Kosten des Bremerhavener Hafentunnels – Ein kleiner Überblick über die langjährigen Zahlenspielereien…

22. Juli 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Kostenentwicklungen großer Verkehrsprojekte bieten immer wieder viel Stoff für finanzielle Kuriositätenkabinette. Daher folgen ein paar Zahlen für den Bremerhavener Hafentunnel.

Den Anlass bot mir heute (22. Juli 2014) die Nordsee-Zeitung, als sie in einer Bildunterschrift an die Kostensteigerung beim Wesertunnel erinnerte: Statt der ursprünglich veranschlagten 200 Millionen Euro waren es laut NZ am Ende 364 Millionen Euro.

Die Diskussionen über den Bremerhavener Hafentunnel reichen mittlerweile etwa anderthalb Jahrzehnte zurück – wohl im November 1999 war im Koalitionsvertrag von SPD und CDU erstmals vom „kreuzungsfreien Ausbau der Cherbourger Straße“ die Rede.

Als der Senat (so die Vorlage vom 25. März 2003) sich mit einer bloßen Unterquerung der Langener Landstraße zufrieden geben wollte, gingen die Experten für die „Tunnellösung“ von „fortgeschriebenen Bruttokosten“ in Höhe von 141,0 Millionen Euro aus.

Als 2005 von der SPD-CDU-Koalition der „halboffene Trog“ ins Rennen geschickt wurde, notierte der Magistrat in einer offiziellen Pressemitteilung für den „zunächst geplanten Hafentunnel im Zuge des Eichenwegs“ Baukosten in Höhe von 113 Millionen Euro. Der Trog sollte mit 99 Millionen Euro deutlich billiger sein. Das war knapp zwei Monate vor dem Besuch des damaligen Bundesverkehrsministers Manfred Stolpe.

Am 3. Juli 2007 verkündete die Nordsee-Zeitung die Wende: Ein „Tunnel zum Hafen unterm Eichenweg“ sei nun doch die „Vorzugsvariante“. Als Kosten wurden 110 Millionen Euro genannt.

Das kritisierte die CDU laut Weser-Kurier vom 20. Juli 2007 ganz ausdrücklich als Beispiel für die „Ungereimtheiten der Argumentation von Schulz und Holm“. Schließlich sei der Tunnel „noch vor wenigen Jahren von Fachleuten mit 141 Millionen Euro Baukosten veranschlagt worden, während es jetzt angeblich nur noch 110 Millionen Euro seien“.

Am 17. Januar 2008 tauchte im Weser-Kurier als Preis für „die von SPD und CDU für sinnvoll gehaltene Lösung“ ein Betrag von 257 Millionen Euro auf. Da ging es um einen „Bohrtunnel mit zwei Röhren“. Ein paar Wochen später meldete der Weser-Kurier dazu: „Kopfschütteln über teure Tunnelpläne“. Im Juni 2008 kam der Oberbürgermeister erfolglos aus Berlin zurück; das sei deutlich zu teuer.

Am 28. Juni 2008 berichtete der Weser-Kurier, dass der Bremerhavener Oberbürgermeister nun eine Tunnellösung für 160 Millionen Euro als die richtige bezeichnete.

Am 2. September 2008 machte der Unternehmerverein darauf aufmerksam, dass bei einem Projektvolumen von 160 Millionen Euro mit einem Kostenrisiko von 60 Millionen Euro zu rechnen sei. Das ergebe sich aus der durchschnittlichen Budgetüberschreitung vergleichbarer Projekte in Höhe von 38 Prozent. Damit stand die Zahl von 220 Millionen Euro im Raum.

Anzumerken ist, dass die CDU etwa vier Wochen vorher ebenfalls vor einem „nicht finanzierbaren Tunnel“ gewarnt hatte und folglich für den sechsspurigen Ausbau der Cherbourger Straße plädierte.

Ein halbes Jahr später (Weser-Kurier 11.2.2009) wurde darauf hingewiesen, dass zu den genannten 160 Millionen Euro auch noch die Planungskosten von 30 Millionen Euro hinzu gerechnet werden müssten – also 190 Millionen Euro. Diese Zahl wurde auch vom Magistrat in einem Schreiben vom 8. Juli 2009 bestätigt (188,7 Millionen Euro).

Laut Nordsee-Zeitung vom 2. September 2010 war dann klar: Der Tunnel sollte genau 165,94 Millionen Euro kosten. Am 22. August 2011 titelte der Weser-Kurier „Die 200-Millionen-Straße“.

Am 19. Mai 2012 war dann in der Nordsee-Zeitung von reinen Baukosten in Höhe von 171,3 Millionen Euro die Rede. Knapp ein Jahr später stand im Weser-Kurier wieder die Zahl von nur noch 160 Millionen Euro.

Im März 2014 bezifferte der Bremer Landesrechnungshof die Kosten für den Hafentunnel mit „insgesamt gut 200 Millionen Euro“. Hinzu kommen die Planungskosten von 29,2 Millionen Euro, die selbstverständlich Bestandteil der Kostenkalkulation seien. Also lautet der aktuelle Stand für die Hafentunnel-Kosten gut 230 Millionen Euro.

Nun beobachten wir interessiert, wie es mit den Kosten eines >>>überflüssigen großen Verkehrsprojekts weitergeht…

P.S. In der Nordsee-Zeitung von heute (22. Juli 2014) wurde eine Erhöhung der Kosten für das „reine Tunnelbauwerk“ von 137 auf 145,5 Millionen Euro mitgeteilt. Die „Gesamtkosten“ lägen nun bei 180 Millionen Euro. Einschließlich der Planungskosten summiere sich das auf 209,2 Millionen Euro.

