Bremerhaven: Nordsee-Zeitung wieder hart am Puls der Zeit – Überraschendes Zeitzeichen aufgespürt…

16. April 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Ich bin immer wieder begeistert, mit welchem Spürsinn und mit welchem Feingefühl unsere heimische Nordsee-Zeitung wichtige Trends und Zeichen der Gegenwart aufspürt. Sie wandelt sozusagen auf den Spuren von Zeitzeichen, die tiefe Einblicke in das vielfach verästelte Getriebe der Welt ermöglichen. Besonders deutlich wurde mir das in der Nordsee-Zeitung vom 16. April 2013:

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Das muss sich der Mensch einmal vorstellen: Die Welten umstürzende Erhöhung des jährlichen (!) Mitgliedsbeitrags von 20 auf 25 (!) Euro im Landfrauenverein Bederkesa schafft es bis in die Zeitungsüberschrift! Welch eine überraschende und tiefe Erkenntnis!

Und im angehängten Text finden sich weitere Einblicke in unsere verwirrende politische Gegenwart, beispielsweise die Feststellung, dass an der Weihnachtsfeier des Landfrauenvereins Bederkesa (also vor fast haargenau vier Monaten!) haargenau 257 Landfrauen und Gäste teilgenommen haben.

Wer hier nicht spürt, in welch grandiosem Ausmaß die Nordsee-Zeitung ihr müdes Ohr am aufgeregt puckernden Puls unserer wirren Zeit hat, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen…

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Streit um Straßennamen bleibt ein wichtiges Thema, aber bitte ohne die bisherigen Plattheiten…

27. Januar 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Im Streit um Straßennamen in Bremerhaven und anderswo rät Konrad Elmshäuser, der Leiter des Staatsarchivs in Bremen, zu mehr Augenmaß und Nachdenklichkeit. Unsere historischen Stadtlandschaften verweisen mit ihren Straßennamen oftmals auf „widersprüchliche Biografien“, die nicht einfach blind weggebügelt werden sollten, so seine Überlegung.

Elmshäusers Appell in einem Interview im Weser-Kurier vom 13.Januar 2013: „Ich persönlich würde mir einen unaufgeregten Umgang mit diesen Fällen wünschen, die fraglos ambivalent sind… Ich denke, dass eine offene Gesellschaft die Konfrontation mit widersprüchlichen Biografien aushalten kann.“

Das wendet sich meiner Ansicht nach klar gegen die Plattheiten, die in den vergangenen Monaten beispielsweise von der Nordsee-Zeitung im Zusammenhang mit Gustav Frenssen in die Welt trompetet wurden. In der NZ wurde die Frenssenstraße als „Adresse mit Ekelfaktor“ bezeichnet. Meine erste Kritik daran lässt sich durch einen >>>Klick an dieser Stelle nachlesen.

Im Zusammenhang mit der Nazi-Zeit gibt es eine lange Reihe solcher „widersprüchlicher Biografien“ – ein Problem, das in der Zeit nach 1945 in der Bundesrepublik nicht immer besonders offen behandelt wurde. Ich nehme hier als ein kleines Beispiel den Bischof Otto Dibelius, der Älteren nur als eine honorige Persönlichkeit in Erinnerung sein dürfte.

Zielgerichtet ausgeblendet wurde allerdings, dass Otto Dibelius bereits sehr früh völkisches Gedankengut vertreten hat: „Für die letzten Motive, aus denen die völkische Bewegung hervorgegangen ist, werden wir alle … volle Sympathie haben. Ich habe mich … immer als Antisemiten gewusst“, so der spätere Bischof in einem Schreiben von 1928 als Generalsuperintendent der Kurmark, wie Hartmut Hohnsbein in der >>>Zeitschrift „Ossietzky“ vom 26. Januar 2013 feststellt.

Anfängliche Zustimmung zum Nationalsozialismus war beispielsweise auch beim späteren hannoverschen Landesbischof Hanns Lilje zu hören – eine Zustimmung, die damals laut Hohnsbein von weiten Teilen des deutschen Protestantismus geteilt wurde. „Der Protestantismus war … aktiv an der Zerstörung der Weimarer Republik und der Errichtung und Stabilisierung der faschistischen Diktatur beteiligt“, lautet ein Zitat in seinem Artikel.

Die offene und engagierte und kritische Diskussion über all die vielen „widersprüchlichen Biografien“ lohnt sich in jedem Fall.

