Kosten des Bremerhavener Hafentunnels – Ein kleiner Überblick über die langjährigen Zahlenspielereien…

22. Juli 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Kostenentwicklungen großer Verkehrsprojekte bieten immer wieder viel Stoff für finanzielle Kuriositätenkabinette. Daher folgen ein paar Zahlen für den Bremerhavener Hafentunnel.

Den Anlass bot mir heute (22. Juli 2014) die Nordsee-Zeitung, als sie in einer Bildunterschrift an die Kostensteigerung beim Wesertunnel erinnerte: Statt der ursprünglich veranschlagten 200 Millionen Euro waren es laut NZ am Ende 364 Millionen Euro.

Die Diskussionen über den Bremerhavener Hafentunnel reichen mittlerweile etwa anderthalb Jahrzehnte zurück – wohl im November 1999 war im Koalitionsvertrag von SPD und CDU erstmals vom „kreuzungsfreien Ausbau der Cherbourger Straße“ die Rede.

Als der Senat (so die Vorlage vom 25. März 2003) sich mit einer bloßen Unterquerung der Langener Landstraße zufrieden geben wollte, gingen die Experten für die „Tunnellösung“ von „fortgeschriebenen Bruttokosten“ in Höhe von 141,0 Millionen Euro aus.

Als 2005 von der SPD-CDU-Koalition der „halboffene Trog“ ins Rennen geschickt wurde, notierte der Magistrat in einer offiziellen Pressemitteilung für den „zunächst geplanten Hafentunnel im Zuge des Eichenwegs“ Baukosten in Höhe von 113 Millionen Euro. Der Trog sollte mit 99 Millionen Euro deutlich billiger sein. Das war knapp zwei Monate vor dem Besuch des damaligen Bundesverkehrsministers Manfred Stolpe.

Am 3. Juli 2007 verkündete die Nordsee-Zeitung die Wende: Ein „Tunnel zum Hafen unterm Eichenweg“ sei nun doch die „Vorzugsvariante“. Als Kosten wurden 110 Millionen Euro genannt.

Das kritisierte die CDU laut Weser-Kurier vom 20. Juli 2007 ganz ausdrücklich als Beispiel für die „Ungereimtheiten der Argumentation von Schulz und Holm“. Schließlich sei der Tunnel „noch vor wenigen Jahren von Fachleuten mit 141 Millionen Euro Baukosten veranschlagt worden, während es jetzt angeblich nur noch 110 Millionen Euro seien“.

Am 17. Januar 2008 tauchte im Weser-Kurier als Preis für „die von SPD und CDU für sinnvoll gehaltene Lösung“ ein Betrag von 257 Millionen Euro auf. Da ging es um einen „Bohrtunnel mit zwei Röhren“. Ein paar Wochen später meldete der Weser-Kurier dazu: „Kopfschütteln über teure Tunnelpläne“. Im Juni 2008 kam der Oberbürgermeister erfolglos aus Berlin zurück; das sei deutlich zu teuer.

Am 28. Juni 2008 berichtete der Weser-Kurier, dass der Bremerhavener Oberbürgermeister nun eine Tunnellösung für 160 Millionen Euro als die richtige bezeichnete.

Am 2. September 2008 machte der Unternehmerverein darauf aufmerksam, dass bei einem Projektvolumen von 160 Millionen Euro mit einem Kostenrisiko von 60 Millionen Euro zu rechnen sei. Das ergebe sich aus der durchschnittlichen Budgetüberschreitung vergleichbarer Projekte in Höhe von 38 Prozent. Damit stand die Zahl von 220 Millionen Euro im Raum.

Anzumerken ist, dass die CDU etwa vier Wochen vorher ebenfalls vor einem „nicht finanzierbaren Tunnel“ gewarnt hatte und folglich für den sechsspurigen Ausbau der Cherbourger Straße plädierte.

Ein halbes Jahr später (Weser-Kurier 11.2.2009) wurde darauf hingewiesen, dass zu den genannten 160 Millionen Euro auch noch die Planungskosten von 30 Millionen Euro hinzu gerechnet werden müssten – also 190 Millionen Euro. Diese Zahl wurde auch vom Magistrat in einem Schreiben vom 8. Juli 2009 bestätigt (188,7 Millionen Euro).