P.P.S. Mein Appell an die Planer der Großprojekte: Die Kosten lassen sich durch einfallsreiche und überraschende Spezial-Zahlen noch weiter verwirren. Es könnten beispielsweise die Baukosten ohne Materialkosten genannt werden.

Interessant ist auch das Weglassen der Kosten für das Einbauen der Bauteile (so jüngst praktiziert bei der Angabe der Kosten für die neuen LED-Lampen für das Klimahaus)!

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Falsche Prognosen für Hafenumschlag – Korrektur bisher nur für Hamburg – Das nährt weitere Zweifel am Bremerhavener Hafentunnel und könnte die Hektik der vergangenen Wochen erklären…

6. Januar 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Prognosen für die Entwicklung des Bremerhavener Hafenumschlags bilden die Grundlage für die Planung des Hafentunnels. Dass solche Prognosen sich oftmals als falsch erweisen, ist nichts Neues. Für den Hamburger Hafen wurde jüngst die Prognose drastisch nach unten korrigiert.

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In seiner Ausgabe vom 27. Dezember 2013 berichtet der Weser-Kurier, dass die Umschlagserwartungen für Hamburg fast halbiert werden mussten – von 25 auf 15,4 Millionen TEU im Jahre 2025. Das zeigten die Zahlen des >>>Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL).

„Mit der neuen Prognose revidiert das ISL seine Vorhersage aus dem Jahr 2010 deutlich nach unten“, heißt es im Weser-Kurier. „Die Anpassung der Prognosen sei notwendig geworden, nachdem der Containerumschlag in Europa in den Jahren 2011 und 2012 stagniert hatte und die tatsächliche Entwicklung somit deutlich unter den Voraussagen blieb.“

Vermutlich hat die Nordsee-Zeitung in ihrer kritischen Objektivität längst über diese interessante Entwicklung berichtet und beim ISL nachgefragt, ob auch die Prognose für  Bremerhaven korrigiert werden muss.

Bisher konnte ich in der NZ allerdings nur eine Überschrift mit dem weiteren „Hoffen auf mehr Container“ entdecken (NZ 3. Januar 2014)…

Nachträgliche Anmerkung: In Gesprächen mit Experten wurde mir in Erinnerung gerufen, dass die Entwicklung des Bremerhavener Containerumschlags weniger durch die Potentiale des Welthandels bestimmt wird, sondern viel mehr durch die fast ausgereizten Kapazitäten des Containerterminals.

Da der Containerterminal nicht weiter ausgebaut werden kann, erreichen die Kapazitäten bereits in wenigen Jahren einen absoluten Deckel, so dass auch zusätzlich im Welthandel auftauchende Umschlagspotentiale gar nicht mehr (oder  durch Effektivierung innerer Abläufe nur noch teilweise) ausgeschöpft werden können.

Für den Hafentunnel ist zusätzlich von Bedeutung, dass sich der Anteil des Schienenverkehrs beim Transport der Container in den vergangenen Jahren erhöht hat – eine Entwicklung, die unter anderem durch die fast völlig fehlenden Staus auf der Cherbourger Straße illustriert wird.


Nordsee-Zeitung lügt weiter über den Hafentunnel – Manipulation mit Zahlen geht weiter…

29. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – „Seit vielen Jahren fließt der stetig wachsende LKW-Verkehr in den Überseehafen über die Cherbourger Straße.“ Diese Aussage steht wörtlich in einer Beilage der Nordsee-Zeitung namens „stromaufwärts“, in der u.a. munter Werbung gemacht wird für den Hafentunnel und die Küstenautobahn.

Und diese Aussage ist eine glatte Lüge.

Die Nordsee-Zeitung selbst hat darüber berichtet, zwar etwas verschämt, aber in den Feststellungen eindeutig: Während im Jahre 2006 von 3900 Lkw täglich zu berichten war, ergab die Verkehrszählung von 2012 nur noch eine Zahl von „bis zu 2200“ Lkw täglich.

In der Seestadtpresse vom 18. Oktober 2012 wurde die Berichterstattung der Nordsee-Zeitung so zusammengefasst: „<Stillstand beim Lkw-Verkehr> lautete die eigenartige NZ-Überschrift am 13. Oktober 2012, und erst in der Unterzeile findet sich der Kern der Botschaft: <Lastwagen-Aufkommen auf Cherbourger Straße nimmt seit fünf Jahren nicht zu>.“

Da kann von einem „seit vielen Jahren… stetig wachsenden Lkw-Verkehr“ nun wirklich nicht die Rede sein. Und ebenso falsch ist die Behauptung, der Lkw-Verkehr habe nur „nicht zugenommen“.

Richtig ist im Gegenteil: Der Lkw-Verkehr auf der Cherbourger Straße hat sich in dieser Zeit fast halbiert.

Um die Verfälschung der Lage aufrecht zu erhalten, bezieht sich der Lärm-Experte in „stromaufwärts“ konsequent allein auf die Zahlen des Jahres 2006 und verknüpft sie mit den (mittlerweile überholten) Prognosen, die für 2025 (!!) eine Zahl von 8800 Lkw täglich annehmen.

Die Verkehrszählung aus dem Jahre 2012 wird totgeschwiegen, weil sie nicht ins Propaganda-Bild passen will.

Das alles ist in der Seestadtpresse mehrfach dargestellt worden, unter anderem >>>an dieser Stelle.

Wer alle hier erschienenen Texte zum Hafentunnel noch einmal durchblättern will, kann >>>hier klicken.


Propagandisten des Bremerhavener Hafentunnels funken SOS – Entlarvende Hektik bei Baustellenschild-Einweihung…

22. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Es ist nicht zu übersehen: Die Bremerhavener Hafentunnler sind beim Einrammen juristischer und symbolischer Eckpfosten in peinliche Hektik verfallen. Bereits am Montag wurde eine hochoffizielle Pressemitteilung des Magistrats verschickt, in der es um nichts anderes ging als um das Aufstellen eines Bauschildes!