Einfach so hingeraunzte Plattheiten über „Adressen mit Ekelfaktor“ bringen aber mit Sicherheit gar nichts, weil sie nur von den wirklich wichtigen Diskussionen ablenken.


Alfred Riedl, Bremerhavener Straßenmusikant – Eine Erinnerung fast 20 Jahre nach seinem Tod…

22. Januar 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Vor nicht ganz 20 Jahren erschien in der Nordsee-Zeitung eine kleine Todesanzeige, die so aussah:

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Der Mann, der am 27. April 1993 in aller Stille beigesetzt worden ist, hatte in seinem persönlichen Nachlass ein einziges Foto, das ihn selbst zeigt (abgesehen von mehreren Ausweisen). Hier ist es:

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Wer ein wenig mehr über diesen stadtbekannten Einzelgänger wissen wollte, wurde bereits kurz nach Riedls Tod durch die Bremerhavener Stadtillustrierte „Fischtown News“ informiert, und zwar in den Ausgaben 7 und 9 des Jahrgangs 1993.

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Dieses hier könnte nun der Anfang einer Dokumentation im Internet sein, in der noch einmal ein paar Splitter aus dem Leben Alfred Riedls zusammengesammelt und veröffentlicht werden.

Wer Interesse, Lust und Zeit hat, ist zu Hinweisen, Erinnerungen und anderen Beiträgen eingeladen.


Die Arbeit an der Wiederbelebung des „amerikanischen Traums“ geht weiter – Beispielhaft für das Denken einer weltweiten Bewegung…

12. Dezember 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Im vergangenen Jahr habe ich >>>in der Seestadtpresse schon einmal über eine interessante US-amerikanische Graswurzelbewegung berichtet, die unter dem Schlagwort „Rebuild the Dream“ aktiv ist. Weitere Informationen liefert die >>>Webseite der Organisation.

Ich gebe hier als Beispiel ein paar Auszüge aus einer e-Mail über die jüngste Aktion weiter, in der zu künstlerischen Aktivitäten gegen den Sparwahn mit all seinen desaströsen Folgen für die kleinen Leute aufgerufen wird.

Amerika ist nicht pleite, sondern wird ausgeraubt – so lautet der Kernpunkt der Analyse („America is not broke – America is being Robbed!“). Dagegen wendet sich die Aktlion „ARTSTRIKE“.

ARTSTRIKE is an „arts and culture“ day of action on the „fiscal bluff.“ We launch it on Monday, December 17, 2012. Help us!“

We’re working with grassroots artists — folks like you! — to create and collect art, music, poetry, design, and videos. This is our chance to combine creative voices and grab the attention of the national media and the folks in D.C.

Aren’t you tired of the whole conversation about our economic future being highjacked by the same, out-of-touch people who apparently have no idea what is happening in our schools and neighborhoods?

They yammer endlessly about the deficit. I know we need to address that at some point. But for God’s sake, right now: FOLKS NEED JOBS. (Better yet: CAREERS!) And good schools. Peaceful streets. Clean air and water. Dignity. Opportunity. Respect. All of that. And more.

And if someone needs to step up to pay for all of that — or to pay down the deficit — it should be the people who benefited the most from all the tax breaks, bailouts and bonuses over the past decade. The wealthiest Americans, the ones who have done well IN America, should now do well BY America — and pay the country back. Those revenues can be used to fund a better future.

How can we get THAT message out there? To break through, we need a tsunami of music, film, poetry and art. We need songs that remind us why we fight. Images worth sharing. Funny videos that will convince our friends that we don’t need more more tax breaks for the wealthiest…

America is the richest country in the history of the world. We have the resources to put Americans back to work, make education affordable, keep folks from losing their homes, make sure no child lives in poverty, and build a new economy for the 21st century.

We can do it — but we’ve got to be able to dream it first.

That’s what ART STRIKE is all about.“


Kleine Anmerkung zum Gang der Weltgeschichte – Ein Gedicht von Percy B. Shelley…

2. Dezember 2012

Ozymandias
I met a traveller from an antique land
Who said: — Two vast and trunkless legs of stone
Stand in the desert… Near them, on the sand,
Half sunk, a shattered visage lies, whose frown,
And wrinkled lip, and sneer of cold command,
Tell that its sculptor well those passions read
Which yet survive, stamped on these lifeless things,
The hand that mocked them, and the heart that fed:
And on the pedestal these words appear:
‚My name is Ozymandias, king of kings:
Look on my works, ye Mighty, and despair!‘
Nothing beside remains. Round the decay
Of that colossal wreck, boundless and bare
The lone and level sands stretch far away.