Laut Nordsee-Zeitung vom 2. September 2010 war dann klar: Der Tunnel sollte genau 165,94 Millionen Euro kosten. Am 22. August 2011 titelte der Weser-Kurier „Die 200-Millionen-Straße“.

Am 19. Mai 2012 war dann in der Nordsee-Zeitung von reinen Baukosten in Höhe von 171,3 Millionen Euro die Rede. Knapp ein Jahr später stand im Weser-Kurier wieder die Zahl von nur noch 160 Millionen Euro.

Im März 2014 bezifferte der Bremer Landesrechnungshof die Kosten für den Hafentunnel mit „insgesamt gut 200 Millionen Euro“. Hinzu kommen die Planungskosten von 29,2 Millionen Euro, die selbstverständlich Bestandteil der Kostenkalkulation seien. Also lautet der aktuelle Stand für die Hafentunnel-Kosten gut 230 Millionen Euro.

Nun beobachten wir interessiert, wie es mit den Kosten eines >>>überflüssigen großen Verkehrsprojekts weitergeht…

P.S. In der Nordsee-Zeitung von heute (22. Juli 2014) wurde eine Erhöhung der Kosten für das „reine Tunnelbauwerk“ von 137 auf 145,5 Millionen Euro mitgeteilt. Die „Gesamtkosten“ lägen nun bei 180 Millionen Euro. Einschließlich der Planungskosten summiere sich das auf 209,2 Millionen Euro.

P.P.S. Mein Appell an die Planer der Großprojekte: Die Kosten lassen sich durch einfallsreiche und überraschende Spezial-Zahlen noch weiter verwirren. Es könnten beispielsweise die Baukosten ohne Materialkosten genannt werden.

Interessant ist auch das Weglassen der Kosten für das Einbauen der Bauteile (so jüngst praktiziert bei der Angabe der Kosten für die neuen LED-Lampen für das Klimahaus)!

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Falsche Prognosen für Hafenumschlag – Korrektur bisher nur für Hamburg – Das nährt weitere Zweifel am Bremerhavener Hafentunnel und könnte die Hektik der vergangenen Wochen erklären…

6. Januar 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Prognosen für die Entwicklung des Bremerhavener Hafenumschlags bilden die Grundlage für die Planung des Hafentunnels. Dass solche Prognosen sich oftmals als falsch erweisen, ist nichts Neues. Für den Hamburger Hafen wurde jüngst die Prognose drastisch nach unten korrigiert.

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In seiner Ausgabe vom 27. Dezember 2013 berichtet der Weser-Kurier, dass die Umschlagserwartungen für Hamburg fast halbiert werden mussten – von 25 auf 15,4 Millionen TEU im Jahre 2025. Das zeigten die Zahlen des >>>Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL).

„Mit der neuen Prognose revidiert das ISL seine Vorhersage aus dem Jahr 2010 deutlich nach unten“, heißt es im Weser-Kurier. „Die Anpassung der Prognosen sei notwendig geworden, nachdem der Containerumschlag in Europa in den Jahren 2011 und 2012 stagniert hatte und die tatsächliche Entwicklung somit deutlich unter den Voraussagen blieb.“

Vermutlich hat die Nordsee-Zeitung in ihrer kritischen Objektivität längst über diese interessante Entwicklung berichtet und beim ISL nachgefragt, ob auch die Prognose für  Bremerhaven korrigiert werden muss.

Bisher konnte ich in der NZ allerdings nur eine Überschrift mit dem weiteren „Hoffen auf mehr Container“ entdecken (NZ 3. Januar 2014)…

Nachträgliche Anmerkung: In Gesprächen mit Experten wurde mir in Erinnerung gerufen, dass die Entwicklung des Bremerhavener Containerumschlags weniger durch die Potentiale des Welthandels bestimmt wird, sondern viel mehr durch die fast ausgereizten Kapazitäten des Containerterminals.

Da der Containerterminal nicht weiter ausgebaut werden kann, erreichen die Kapazitäten bereits in wenigen Jahren einen absoluten Deckel, so dass auch zusätzlich im Welthandel auftauchende Umschlagspotentiale gar nicht mehr (oder  durch Effektivierung innerer Abläufe nur noch teilweise) ausgeschöpft werden können.