Dabei sprechen alle wichtigen Kriterien immer deutlicher gegen den Bau eines Hafentunnels: Die schon in den anfänglichen Berechnungen zusammengeschummelte Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit des Baus ist nur durch dreiste Manipulationen aufrechtzuerhalten.

Weder die aktuellen Messungen noch die veralteten Berechnungen des Verkehrs auf der Cherbourger Straße können als Belege für die Notwendigkeit des Baus ins Feld geführt werden. Bei den Kosten werden die knapp 30 Millionen Euro für die Planungskosten einfach aus der Gesamtsumme herausgenommen, um überhaupt noch ganz leise von einer angeblichen Wirtschaftlichkeit sprechen zu können.

Und ist der Bremerhavener Oberbürgermeister noch ganz bei Trost, wenn er (laut Nordsee-Zeitung vom 21. November 2013) behauptet, „es sei eben nicht üblich, die Planungskosten bei der Kalkulation mitzuberücksichtigen“. Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit ein bisschen aufzumöbeln – oder?

Warum wird die Dreistigkeit nicht noch weiter getrieben? Man setze die Baukosten nach den Zahlen des Jahres 1962 an, und schon steigt die Wirtschaftlichkeit in erfreulichste Höhen. Oder man rechne die Asphaltierung des Tunnels heraus, weil man dieses Geld sonst für die Ertüchtigung der Cherbourger Straße hätte aufwenden müssen.

Wieder einmal werden alle kritischen Hinweise des Landesrechnungshofs und der Experten des Bremer Finanzressorts beiseite geschoben, damit sich kleinkarierte Kommunal- , Landes- und Bundespolitiker vom Typus der „Ferlemänner“ als verlässliche Dienstleute der Unternehmer-Lobby aufspielen können.

Es ist ein bedauerliches Trauerspiel, in dem noch so manches finanzielle Neben-Drama zu Lasten der öffentlichen Kassen auftauchen wird – falls nicht doch noch in letzter Minute die Reißleine gezogen wird.

Allerdings müssen solche Hoffnungen nach den bisherigen Erfahrungen mit unsinnigen Verkehrs-Großprojekten bekanntlich ganz klein gehalten werden…

Wer einen Blick auf die bisherige Berichterstattung der Seestadtpresse zum Hafentunnel werfen möchte, >>>kann hier klicken.


Der „Rückwärtsgang“ beim Bremerhavener Hafenumschlag wird nun auch von der Nordsee-Zeitung nicht mehr geleugnet – Wann werden endlich Konsequenzen für die Planung eines Hafentunnels gezogen?

12. August 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – So langsam wird auch der journalistische Haudruff der Nordsee-Zeitung unruhig, wenn er seinen Blick auf die deutliche Abwärtsneigung des Hafenumschlags lenkt. In der NZ vom 11. April 2013 trötete derselbe Mensch noch munter für Optimismus unter der Überschrift „Nicht ins Bockshorn jagen lassen“… In der NZ vom 10. August 2013 sieht es so aus:

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Allerdings wird wie schon im Frühjahr weiterhin auf Optimismus gemacht. Die Zahlen seien nicht aussagefähig, weil es zu viele Schwankungen gebe und so weiter.

Aber der Ton ist insgesamt stärker gedämpft. „Mit Wachstum rechnet angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage niemand“, heißt es in der NZ vom 10. August 2013 über den Autoumschlag, und beim Containerumschlag sieht es noch schlechter aus.

Und dass auch an den veröffentlichten Umschlagszahlen gelegentlich herum manipuliert wird, macht ein Leserbriefschreiber im Sonntagsjournal vom 11. August 2013 deutlich. Der hat getan, was die Aufgabe von Journalisten sein müsste – nämlich die Zahlen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ihm ist aufgefallen, dass der Bremenports-Sprecher für die Zeit von 2009 bis 2013 eine Zunahme des Container-Umschlags um stolze 30,3 Prozent verkündet hatte. Hätte er die Zahlen des umschlagsstärkeren Jahres 2008 als Basis genommen, dann hätte er nur eine Steigerung von knapp 13 Prozent verkünden können, heißt es im Leserbrief.

Jedenfalls lautet die richtige Schlussfolgerung des Leserbriefschreibers: „Mit der tatsächlichen Entwicklung der ersten Monate und der Gesamtprognose für 2013 mag nun offenbar niemand mehr den immer noch geplanten Hafentunnel rechtfertigen.“

Es bleibt, wie es die ganze Zeit war: Der Hafentunnel lässt sich nur mit geschönten, verdrehten oder prognostisch verfälschten Zahlen rechtfertigen.

„Stuttgart 21“ und andere Monster-Verkehrsprojekte lassen weiterhin herzliche Grüße in die Seestadt schicken.


IHK trommelt immer verzagter für den Bremerhavener Hafentunnel – Die Zahlen wollen einfach nicht passen…

25. Mai 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn die Industrie- und Handelskammer (IHK) Forderungen stellt, ist die Nordsee-Zeitung als Hilfskraft stets fix bei der Hand. So wurde die jüngste IHK-Stellungnahme zum Hafentunnel über weite Strecken im Wortlaut abgedruckt; nur im Schlussteil sind leichte Veränderungen und Kürzungen zu finden (NZ vom 24. Mai 2013).

R0027301Da meldet sich also die politisch weit hinter dem Berg lebende Abteilung der Bremerhavener Unternehmer-Lobby zu Wort und trommelt weiter für einen Hafentunnel, der offensichtlich immer überflüssiger wird.

