird die (laut Magistrat) unvermeidbare Deckungslücke aus dem städtischen Haushalt.“

Und das Geld muss Jahr für Jahr fließen – als Zuwendung an die Stäpark.

Freiwillig? Nu ja…


Selbst fabrizierte Lobhudeleien für die Bremerhavener Havenwelten – Nordsee-Zeitung lobt auftragsgemäß wacker mit…

5. November 2010

Seestadtpresse Bremerhaven – „Applaus für die Havenwelten“ lautet die Schlagzeile der Nordsee-Zeitung am 5. November 2010. Auch wenn es beim Deutschen Tourismuspreis nicht ganz zum ersten Platz reichte, verbuchen die Propagandisten der Havenwelten die Auszeichnung als „tollen Erfolg“ und „unschätzbaren Imagefaktor“ für Bremerhaven.

Stifter dieses Preises ist der Deutsche Tourismusverband (DTV). Wikipedia fasst die Informationen so zusammen:

„Der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) ist eine Lobbyorganisation in der deutschen Tourismuspolitik sowie Beratungs- und Koordinationsstelle der nationalen Tourismuswirtschaft. Er stellt den Dachverband kommunaler, regionaler und landesweiter Tourismusorganisationen dar und setzt sich für eine touristische Entwicklung in Deutschland ein. Der Verband ist beratend, zertifizierend und koordinierend in vielen Bereichen des Qualitätstourismus tätig.“ (Hervorhebungen DK)

Die „zwölfköpfige Jury aus Wirtschaft, Tourismus, Wissenschaft und Medien“ ist also aus den Reihen dieser Lobbyorganisation besetzt.

Finanziell gefördert wird der Deutsche Tourismuspreis  nach Angabe des DTV „von der Sparkassen-Finanzgruppe, Sparkassen aus Niedersachsen, Ostdeutschland, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein mit dem Sparkassen-Tourismusbarometer. Mit dem ADAC e.V. und Ameropa-Reisen GmbH konnten zudem neue Partner gewonnen werden.“

Der Preis wird also unter anderem gestiftet und gefördert von Akteuren, die sich beim Durchsetzen der Projekte als Lobbyorganisationen der heimischen Unternehmerschaft betätigt haben und die mit Hilfe solcher Projekte Geld verdienen.

Es ist also durchaus denkbar, den Tourismuspreis nicht nur als Eigenlob, sondern auch als pure Werbeveranstaltung zu charakterisieren.

Auch dieses Spiel mit Eigenlob und PR spielt die Nordsee-Zeitung mit, weil sie unter der Oberaufsicht einer IHK-Vizepräsidentin gar nicht anders kann und darf. Das war schon immer ein wichtiger Kern unserer Pressefreiheit.

Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an den angeblichen „Architektur-Oscar“, den die Havenwelten zu Anfang des Jahres 2009 gewonnen haben, sowie an ein angeblich wunderbares Lob für die Havenwelten in der Zeitschrift „Baukultur“.

Die Seestadtpresse erläuterte unter dem Datum 4. Februar 2009 die Hintergründe dieses kuriosen Preises, der an 114 (!) Institutionen verliehen wurde.

Und das große Lob in der Zeitschrift „Baukultur“ stammte aus der Bremerhavener Bewerbung für den Deutschen Städtepreis und wurde von BEAN-Chef Dr. Alfred Lüneburg eigenhändig noch ein wenig eingekürzt.

Auch dieses selbst fabrizierte Eigenlob für die Havenwelten wurde seinerzeit von der Nordsee-Zeitung ohne Blick auf die Hintergründe nachgeplappert. Ob das damit zu tun haben könnte, dass der Ditzen-Verlag durch das Drucken von Werbebroschüren und Werbebüchern für die Havenwelten Geld verdient, soll einfach so als Frage in den Raum gestellt werden…

Und noch eine Anmerkung: Laut Pressemitteilung des Magistrats ging der so ungeheuer bedeutsame „Tourismus-Oscar“ des Deutschen Tourismus-Verbands in diesem Jahr an „die RUF Jugendreisen Trend Touristik GmbH, die ein Festival-Camp für Teenager auf der Insel Rügen anbietet“.

Und unter den weiteren Konkurrenten der Havenwelten befanden sich „so hochkarätige Feriengebiete wie Mecklenburg-Vorpommern, das die ‚Tatort‘-Stars Axel Prahl und Jan Josef Liefers als wandernde Werber an den Start schickte“.

Da sieht man doch ganz deutlich, in welch einer herausragenden Konkurrenz die Bremerhavener Havenwelten den ersten Platz wirklich nicht schaffen konnten.