Für den Hafentunnel ist zusätzlich von Bedeutung, dass sich der Anteil des Schienenverkehrs beim Transport der Container in den vergangenen Jahren erhöht hat – eine Entwicklung, die unter anderem durch die fast völlig fehlenden Staus auf der Cherbourger Straße illustriert wird.


Nordsee-Zeitung lügt weiter über den Hafentunnel – Manipulation mit Zahlen geht weiter…

29. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – „Seit vielen Jahren fließt der stetig wachsende LKW-Verkehr in den Überseehafen über die Cherbourger Straße.“ Diese Aussage steht wörtlich in einer Beilage der Nordsee-Zeitung namens „stromaufwärts“, in der u.a. munter Werbung gemacht wird für den Hafentunnel und die Küstenautobahn.

Und diese Aussage ist eine glatte Lüge.

Die Nordsee-Zeitung selbst hat darüber berichtet, zwar etwas verschämt, aber in den Feststellungen eindeutig: Während im Jahre 2006 von 3900 Lkw täglich zu berichten war, ergab die Verkehrszählung von 2012 nur noch eine Zahl von „bis zu 2200“ Lkw täglich.

In der Seestadtpresse vom 18. Oktober 2012 wurde die Berichterstattung der Nordsee-Zeitung so zusammengefasst: „<Stillstand beim Lkw-Verkehr> lautete die eigenartige NZ-Überschrift am 13. Oktober 2012, und erst in der Unterzeile findet sich der Kern der Botschaft: <Lastwagen-Aufkommen auf Cherbourger Straße nimmt seit fünf Jahren nicht zu>.“

Da kann von einem „seit vielen Jahren… stetig wachsenden Lkw-Verkehr“ nun wirklich nicht die Rede sein. Und ebenso falsch ist die Behauptung, der Lkw-Verkehr habe nur „nicht zugenommen“.

Richtig ist im Gegenteil: Der Lkw-Verkehr auf der Cherbourger Straße hat sich in dieser Zeit fast halbiert.

Um die Verfälschung der Lage aufrecht zu erhalten, bezieht sich der Lärm-Experte in „stromaufwärts“ konsequent allein auf die Zahlen des Jahres 2006 und verknüpft sie mit den (mittlerweile überholten) Prognosen, die für 2025 (!!) eine Zahl von 8800 Lkw täglich annehmen.

Die Verkehrszählung aus dem Jahre 2012 wird totgeschwiegen, weil sie nicht ins Propaganda-Bild passen will.

Das alles ist in der Seestadtpresse mehrfach dargestellt worden, unter anderem >>>an dieser Stelle.

Wer alle hier erschienenen Texte zum Hafentunnel noch einmal durchblättern will, kann >>>hier klicken.


Propagandisten des Bremerhavener Hafentunnels funken SOS – Entlarvende Hektik bei Baustellenschild-Einweihung…

22. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Es ist nicht zu übersehen: Die Bremerhavener Hafentunnler sind beim Einrammen juristischer und symbolischer Eckpfosten in peinliche Hektik verfallen. Bereits am Montag wurde eine hochoffizielle Pressemitteilung des Magistrats verschickt, in der es um nichts anderes ging als um das Aufstellen eines Bauschildes!

Dabei sprechen alle wichtigen Kriterien immer deutlicher gegen den Bau eines Hafentunnels: Die schon in den anfänglichen Berechnungen zusammengeschummelte Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit des Baus ist nur durch dreiste Manipulationen aufrechtzuerhalten.

Weder die aktuellen Messungen noch die veralteten Berechnungen des Verkehrs auf der Cherbourger Straße können als Belege für die Notwendigkeit des Baus ins Feld geführt werden. Bei den Kosten werden die knapp 30 Millionen Euro für die Planungskosten einfach aus der Gesamtsumme herausgenommen, um überhaupt noch ganz leise von einer angeblichen Wirtschaftlichkeit sprechen zu können.

Und ist der Bremerhavener Oberbürgermeister noch ganz bei Trost, wenn er (laut Nordsee-Zeitung vom 21. November 2013) behauptet, „es sei eben nicht üblich, die Planungskosten bei der Kalkulation mitzuberücksichtigen“. Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit ein bisschen aufzumöbeln – oder?