Übersetzung von Adolf Strodtmann (1866):

Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: „Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.
Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.
Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!‘
Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich, die den Koloß begräbt.“
Ein paar zusätzliche Hinweise gibt es auf der >>>Seite von Wikipedia.

Hochschule Bremerhaven bietet exklusive Stelle: Hohe Qualifikation, 40 Stunden Arbeit im Monat und 400 Euro Bezahlung – Paul M. Schröder (BIAJ) hält das für preiswürdig…

7. September 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Die neoliberale Welt steckt voller Arbeitsplätze, die erbärmlich bezahlt werden, obwohl sie teilweise bemerkenswert hohe Qualifikationen verlangen.

Die Hochschule Bremerhaven profiliert sich vor diesem Hintergrund mit einer Stellenausschreibung, die von Paul M. Schröders Bremer (>>>BIAJ und „Büro für absurde Statistik“) als ganz besonders preiswürdig eingestuft wird – in der Kategorie „Exzellentes Stellenangebot“ / frauen- und familienfreundlich.

Kernpunkte dieser Verwaltungsangestellten-Position sind eine Arbeitszeit von zehn Stunden in der Woche, eine abgeschlossenen Berufsausbildung, Berufserfahrung, EDV-Kenntnisse usw. Bezahlung: 400 Euro pro Monat!

Der Text der Anzeige im Weser-Kurier vom 18. August 2012 kann durch einen >>>Klick an dieser Stelle angesehen werden.


„Meinungs-Terrorismus der Nordsee-Zeitung“ – „NZ-Haudruff: Setzen, sechs!“

10. August 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Die Trennung von Kommentar und Nachricht ist ein uralter journalistischer Grundsatz. Er hat sicher seine Tücken, aber die Dreistigkeit der Nordsee-Zeitung auf dem Feld der plumpen Meinungsmache ist doch bemerkenswert.

Die Überschrift des Lokalteil-Aufmachers präsentiert die Nachricht vollkommen sachlich und neutral:

Und im Einleitungstext stellt der NZ-Haudruff die Arbeit der rot-grünen Koalition in Bremen ebenso sachlich und neutral vor: Sie gibt „ein erbärmliches Bild“ ab. Darunter verteilt er mit lockerer Hand Zeugnisnoten für die Senatoren. Diese Noten werden auf der Seite 1 (!) der Nordsee-Zeitung sachlich und neutral so zusammengefasst: „Noten für Senatoren: Setzen, sechs“.

So sieht heute der Qualitäts-Journalismus des Bremerhavener Monopolblatts aus.

Folglich formuliere ich (zum Spaß) ebenfalls völlig sachlich und neutral: „Meinungs-Terrorismus der Nordsee-Zeitung“. Und: „NZ-Haudruff: Setzen, sechs“.


Augentäuschung? Das sind wirklich nur zwei Hühnereier – Von Talebs „Black Swan“ ist aber trotzdem die Rede…

22. Juni 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Ich schwöre, dass es nur haargenau zwei Eier sind, die ich kürzlich in die Pfanne gehauen habe – auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht…

Ehrlich: Es waren wirklich auch die zwei Eier, die ich nacheinander aus der Zehner-Schachtel herausgenommen habe…

„Schwarze Schwäne“ („Black Swans“) nennt der Wissenschaftler Nassim Nocholas Taleb solche sehr seltenen Ereignisse in komplexen System wie der Natur, die nur im Rückblick erklärt, aber nicht im Voraus angekündigt werden können. Allerdings gilt diese dramatische Charakterisierung laut Taleb nur für sehr seltene Ereignisse, die extreme Auswirkungen haben.

Die Kombination von extrem geringer Vorhersagbarkeit und extrem großen Auswirkungen macht laut Taleb die „Black Swans“ zu einem extrem gefährlichen Element unserer Welt, die in immer stärkerem Maße durch wachsende Komplexität mit allerlei höchst komplizierten Interdependenzen und Rückkopplungen gekennzeichnet ist.

