Nordsee-Zeitung trommelt wieder mit Prozentzahl-Rekorden – „Sagenhafte 346 Prozent“ beim Bremerhavener Güterumschlag…

27. Januar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Man kennt das wunderliche Prozentzahl-Spiel: Da hat einer zwei Hühner und kauft sich acht dazu. Dann kann er protzen, er habe seinen Bestand um sagenhafte 400 Prozent gesteigert.

Die Nordsee-Zeitung versucht es am 27. Januar 2015 ebenso: „Keiner wächst schneller“, heißt es da: Der Bremerhavener Güterumschlag habe um „sagenhafte 346 Prozent“ zugelegt.

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Im Text wird größte Freude darüber geäußert, dass sich der gesamtdeutsche Güterumschlag in zwanzig Jahren seit 1993 verdoppelt habe, während er in Bremerhaven um „sagenhafte 346 Prozent“ zulegte – „ein Rekordwert an der deutschen Küste“, betont die Nordsee-Zeitung.

In Hamburg stieg der Umschlag im selben Zeitraum nur „um 99 Prozent“.

„Das ist weit weniger als in Bremerhaven“, schreibt die NZ und fügt dann etwas kleinlauter hinzu: „Allerdings brummt das Hafengeschäft in der der Elbmetropole auf höchstem Niveau.“

Genau das ist der Punkt: Wer sich die Zahlen im >>>Statistikbericht des Statistikamts Nord ansieht, erkennt leicht, warum die Nordsee-Zeitung nur mit den Prozentzahlen herumfummelt: Im ausgewählten Basisjahr 1993 betrug der Güterumschlag in Bremerhaven gerade mal 12,2 Millionen Tonnen, während der Güterumschlag in Hamburg mit 60,3 Millionen Tonnen fast fünf mal so hoch war.

Hamburg hat in diesen zwanzig Jahren den Güterumschlag um 60 Millionen Tonnen gesteigert. Das ist eine größere Zahl als die des heutigen Bremerhavener Gesamtumschlags (54,5 Millionen Tonnen). Oder anders gesagt: Schon vor zwanzig Jahren war der Hamburger Umschlag höher als der Bremerhavener Umschlag heute.

Und jeder weiß: Prozentuale Steigerungen klingen im Vergleich vom niedrigen Niveau aus stets besonders eindrucksvoll.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Wachstum des Bremerhavener Umschlags ist enorm und wird auch vom Statistikamt ausdrücklich erwähnt.

Aber die Beschränkung auf die grandiosen Prozentzahlen vernebelt doch den Blick ein wenig, wenn es um die tatsächlichen Zahlenverhältnisse geht…

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Nordsee-Zeitung auf Rekordjagd – Wieder ist es der Hafen…

17. Januar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Rekorde muss man feiern, wo sie zu finden sind – das scheint auch bei der Nordsee-Zeitung eine journalistische Grundüberzeugung zu sein. Das jüngste Beispiel stammt aus der Nordsee-Zeitung vom 16. Januar 2015:

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Für den Weser-Kurier war die Rekord-Meldung aus dem Bremerhavener Hafen erkennbar nicht ganz so wichtig. Sie sah am 17. Januar 2015 auf Seite 17 so aus:

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Wer nun aber meint, der Weser-Kurier könne keine Rekorde feiern, der irrt sich doch erheblich. Denn am 16. Januar 2015 wurde dort ebenfalls auf Seite 1 ein eigener Bremer Rekord gefeiert:

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So ist das, liebe Leute. Überall auf der Welt gibt es Rekorde, manchmal von der seltsamsten Art, wie ein bekanntes Buch der Rekorde regelmäßig vor Augen führt.

Man muss eben nur ganz genau hinkucken, sonst sieht man die Rekorde nicht so ohne weiteres…


Hafenumschlag in Bremerhaven ist 2014 leicht gesunken – Aber…

16. Dezember 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – In Bremerhaven ist der Hafenumschlag im laufenden Jahr leicht gesunken. Die Zeitungen melden ein Minus von 0,4 Prozent.