Die Nordsee-Zeitung illustriert diese bittere Problematik etwas hinterhältig, indem sie auf derselben Seite über die negative aktuelle Entwicklung des Bremerhavener Hafenumschlags berichtet. „Rückgänge beim Container- und Autoumschlag im ersten Quartal“, heißt es in der NZ, und da ist beim Containerumschlag immerhin von einem Minus  von 12,2 Prozent zu sprechen.

R0027302Wer den IHK-Text aufmerksam liest, kann dort durchaus eine gewisse Verzagtheit entdecken. Das verbale Getöse klingt kleinlaut, weil die Entwicklung der Umschlagszahlen einfach nicht zur Begründung des viele Millionen Euro verschlingenden Straßenbauprojekts passen will.

Dabei ist zu beachten, dass die von der IHK unverdrossen ins Feld geführten „langfristigen Umschlags- und Verkehrsprognosen“ sich als dramatisch falsch erwiesen haben. Statt der vorausgesagten deutlichen Zunahme des Lkw-Verkehrs auf der Cherbourger Straße rollen seit Jahren weniger Lkw über diese Strecke, wie >>>hier in der Seestadtpresse mehrfach erläutert wurde.

Zu erinnern ist daran, dass der Bremerhavener Magistrat die Ergebnisse der Verkehrszählungen auf der Cherbourger Straße bisher immer noch nicht offiziell bekannt gegeben hat, obwohl er dazu mehrfach aufgefordert wurde. Dann müsste auch offiziell zugegeben werden, in welchem Ausmaß die bei den Hafentunnel-Planungen zugrunde gelegten Zahlen schlicht falsch waren, wie >>>an dieser Stelle nachzulesen ist. *******

Da in der Nordsee-Zeitung die Stellungnahme des Unternehmervereins Bremerhaven-Wesermünde im Gegensatz zur IHK-Stellungnahme selbstverständlich nur in einer Mikro-Version mitgeteilt wird, soll sie hier zur Information dokumentiert werden:

<<<Hafentunnel wird durch Solidaritätsbekundungen nicht sinnvoller

Bremerhaven, 24. Mai 2013: Die Solidaritätsbekundung der IHK für den Hafentunnel ändert nichts an der Tatsache, dass der geplante Hafentunnel die riskanteste und sinnloseste Anbindungsvariante ist, so der Unternehmerverein Bremerhaven-Wesermünde.

„Die Entscheidung für den Bau des Hafentunnels wurde weder unter Zugrundelegung aktueller Verkehrsprognosen noch eines umfassenden Verkehrskonzepts getroffen“, erklärt Jens Grotelüschen, 1. Vorsitzender des Vereins, der seine Forderung nach einem Gesamtverkehrs-konzept erneuert, um die Seestadt auf kommende logistische Herausforderungen einzustellen. Eine integrierte Betrachtung der Gütertransportmittel, wie in den Masterplänen Logistik und Hafeneisenbahn Bremerhaven gefordert, sei unabdingbar.

Trotz Hafenauslastung von rund 80 Prozent sind auf der Cherbourger Straße keine Verkehrsbeeinträchtigungen festzustellen, die den Bau des Tunnels rechtfertigen. „Nicht einmal die derzeitige Schließung des Zolltors Rotersand und die damit verbundenen Umleitungsverkehre über die Cherbourger Straße haben nennenswerte Auswirkungen“, so Grotelüschen.

Aus Sicht des Vereins sollten zunächst Optimierungspotentiale genutzt und Maßnahmen zur  Ertüchtigung der Terminals sowie der Hafeninfrastruktur, wie beispielsweise durch intelligente Verkehrssteuerungssysteme, ergriffen werden. „Dazu gehört insbesondere die Entflechtung der Hafenverkehre an Knotenpunkten wie dem Bahnübergang am Stellwerk“, erklärt der Vorsitzende mit Blick auf die steigende Bedeutung des Verkehrsträgers Schiene mit prognostizierten 770 Zügen pro Woche in 2025 (zum Vergleich: 430 Züge pro Woche in 2010, Quelle: Masterplan Hafeneisenbahn Bremerhaven, S. 8).

Weil nach Fertigstellung des Tunnels weiterhin nur eine Autobahnabfahrt zur Verfügung stehen wird und im Streckenverlauf sechs Kreuzungsbereiche bestehen bleiben, werde sich aus Sicht des Vereins mit den Investitionen zum Hafentunnelbau die Leistungsfähigkeit der Anbindung nicht maßgeblich verbessern. Der Verein fordert daher einen neuen konzeptionellen Ansatz des Landes Bremen mit dem Land Niedersachsen, schließlich haben die zuständigen Wirtschaftsminister bereits das Ende der Zeit des Schweigens verkündet. Von einer durch den Bund zweckgebundenen Festschreibung der finanziellen Mittel könne darüber hinaus keine Rede sein.

Kritisiert wird ferner, dass trotz einschlägiger Erfahrung mit Mehrkosten bei Großprojekten Kostensteigerungen nicht berücksichtigt werden. „Auch die  Unterhaltungs- und Betriebskosten von bis zu 1 Mio. € pro Jahr, die den Bremerhavener Haushalt belasten werden und mehr als das doppelte des aktuellen Budgets zur Straßenunterhaltung im ganzen Stadtgebiet ausmachen, werden völlig vernachlässigt“, gibt der Vorsitzende zu bedenken.