Insbesondere unsere globale Expertokratie für wirtschaftliche Fragen ist nach Talebs Überzeugung vollkommen unfähig, die enormen Risiken durch „Black Swans“ auch nur zu begreifen. Ihr „Tunnelblick“ macht sie blind für die „Sprünge“ („jumps“) gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen, die im Rückblick stets von den Experten zu einer irgendwie folgerichtigen Logik geglättet und damit in ihrer Gefährlichkeit entschärft werden.

Leben sei der kumulative Effekt einer Handvoll signifikanter Schockereignisse, schreibt Taleb. Menschliche Blindheit gegenüber dieser riesigen Bedeutung von Zufälligkeiten wird seiner Meinung nach immer gefährlicher, weil komplexe Systeme wie etwa die globale Ökonomie oder Ökologie wegen ihrer komplizierten inneren Verknüpfungen immer schneller aus dem Lot gebracht werden können.

Das „Black Swan“-Buch von Nassim Nicholas Taleb kann ich übrigens nur empfehlen.

Wie schnell der Mensch von Zwillingshühnereiern auf solche Gedanken kommen kann…


Wirtschaftsförderung wirbt für Bremerhaven – So sah das vor gut 40 Jahren aus…

19. Juni 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn Wirtschaftsförderer Werbung für die eigene Stadt machen, gibt es oft etwas zu lachen. Das gilt auf ganz andere Weise auch, wenn ein Blick zurück geworfen wird – in diesem Fall über mehr als 40 Jahre…

So sah sie aus – die ganzseitige Anzeige in einem „Jahrbuch für die deutschen Gewerkschaften“ aus dem Jahre 1970.

Ganz unten stehen übrigens die überzeugenden Sätze: „… und wer das Meer liebt (oder seinen Betrieb in direkter Nähe eines modernen Seehafens ansiedeln will), dem wird es bei uns auch gut gefallen. Über die erstklassigen Verkehrs-, Arbeits- und Lebensbedingungen informiert Sie das Amt für Wirtschaftsförderung…“


Fußball-Europameisterschaft: Ein Wort zur Erhellung von Günther Anders…

10. Juni 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn Fußball-Nationalmannschaften gegeneinander spielen, sind denkwürdige Beobachtungen zu machen. Da kann eine Mannschaft in ihrem Spiel rumpeln und pumpeln und sich mühsam zu einem siegähnlichen Abschluss duseln, und trotzdem begeistern sich die Zuschauer über einen solchen mühsamen und fast peinlichen Sieg der eigenen Mannschaft.

Der großartige Philosoph Günther Anders hat diese kuriosen Seelenvorgänge im Zuschauerraum einmal in seiner Fabel „Solidarität“ beleuchtet (aus „Der Blick vom Turm“).

In dieser Fabel geht es um die Olympiade der beiden Städte Molussien und Penx, die stets ein ganz besonderes Abschlussereignis hatte: Nach allen Turnieren kämpften nämlich noch die beiden verrufensten Gewaltverbrecher beider Städte gegeneinander. Da ging es um Leben oder Tod, denn wer den anderen umgebracht hatte, wurde als Sieger begnadigt. Die Grausamkeit dieser leidenschaftlichen Kämpfe war furchtbar, wie man sich vorstellen kann.

Das Denkwürdigste geschah aber im Zuschauerraum, schreibt Günther Anders: „Kaum hatten nämlich die Zwei, die gestern noch von ihren Mitbürgern als die Schandsöhne ihrer Städte verabscheut worden waren, und die, hätten sie nicht für das Fest aufgespart werden müssen, längst schon hingerichtet worden wären – kaum hatten die Zwei die Arena betreten, als die Stimmung total umschlug. Plötzlich waren sie nämlich die Söhne ihrer Städte, nein, geradezu deren Verkörperungen.“

Und weiter: „Mit ohrenbetäubendem Jubel begrüßten die Molussier ihren Verbrecher, die Penxer den ihren.“

Und da die siegreichen Verbrecher in ihrer Stadt hinterher frenetisch gefeiert wurden, war eine Vermutung nicht von der Hand zu weisen: Das Gerücht behauptete, dass die Statue des heiligen Erzvaters von Penx, die noch in jedem Jahr bekränzt wurde, „niemand anderen darstelle als den ersten Massenmörder der Stadt, der aus dem ersten dieser Zweikämpfe siegreich hervorgegangen sei“.