Warum wird die Dreistigkeit nicht noch weiter getrieben? Man setze die Baukosten nach den Zahlen des Jahres 1962 an, und schon steigt die Wirtschaftlichkeit in erfreulichste Höhen. Oder man rechne die Asphaltierung des Tunnels heraus, weil man dieses Geld sonst für die Ertüchtigung der Cherbourger Straße hätte aufwenden müssen.

Wieder einmal werden alle kritischen Hinweise des Landesrechnungshofs und der Experten des Bremer Finanzressorts beiseite geschoben, damit sich kleinkarierte Kommunal- , Landes- und Bundespolitiker vom Typus der „Ferlemänner“ als verlässliche Dienstleute der Unternehmer-Lobby aufspielen können.

Es ist ein bedauerliches Trauerspiel, in dem noch so manches finanzielle Neben-Drama zu Lasten der öffentlichen Kassen auftauchen wird – falls nicht doch noch in letzter Minute die Reißleine gezogen wird.

Allerdings müssen solche Hoffnungen nach den bisherigen Erfahrungen mit unsinnigen Verkehrs-Großprojekten bekanntlich ganz klein gehalten werden…

Wer einen Blick auf die bisherige Berichterstattung der Seestadtpresse zum Hafentunnel werfen möchte, >>>kann hier klicken.


Der „Rückwärtsgang“ beim Bremerhavener Hafenumschlag wird nun auch von der Nordsee-Zeitung nicht mehr geleugnet – Wann werden endlich Konsequenzen für die Planung eines Hafentunnels gezogen?

12. August 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – So langsam wird auch der journalistische Haudruff der Nordsee-Zeitung unruhig, wenn er seinen Blick auf die deutliche Abwärtsneigung des Hafenumschlags lenkt. In der NZ vom 11. April 2013 trötete derselbe Mensch noch munter für Optimismus unter der Überschrift „Nicht ins Bockshorn jagen lassen“… In der NZ vom 10. August 2013 sieht es so aus:

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Allerdings wird wie schon im Frühjahr weiterhin auf Optimismus gemacht. Die Zahlen seien nicht aussagefähig, weil es zu viele Schwankungen gebe und so weiter.

Aber der Ton ist insgesamt stärker gedämpft. „Mit Wachstum rechnet angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage niemand“, heißt es in der NZ vom 10. August 2013 über den Autoumschlag, und beim Containerumschlag sieht es noch schlechter aus.

Und dass auch an den veröffentlichten Umschlagszahlen gelegentlich herum manipuliert wird, macht ein Leserbriefschreiber im Sonntagsjournal vom 11. August 2013 deutlich. Der hat getan, was die Aufgabe von Journalisten sein müsste – nämlich die Zahlen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ihm ist aufgefallen, dass der Bremenports-Sprecher für die Zeit von 2009 bis 2013 eine Zunahme des Container-Umschlags um stolze 30,3 Prozent verkündet hatte. Hätte er die Zahlen des umschlagsstärkeren Jahres 2008 als Basis genommen, dann hätte er nur eine Steigerung von knapp 13 Prozent verkünden können, heißt es im Leserbrief.

Jedenfalls lautet die richtige Schlussfolgerung des Leserbriefschreibers: „Mit der tatsächlichen Entwicklung der ersten Monate und der Gesamtprognose für 2013 mag nun offenbar niemand mehr den immer noch geplanten Hafentunnel rechtfertigen.“

Es bleibt, wie es die ganze Zeit war: Der Hafentunnel lässt sich nur mit geschönten, verdrehten oder prognostisch verfälschten Zahlen rechtfertigen.

„Stuttgart 21“ und andere Monster-Verkehrsprojekte lassen weiterhin herzliche Grüße in die Seestadt schicken.


IHK trommelt immer verzagter für den Bremerhavener Hafentunnel – Die Zahlen wollen einfach nicht passen…

25. Mai 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn die Industrie- und Handelskammer (IHK) Forderungen stellt, ist die Nordsee-Zeitung als Hilfskraft stets fix bei der Hand. So wurde die jüngste IHK-Stellungnahme zum Hafentunnel über weite Strecken im Wortlaut abgedruckt; nur im Schlussteil sind leichte Veränderungen und Kürzungen zu finden (NZ vom 24. Mai 2013).