Irreführend ist zudem die Darstellung, die Hafenwirtschaft werde 15 Millionen der Baukosten bereitstellen. Der so genannte Beitrag der Wirtschaft wird nicht als Kapital zur Verfügung gestellt, sondern vorfinanziert mit öffentlicher Bürgschaft und über Jahre durch Spediteure und Terminalbetreiber abgestottert. Die Terminalgebühr und der damit einhergehende administrative Aufwand werden insbesondere die Spediteure treffen, die vermutlich auch noch später Gerichte beschäftigen werden, um die Rechtmäßigkeit dieser Zwangsabgabe prüfen zu lassen.>>>


Nordsee-Zeitung pfeift im Walde: Wenn der Containerumschlag sinkt, träumt man am besten von besseren Zeiten…

11. April 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Das ist doch mal eine nette Variation: Der bedenkenlose journalistische Haudruff der Nordsee-Zeitung spielt (sich) als aufmunternder Pfeifer im Walde auf, wie in der NZ vom 11. April 2013 zu lesen ist.

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Niemand in der großen Schar der Experten kann gegenwärtig erkennbar irgendetwas Sicheres über die Perspektiven der Weltwirtschaft sagen.

Tatsache ist aber, dass der Containerumschlag in Bremerhaven nach jahrelangen positiven Zahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2013 um 13 Prozent zurückgegangen ist.

Das steht in deutlichem Gegensatz zu den seit Jahren in die Welt trompeteten hoffnungsfrohen Prognosen. Noch weit heftiger im Gegensatz zu den Prognosen entwickelte sich der Containerumschlag im neuen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) vom 11. April 2013 waren dort für das erste Betriebsjahr 700.000 Container prognostiziert. Jetzt hoffe die Eurogate-Geschäftsführung, dass es noch „etwa 100.000 Container“ werden könnten. In den ersten beiden Monaten 2013 war es laut SZ mit gerade mal 7.000 (!) Containern nichts als „eine verschwindend geringe Menge“.

Dieser Hafen sei „recht smooth in Betrieb gegangen“, lautet die schönfärberische Beschreibung eines der Geschäftsführer laut SZ. Seine Erklärung: „Wir haben konjunkturbedingt weniger Menge.“ Und – so berichtet die SZ – er nennt als Erklärung: „Der Hafen sei geplant worden, als der Welthandel jährlich noch um bis zu zehn Prozent zugelegt habe.“

Auch der Bremerhavener Hafentunnel ist zu solchen Zeiten auf der Basis derselben hoffnungsfrohen Prognosen geplant worden. Auch hier zeigten sich jüngst katastrophal falsche Prognosen.

Und wie kommentiert der pfeifende NZ-Haudruff diese Entwicklungen? Wegen solcher Kleinigkeiten dürfe man sich doch „nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen“.

Süüßwoll, genau so habe ich mir sachkundige und abgewogene journalistische Analysen stets vorgestellt.


Der Bremerhavener Hafentunnel ist und bleibt ein Unsinnsprojekt – Warnungen werden immer lauter…

22. Januar 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Das in Bremerhaven geplante Monsterprojekt namens Hafentunnel war von Anfang eine unsinnige Geldvergeudung.

Im Verlauf der Planungsphase hat sich gezeigt, dass die Unsinnigkeit nicht kleiner geworden ist – im Gegenteil: Auch wenn weiterhin mit fehlerhaften Gutachten hantiert wird, sprechen die bekannt gewordenen Zahlen immer heftiger gegen das Projekt.

In seiner >>>Online-Ausgabe vom 22. Januar 2013 berichtet „Der Spiegel“ über explodierende Kosten für Prestigebauten. Zitat: <„Dummköpfe oder Lügner“ nennt Bent Flyvbjerg, Professor für Stadtplanung in Oxford, Manager von Großprojekten wie dem Berliner Flughafen. Ihre Kosten- und Bauzeitprognosen strotzten vor Naivität oder Unehrlichkeit.> (Hervorhebung DK) Deshalb müssen seiner Meinung nach die bisher gemachten Erfahrungen von vornherein als Zuschlag in die Berechnung der Kosten einbezogen werden.

Auf die auch in Bremerhaven nach oben korrigierten Kosten weist der Unternehmerverein Bremerhaven-Wesermünde in einer Pressemitteilung vom 22. Januar 2013 hin. Durch die erhöhten Kosten sei das Nutzen-Kosten-Verhältnis mittlerweile weiter ins Negative abgerutscht, stellt Jens Grotelüschen fest. Daher dürfe sich die Bundesregierung gar nicht mehr an der Finanzierung beteiligen.

Diese Feststellung werde erhärtet, wenn die feststellbare Aufteilung des Containertransports auf die Verkehrsträger Bahn und Auto einbezogen wird. Hier sorge die wachsende Bedeutung der Bahn für eine geringer werdende Bedeutung des Straßenverkehrs. Das sei auch dem 2011 aufgestellten Masterplan Hafeneisenbahn Bremerhaven zu entnehmen.

Immer deutlicher wird laut Grotelüschen die Tatsache, dass sich die Gutachten und Prognosen über den Anstieg des Schwerlastverkehrs auf der Cherbourger Straße als „nicht plausibel bzw. belastbar“ erwiesen haben.

Grotelüschen: „Genau das zeigt die Realität auf der Cherbourger Straße seit Jahren: Der Verkehr fließt, obwohl im Jahr 2012 sowohl der Container- als auch der Autoumschlag neue Umschlagsrekorde zeigten.“ Somit müsse davon ausgegangen werden, dass „der Planfeststellungsbeschluss auf einer ungenügenden Ermittlung der zukünftig zu erwartenden Verkehrsbelastungen“ basiere, „obwohl in den vergangenen vier Jahren neue Erkenntnisse vorlagen“.

Der Spiegel geht übrigens auch auf das Autobahnprojekt A 20 ein, insbesondere auf den geplanten neuen Elbtunnel.