Und welche Schlagzeile macht die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember 2014 aus dieser Tatsache?

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Der Weser-Kurier vom gleichen Tag bleibt deutlich dichter an der Wahrheit:

R0027355Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, was Medienschaffende so alles mit schnöden Tatsachen anfangen können.

Und die Nordsee-Zeitung schießt dabei wieder einmal den Vogel ab. Ich nenne das Marktschreierei, und die hat im soliden Journalismus eigentlich nichts zu suchen.

Aber was heißt heute schon solider Journalismus…


Falsche Prognosen für Hafenumschlag – Korrektur bisher nur für Hamburg – Das nährt weitere Zweifel am Bremerhavener Hafentunnel und könnte die Hektik der vergangenen Wochen erklären…

6. Januar 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Prognosen für die Entwicklung des Bremerhavener Hafenumschlags bilden die Grundlage für die Planung des Hafentunnels. Dass solche Prognosen sich oftmals als falsch erweisen, ist nichts Neues. Für den Hamburger Hafen wurde jüngst die Prognose drastisch nach unten korrigiert.

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In seiner Ausgabe vom 27. Dezember 2013 berichtet der Weser-Kurier, dass die Umschlagserwartungen für Hamburg fast halbiert werden mussten – von 25 auf 15,4 Millionen TEU im Jahre 2025. Das zeigten die Zahlen des >>>Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL).

„Mit der neuen Prognose revidiert das ISL seine Vorhersage aus dem Jahr 2010 deutlich nach unten“, heißt es im Weser-Kurier. „Die Anpassung der Prognosen sei notwendig geworden, nachdem der Containerumschlag in Europa in den Jahren 2011 und 2012 stagniert hatte und die tatsächliche Entwicklung somit deutlich unter den Voraussagen blieb.“

Vermutlich hat die Nordsee-Zeitung in ihrer kritischen Objektivität längst über diese interessante Entwicklung berichtet und beim ISL nachgefragt, ob auch die Prognose für  Bremerhaven korrigiert werden muss.

Bisher konnte ich in der NZ allerdings nur eine Überschrift mit dem weiteren „Hoffen auf mehr Container“ entdecken (NZ 3. Januar 2014)…

Nachträgliche Anmerkung: In Gesprächen mit Experten wurde mir in Erinnerung gerufen, dass die Entwicklung des Bremerhavener Containerumschlags weniger durch die Potentiale des Welthandels bestimmt wird, sondern viel mehr durch die fast ausgereizten Kapazitäten des Containerterminals.

Da der Containerterminal nicht weiter ausgebaut werden kann, erreichen die Kapazitäten bereits in wenigen Jahren einen absoluten Deckel, so dass auch zusätzlich im Welthandel auftauchende Umschlagspotentiale gar nicht mehr (oder  durch Effektivierung innerer Abläufe nur noch teilweise) ausgeschöpft werden können.

Für den Hafentunnel ist zusätzlich von Bedeutung, dass sich der Anteil des Schienenverkehrs beim Transport der Container in den vergangenen Jahren erhöht hat – eine Entwicklung, die unter anderem durch die fast völlig fehlenden Staus auf der Cherbourger Straße illustriert wird.


Schönfärberei der Nordsee-Zeitung beim Hafenumschlag? – Überschriften helfen einfach nur beim Mutmachen…

18. Dezember 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Beim Hafenumschlag sind 5,8 Millionen TEU weniger als 6,1 Millionen TEU, und auch 79,5 Millionen Tonnen sind weniger als 84 Millionen Tonnen. Das zeigt der Vergleich der Jahre 2012 und 2013 für das Land Bremen.

Der Weser-Kurier berichtet darüber am 17. Dezember 2013 unter dieser Überschrift:

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Für die Nordsee-Zeitung scheint das deutlich zu negativ zu klingen, und folglich werden die Überschriften am 16. und 17. Dezember 2013 etwas anders akzentuiert:

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Schönfärberei? Nun ja…

Vielleicht kann man es auch so sagen: Die Nordsee-Zeitung berichtet nicht immer nur negativ, sondern will den Menschen einfach nur ein bisschen Mut machen…