R0027301Da meldet sich also die politisch weit hinter dem Berg lebende Abteilung der Bremerhavener Unternehmer-Lobby zu Wort und trommelt weiter für einen Hafentunnel, der offensichtlich immer überflüssiger wird.

Die Nordsee-Zeitung illustriert diese bittere Problematik etwas hinterhältig, indem sie auf derselben Seite über die negative aktuelle Entwicklung des Bremerhavener Hafenumschlags berichtet. „Rückgänge beim Container- und Autoumschlag im ersten Quartal“, heißt es in der NZ, und da ist beim Containerumschlag immerhin von einem Minus  von 12,2 Prozent zu sprechen.

R0027302Wer den IHK-Text aufmerksam liest, kann dort durchaus eine gewisse Verzagtheit entdecken. Das verbale Getöse klingt kleinlaut, weil die Entwicklung der Umschlagszahlen einfach nicht zur Begründung des viele Millionen Euro verschlingenden Straßenbauprojekts passen will.

Dabei ist zu beachten, dass die von der IHK unverdrossen ins Feld geführten „langfristigen Umschlags- und Verkehrsprognosen“ sich als dramatisch falsch erwiesen haben. Statt der vorausgesagten deutlichen Zunahme des Lkw-Verkehrs auf der Cherbourger Straße rollen seit Jahren weniger Lkw über diese Strecke, wie >>>hier in der Seestadtpresse mehrfach erläutert wurde.

Zu erinnern ist daran, dass der Bremerhavener Magistrat die Ergebnisse der Verkehrszählungen auf der Cherbourger Straße bisher immer noch nicht offiziell bekannt gegeben hat, obwohl er dazu mehrfach aufgefordert wurde. Dann müsste auch offiziell zugegeben werden, in welchem Ausmaß die bei den Hafentunnel-Planungen zugrunde gelegten Zahlen schlicht falsch waren, wie >>>an dieser Stelle nachzulesen ist. *******

Da in der Nordsee-Zeitung die Stellungnahme des Unternehmervereins Bremerhaven-Wesermünde im Gegensatz zur IHK-Stellungnahme selbstverständlich nur in einer Mikro-Version mitgeteilt wird, soll sie hier zur Information dokumentiert werden:

<<<Hafentunnel wird durch Solidaritätsbekundungen nicht sinnvoller

Bremerhaven, 24. Mai 2013: Die Solidaritätsbekundung der IHK für den Hafentunnel ändert nichts an der Tatsache, dass der geplante Hafentunnel die riskanteste und sinnloseste Anbindungsvariante ist, so der Unternehmerverein Bremerhaven-Wesermünde.

„Die Entscheidung für den Bau des Hafentunnels wurde weder unter Zugrundelegung aktueller Verkehrsprognosen noch eines umfassenden Verkehrskonzepts getroffen“, erklärt Jens Grotelüschen, 1. Vorsitzender des Vereins, der seine Forderung nach einem Gesamtverkehrs-konzept erneuert, um die Seestadt auf kommende logistische Herausforderungen einzustellen. Eine integrierte Betrachtung der Gütertransportmittel, wie in den Masterplänen Logistik und Hafeneisenbahn Bremerhaven gefordert, sei unabdingbar.

Trotz Hafenauslastung von rund 80 Prozent sind auf der Cherbourger Straße keine Verkehrsbeeinträchtigungen festzustellen, die den Bau des Tunnels rechtfertigen. „Nicht einmal die derzeitige Schließung des Zolltors Rotersand und die damit verbundenen Umleitungsverkehre über die Cherbourger Straße haben nennenswerte Auswirkungen“, so Grotelüschen.

Aus Sicht des Vereins sollten zunächst Optimierungspotentiale genutzt und Maßnahmen zur  Ertüchtigung der Terminals sowie der Hafeninfrastruktur, wie beispielsweise durch intelligente Verkehrssteuerungssysteme, ergriffen werden. „Dazu gehört insbesondere die Entflechtung der Hafenverkehre an Knotenpunkten wie dem Bahnübergang am Stellwerk“, erklärt der Vorsitzende mit Blick auf die steigende Bedeutung des Verkehrsträgers Schiene mit prognostizierten 770 Zügen pro Woche in 2025 (zum Vergleich: 430 Züge pro Woche in 2010, Quelle: Masterplan Hafeneisenbahn Bremerhaven, S. 8).