Zitat aus dem Spiegel: „Die zu erwartenden Kosten sind unterdessen von 900 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Wie viel davon Private übernehmen könnten, ist völlig unklar. Ungeklärt ist auch, ob die vorgesehene Rendite von zehn Prozent für Investoren noch mit einer bezahlbaren Maut für Nutzer vereinbar ist. Kaum noch haltbar wäre das Vorhaben wohl, wenn der Elbtunnel mit Flyvbjerg-Zuschlag geplant werden müsste: Für Tunnelbauten hat der Ökonom eine durchschnittliche Preissteigerung von 34 Prozent errechnet: Auf Basis der aktuellen Schätzung müssten die öffentlichen Geldgeber dann sogar mit bis zu 1,6 Milliarden Euro rechnen.“


Kritik am Bremerhavener Hafentunnel muss aufrecht erhalten werden, weil der Bau auf verfälschten Annahmen beruht…

10. Januar 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Das Bremerhavener Millionenprojekt namens Hafentunnel lebt weiterhin von Beschwörungen einer angeblichen Notwendigkeit und vom dreisten Schaffen von Tatsachen vor einer juristisch sauberen Grundlegung. Das gilt auch, wenn Oberbürgermeister Melf Grantz sich in seiner weit ausschweifenden Rede während des Neujahrsempfangs in der Stadthalle demonstrativ auf den ersten Spatenstich freut.

Zwar machen auch die Grünen in einer Presseerklärung vom 10. Januar 2013 deutlich, dass sie für das Vorgehen des Magistrats einen reichlich wackeligen Grund sehen. Allerdings bleibt diese Kritik insgesamt sehr zaghaft. Sie erweckt mehr den Anschein, als wollten sich die Grünen beim späteren Auftauchen von Problemen die Möglichkeit offenhalten, auf ihre „rechtzeitigen Warnungen“ zu verweisen.

Hier die Presseerklärung im grammatisch etwas holprigen Weichzeichnerformat:

„Die Stadtverordnetenfraktion steht zu ihrer Zustimmung zum Bau des Hafentunnels unter der Cherbourger Straße, wie es in den Koalitionsverhandlungen vereinbart wurde.

>Wir erwarten allerdings, dass nicht versucht wird z.B. durch sofortige Fällung von Bäumen Tatsachen zu schaffen, bevor der Flächennutzungsplan geändert wurde<, so der umweltpolitische Sprecher Dr. Ulf Eversberg.

>Wir erwarten auch, dass erst der Planfeststellungsbeschluss – auch wenn er juristisch sofort vollziehbar ist – rechtsbeständig sein muss. Das bedeutet für uns, dass möglichen juristischen Eilverfahren, die durch die Bürgerinnen und Bürger angestrengt werden, vor dem Baubeginn abschließend durch das Oberverwaltungsgericht beschieden sein müssen<.

>Auch wenn wir den grundsätzlichen Beschluss zum Bau des Tunnels nicht in Frage stellen, so muss doch bei solch einem immensen, die Stadt auf viele Jahre belastenden Bauprojekt mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der Tunnel auch erforderlich ist<, so Dr. Eversberg abschließend.

Nur zwei Anmerkungen:

– Die Grünen monieren, „z.B. durch sofortige Fällung von Bäumen Tatsachen zu schaffen“. Das ist geradezu niedlich ausgedrückt, weil dabei die mehrmals vollzogenen Abrisse von Häusern und das völlige Plattmachen nicht nur einer Grünfläche hinter dem „z.B“ zum Verschwinden gebracht werden.

– Zwar verlangen die Grünen, „dass der Tunnel auch erforderlich ist“. Aber wo ist der Nachdruck beim Einfordern einer klaren und eindeutigen Zahlenbasis für diese bisher stets nur behauptete „Erforderlichkeit“? Wann werden endlich die Ergebnisse der Verkehrszählung veröffentlicht?

Um angesichts der finanziellen Folgen für die Bevölkerung meine Bedenken gegenüber dem millionenschweren Agieren unserer Magistrats-Oberen zu illustrieren, variiere ich ein Zitat aus David Mitchells Buch „Der Wolkenatlas“: „Die Leute (im Magistrat – DK) glauben die Welt is so un so gemacht, un wenn du ihnn sagst (oder: wenn sich zeigt – DK) dasses nich so is, stürzt ihnen ihr Dach aufn Kopf un du stehst vielleicht mit drunter.“

Zusatz 11. Januar 2013: Die Nordsee-Zeitung verschweigt die Pressemitteilung der Grünen zum Hafentunnel in ihrer heutigen Ausgabe vollständig. Als erheblich bedeutsamer werden beispielsweise folgende Themen eingestuft: „Fahrer gerät ins Schleudern“, „Ein Vogel auf Wohnungssuche“, „‚Liebesschlösser entfernt“, „Täter auf frischer Tat ertappt“, „Extra-Führung für Senioren“, „Grünkohl und Pinkel für den guten Zweck“, „Kaninchen im Altersheim“ und so weiter.

Da merkt der Mensch auf den ersten Blick: So sieht verlässlicher Lokaljournalismus hoher Qualität aus. Die Leserinnen und Leser werden stets über das informiert, was für ihr Leben tatsächlich Bedeutung hat.


Der lügenhafte Eiertanz zum Durchdrücken des Bremerhavener Hafentunnels geht weiter – Nachweislich falsche Prognosen bilden weiterhin die Grundlage der Planung…

19. Dezember 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – „Zahlenabweichungen beim Hafentunnel“ und „Ungereimtheiten“ meldet die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19. Dezember 2012 reichlich flau und zurückhaltend. Die Grünen wollten wissen, „warum die in den Prognosen vohergesagten Zahlen über den Anstieg des Schwerlastverkehrs auf der Cherbourger Straße mit den tatsächlichen Zahlen nicht übereinstimmen“, ist in der NZ zu lesen.

Und dann noch: „Wie es heißt, gibt es erhebliche Abweichungen.

Warum dieser verbale Eiertanz? Wie in der >>>Seestadtpresse vom 18. Oktober 2012 zusammengefasst, wurden laut Nordsee-Zeitung im Mai 2012 „bis zu 2200 Lkw“ gemessen, während 3900 Lkw prognostiziert worden waren. Was soll da die Floskel „wie es heißt“?

In der >>>Seestadtpresse vom 10. Juli 2012 wurde noch einmal daran erinnert, dass dieses Spiel mit falschen Prognosen (und in Bremerhaven dann auch noch zielgerichtet unterschlagenen Messergebnissen!) üblich ist, wenn es um das Durchdrücken solcher Großprojekte geht. Warum werden nicht endlich Informationen aus anderen vergleichbaren Projekten herangezogen, die in Form einer „Referenzklassenprognose“ zusammenzufassen sind?

Und noch ein Zitat aus diesem Text: „Dass solche Monster-Projekte gleichzeitig den Spardruck auf die öffentlichen Haushalte erhöhen und daher mitverantwortlich sind beispielsweise für die schlechten Unterrichtsbedingungen in unseren Schulen, sei nur noch einmal am Rande in Erinnerung gerufen.“

Ich fürchte, dass die Grünen dem Druck nicht standhalten und das Projekt im Januar endgültig eine der letzten formalen Hürden überwindet.


Begründung für Bremerhavener Hafentunnel hinfällig – Es gibt kein Wachstum des Lkw-Verkehrs, im Gegenteil…

18. Oktober 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Nun ist die Katze seit fünf Tagen aus dem Sack, aber der Skandal wird in der Nordsee-Zeitung mit erstaunlicher Zurückhaltung behandelt. „Stillstand beim Lkw-Verkehr“ lautete die eigenartige NZ-Überschrift am 13. Oktober 2012 und erst in der Unterzeile findet sich der Kern der Botschaft: „Lastwagen-Aufkommen auf Cherbourger Straße nimmt seit fünf Jahren nicht zu“.

Selbstverständlich war das schon mit bloßem Auge zu erkennen, und der Skandal beim dreisten Durchziehen dieses überflüssigen Großbauprojekts ist >>>auch in der Seestadtpresse kritisiert worden.

Aber warum fehlt aktuell ein Blick auf die Basis der Hafentunnel-Planung, also auf die Verkehrsprognosen aus der Anfangszeit? Ich helfe nach: Am 6. November 2005 stand im Sonntagsjournal die folgende Bildunterschrift: „Schon jetzt rollen täglich 17.000 Fahrzeuge durch die Cherbourger Straße. Fast 4000 davon sind Lastkraftwagen. Tendenz: Stark steigend.“

Als die Wirtschaftsförderer der BIS im Jahre 2007 ihre Verkehrsanalyse präsentierten („fundierte Datenbasis“), war im offiziellen >>>Fazit dieser Verkehrsprognose folgendes zu lesen: „Wesentliche Verkehrszuwächse der Hafenverkehre bis 2012“ – „Dringender Handlungsbedarf“.

Noch ein Beispiel aus meinem Archiv: Da finde ich eine gemeinsame Pressemitteilung von BLG, Eurogate, NTB und MSCGate vom 12. Juli 2007. Darin wird als Begründung für den Tunnel angeführt, es nehme „im Zuge der anhaltend zweistelligen Wachstumsraten bei Containern und Autos auch der Lkw-Verkehr entsprechend weiter zu und werde sich in weniger als 10 Jahren verdoppeln„.

Von diesem Zeitpunkt der angeblichen Verdopplung sind wir aktuell nur noch zwei oder drei Jahre entfernt.

Die Bremerhavener Industrie- und Handelskammer schreibt in einer Mitteilung am 25. Januar 2006, die Lkw-Verkehre würden „weiter deutlich zunehmen. Schon heute ist die Cherbourger Straße ein problematischer Engpass“.

Und was ist im Gegensatz zu diesen Unsinnsprognosen tatsächlich passiert? Nicht einmal die Behauptung vom angeblichen „Stillstand beim Lkw-Verkehr“ hält der Überprüfung stand. Denn im Mai 2012 sind laut Nordsee-Zeitung „bis zu 2200 Lkw“ über die Cherbourger Straße gerollt.

Ist das wirklich „kaum ein Unterschied“ zu den 2006 genannten 3900 Lkw täglich? Es ist erstaunlich, dass die Nordsee-Zeitung ihr eigenes Archiv so wenig nutzt.

Und all diese eindeutig falschen Behauptungen liefern bis heute die Begründung für das Riesen-Verkehrsprojekt Hafentunnel Bremerhaven!

Und obwohl die Finanzierung der Gesamtkosten, die von den Tunnel-Kritikern auf insgesamt 460 Millionen Euro geschätzt werden (offiziell ist immer „nur“ von mehr als 170 Millionen Euro die Rede, weil Teile der Finanzierung sowie absehbare Kostensteigerungen ausgeblendet werden!), noch längst nicht gesichert ist, werden Schritt für Schritt Fakten geschaffen, damit am Ende behauptet werden kann, nun sei ein Stopp des Großprojekts nicht mehr möglich.

Es ist übrigens nicht verwunderlich, dass es bisher zu den lange zurück gehaltenen Ergebnissen der Verkehrszählung keine offizielle Presseerklärung des Magistrats gibt.


Bremerhaven: Hafentunnel bleibt ein skandalöses Projekt – Nobelpreisträger Daniel Kahnemann kritisiert das hier praktizierte Vorgehen…

10. Juli 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Der Bau des Bremerhavener Hafentunnels parallel zur Cherbourger Straße bleibt ein verkehrspolitischer Skandal ersten Ranges.

Ich erinnere mich, dass mir vor mehreren Jahren ein ehemaliger Chefredakteur des Weser-Kuriers vorhielt, ich hätte keine Ahnung von den Zuständen auf der Cherbourger Straße. Er habe doch selbst die riesigen Staus gesehen, als ihm die Wirtschaftsförderer der BIS das Hafengebiet vorführten.