Weil nach Fertigstellung des Tunnels weiterhin nur eine Autobahnabfahrt zur Verfügung stehen wird und im Streckenverlauf sechs Kreuzungsbereiche bestehen bleiben, werde sich aus Sicht des Vereins mit den Investitionen zum Hafentunnelbau die Leistungsfähigkeit der Anbindung nicht maßgeblich verbessern. Der Verein fordert daher einen neuen konzeptionellen Ansatz des Landes Bremen mit dem Land Niedersachsen, schließlich haben die zuständigen Wirtschaftsminister bereits das Ende der Zeit des Schweigens verkündet. Von einer durch den Bund zweckgebundenen Festschreibung der finanziellen Mittel könne darüber hinaus keine Rede sein.

Kritisiert wird ferner, dass trotz einschlägiger Erfahrung mit Mehrkosten bei Großprojekten Kostensteigerungen nicht berücksichtigt werden. „Auch die  Unterhaltungs- und Betriebskosten von bis zu 1 Mio. € pro Jahr, die den Bremerhavener Haushalt belasten werden und mehr als das doppelte des aktuellen Budgets zur Straßenunterhaltung im ganzen Stadtgebiet ausmachen, werden völlig vernachlässigt“, gibt der Vorsitzende zu bedenken.

Irreführend ist zudem die Darstellung, die Hafenwirtschaft werde 15 Millionen der Baukosten bereitstellen. Der so genannte Beitrag der Wirtschaft wird nicht als Kapital zur Verfügung gestellt, sondern vorfinanziert mit öffentlicher Bürgschaft und über Jahre durch Spediteure und Terminalbetreiber abgestottert. Die Terminalgebühr und der damit einhergehende administrative Aufwand werden insbesondere die Spediteure treffen, die vermutlich auch noch später Gerichte beschäftigen werden, um die Rechtmäßigkeit dieser Zwangsabgabe prüfen zu lassen.>>>


Nordsee-Zeitung pfeift im Walde: Wenn der Containerumschlag sinkt, träumt man am besten von besseren Zeiten…

11. April 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Das ist doch mal eine nette Variation: Der bedenkenlose journalistische Haudruff der Nordsee-Zeitung spielt (sich) als aufmunternder Pfeifer im Walde auf, wie in der NZ vom 11. April 2013 zu lesen ist.

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Niemand in der großen Schar der Experten kann gegenwärtig erkennbar irgendetwas Sicheres über die Perspektiven der Weltwirtschaft sagen.

Tatsache ist aber, dass der Containerumschlag in Bremerhaven nach jahrelangen positiven Zahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2013 um 13 Prozent zurückgegangen ist.

Das steht in deutlichem Gegensatz zu den seit Jahren in die Welt trompeteten hoffnungsfrohen Prognosen. Noch weit heftiger im Gegensatz zu den Prognosen entwickelte sich der Containerumschlag im neuen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) vom 11. April 2013 waren dort für das erste Betriebsjahr 700.000 Container prognostiziert. Jetzt hoffe die Eurogate-Geschäftsführung, dass es noch „etwa 100.000 Container“ werden könnten. In den ersten beiden Monaten 2013 war es laut SZ mit gerade mal 7.000 (!) Containern nichts als „eine verschwindend geringe Menge“.

Dieser Hafen sei „recht smooth in Betrieb gegangen“, lautet die schönfärberische Beschreibung eines der Geschäftsführer laut SZ. Seine Erklärung: „Wir haben konjunkturbedingt weniger Menge.“ Und – so berichtet die SZ – er nennt als Erklärung: „Der Hafen sei geplant worden, als der Welthandel jährlich noch um bis zu zehn Prozent zugelegt habe.“

Auch der Bremerhavener Hafentunnel ist zu solchen Zeiten auf der Basis derselben hoffnungsfrohen Prognosen geplant worden. Auch hier zeigten sich jüngst katastrophal falsche Prognosen.

Und wie kommentiert der pfeifende NZ-Haudruff diese Entwicklungen? Wegen solcher Kleinigkeiten dürfe man sich doch „nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen“.

Süüßwoll, genau so habe ich mir sachkundige und abgewogene journalistische Analysen stets vorgestellt.