Was er nicht wusste: Die damaligen Staus auf der Cherbourger Straße waren nicht Folge eines hohen Verkehrsaufkommens, sondern Folge einer fehlerhaften Ampelschaltung. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass diese fehlerhafte Ampelschaltung zielgerichtet so lange beibehalten wurde, bis die (angebliche) Notwendigkeit des Hafentunnels „bewiesen“ war.

Bald danach wurde die Ampelschaltung verbessert, und seitdem ist es mit sehr seltenen Ausnahmen vorbei mit den Staus auf der Cherbourger Straße.

Außerdem wurde eine kontinuierliche und verlässliche Zählung des Lkw-Verkehrs auf der Cherbourger Straße bis heute erfolgreich verhindert. Als Begründung wurden angeblich defekte Erfassungsgeräte ins Feld geführt.

Das bedeutet: Der Hafentunnel wurde ohne korrekte empirisch belegte Zahlenbasis politisch durchgedrückt. Dass die Bremerhavener Grünen dieses erbärmlich Spiel fast wortlos über die Bühne gehen lassen und dafür sogar noch Mitverantwortung übernehmen, macht die Sachen nicht gerade erquicklicher.

Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann kennt solche Tricksereien durch zahlreiche Beispiele weltweit. In seinem neuen Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ erläutert er solche „planning fallacies“ („Planungsfehlschlüsse“). „Die Liste der Horrorgeschichten ist endlos“, schreibt er.

Kahnemann macht klar, dass am Anfang zielgerichtet vollkommen unrealistische Szenarien aufgestellt werden: „Sie überschätzen den Nutzen und unterschätzen die Kosten“, stellt er fest. „Sie denken sich Erfolgsszenarien aus, während sie das Potenzial für Fehler und Fehlberechnungen übersehen.“

Der Nobelpreisträger spricht von „Entscheidungen, die auf irrationalem Optimismus statt auf einer rationalen Abwägung von Gewinnen, Verlusten und Wahrscheinlichkeiten basieren“.

Abhilfe könne nur geschaffen werden, wenn Informationen aus anderen vergleichbaren Projekten intensiv genutzt werden. Er fordert eine „Referenzklassenprognose“, die andernorts gemachte Erfahrungen systematisch mit einbezieht. Seiner Meinung nach müssen bei der Vorbereitung solcher Projekte systematisch „die statistischen Kenndaten der Ergebnisse in ähnlichen Situationen“ einbezogen werden.

Zwar hat es auch in Bremerhaven zaghafte Versuche gegeben, die Erfahrungen mit Großprojekten andernorts in die Diskussion einzufädeln, aber konsequent und systematisch ist das nie geschehen – im Gegenteil: Die Diskussionsbeiträge wurden sofort als irrelevant und nicht vergleichbar zurückgewiesen.

Diese Art des Vorgehens ist eindeutig ein gravierender Mangel der bisherigen Planung. Er müsste den politisch Verantwortlichen auf die Füße fallen, wenn sie sich zu diesem zukünftigen Zeitpunkt nicht – wie üblich – längst aus dem Staube gemacht hätten.

Dass solche Monster-Projekte gleichzeitig den Spardruck auf die öffentlichen Haushalte erhöhen und daher mitverantwortlich sind beispielsweise für die schlechten Unterrichtsbedingungen in unseren Schulen, sei nur noch einmal am Rande in Erinnerung gerufen.

Nachbemerkung: Die >>>Bürgerinitiative gegen den Tunnel spricht von einer „Investition in die Sinnlosigkeit“.


Verzerrte Informationen über die Küstenautobahn A 20 – Unternehmerlobby besiegt zu oft die kritischen Quellen…

21. Mai 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Die sogenannte „Küstenautobahn“ A 20 ist ein Lieblingskind der regionalen Unternehmer-Lobby. Die meisten Zeitungen der Region funktionieren brav als Sprachrohr dieser Lobby. „Kammern fordern zügigen Ausbau“ lautete folglich am 19. Mai 2012 mehrfach die Überschrift einer Meldung, die als steter Tropfen für das Höhlen des Steins sorgen soll.

In den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz) war die Berichterstattung am 19. Mai 2012 kritischer als hier.

Laut „Schleswiger Nachrichten“ (im shz) vom 19. Mai 2012 lag die frühere Prognose der Fahrzeug-Zahl mehr als doppelt so hoch wie tatsächlich erreicht. Von den ursprünglich prognostizierten deutlich über 5000 Lastern täglich seien 2010 tatsächlich gerade einmal 1731 gezählt worden.

Interessant finde ich, dass diese gleichzeitig mit der Kammer-PR auftauchenden kritischen Informationen bei uns bisher unterschlagen wurden. So machte das >>>Portal „A 22 nie“ bereits am 18. Mai 2012 auf eine Mitteilung aus Bundesverkehrsministerium aufmerksam, in der die geringe Auslastung des östlichen Teils der angeblich so dringend benötigten Küstenautobahn informiert wurde.

So wird immer deutlicher, dass die Autobahnbau-Lobby mit fehlerhaften Prognosen hantiert, um ein Verkehrs-Großprojekt durchzudrücken, dass angesichts der Entwicklungen der Weltwirtschaft immer unsinniger wird.

Und was den Bremerhavener Hafentunnel angeht, scheinen die Zeichen in eine ähnliche Richtung zu weisen. Auch hier gibt es bis heute keine verlässlichen Zahlen über die tatsächliche Auslastung der Cherbourger Straße. Das bedeutet auch: Es gibt keine verlässliche Begründung für die Notwendigkeit dieser Großbau-Maßnahme.