So sind die Menschen offensichtlich stets stolz auf die Ihren, wer immer es auch sei…


„Fördestadt Bremerhaven“ – Die Tageszeitung „Die Welt“ wandelt nicht nur politisch, sondern auch geographisch gelegentlich auf wunderlichen Wegen…

21. Mai 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Kleine Kuriositäten können den Alltag versüßen. So berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ am 12. Mai 2012 über das >>>Drahtseilwerk Bremerhaven, das sich weltweit durch die hohe Qualität seiner Produkte unentbehrlich gemacht hat.

Wer genau hinsieht, entdeckt dann allerdings, dass Bremerhaven von der Redaktion der „Welt“ als „Fördestadt“ und „Stadt an der Förde“ charakterisiert wird – ein Titel, der bekanntlich >>>Flensburg zusteht.

Immerhin wird in der Springer-Tageszeitung ansonsten sehr positiv über einen gelegentlich unbemerkt bleibenden Vorzeigebetrieb der Seestadt berichtet.

Laut „Welt“ hängt sogar die 3618 Meter lange Hamburger Köhlbrandbrücke „an Drahtseilen aus Bremerhaven“ – an Drahtseilen mit einem Durchmesser von 54 Millimetern, wie die Zeitung staunend vermerkt.


Egoistische Dreistigkeiten – ein kleiner Vergleich…

15. Mai 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Irgendwie ist es ja immer wieder niedlich, die egoistischen Dreistigkeiten kleiner Leute zu beobachten…

Nun ja, eine alte Gartenpforte im Kompostsammelbehälter auf dem Leher Friedhof: Wer macht denn sowas, obwohl die Vorschriften doch klipp und klar nachzulesen sind…

Allerdings sollte beachtet werden: Der finanzielle Schaden solcher egoistischer Dreistigkeiten kleiner Leute erreicht niemals die Größenordnung der finanziellen Belastungen für die Allgemeinheit, die durch die egoistischen Dreistigkeiten unserer Ober-Absahner in der Geschäfts- und Bankenwelt verursacht werden…


Spadener See wird von Jens Grotelüschen übernommen – Bremerhavener und Schiffdorfer Öffentlichkeit kann auf positive Veränderungen hoffen…

12. April 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Nun wird es am Spadener See interessant: Der Bremerhavener Havenhostel-Betreiber Jens Grotelüschen hat nach eigenen Angaben das Freizeitgebiet am Spadener See übernommen.

In seiner Pressemitteilung vom 12. April 2012 heißt es: „Nach jahrelangen Turbulenzen, der Insolvenz der Betreibergesellschaft im vergangenen Jahr und den damit einhergehenden Vernachlässigungen hat Investor Jens Grotelüschen das Freizeitgebiet übernommen. Grotelüschen hat für Bremerhaven das Jugend- und Familienhotel “havenhostel Bremerhaven” konzipiert, das sich seit 2010 erfolgreich am Markt etabliert hat.“

Seine Ankündigung: „Am Spadener See soll nun nicht nur der Betrieb zügig aufgenommen, sondern das Areal nachhaltig entwickelt werden.“

Was das konkret bedeutet, will Grotelüschen auf einer Pressekonferenz am kommenden Sonnabend erläutern.

Zu hoffen bleibt, dass endlich der öffentliche Zugang zum Seegelände wieder frei gegeben wird, auch wenn dadurch bei größerem Andrang zwischenzeitlich Probleme auftreten sollten. Die Probleme für die Bremerhavener Öffentlichkeit durch die Verbarrikadierung des Geländes waren jedenfalls in den vergangenen Jahren deutlich erkennbar riesengroß, weil ein schönes Naherholungsgebiet nicht mehr zugänglich war.

Dem Investor Jens Grotelüschen sind in puncto Spadener See Mut, Finanzkraft und Großzügigkeit gegenüber der Öffentlichkeit zu wünschen.

 

 


Philosophieren in Bremerhaven heute – Ullrich Thiemann (Philosophische Gesellschaft) in der Gesprächszeit des Nordwestradios…

12. April 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wer wissen möchte, was ein kluger Mensch heute über das Philosophieren zu sagen hat, sollte sich die „Gesprächszeit“ im Nordwestradio vom 12. April 2012 nicht entgehen lassen.

Zu Gast war an diesem Vormittag Ullrich Thiemann, der langjährige Vorsitzende (und jetzige zweite Vorsitzende) der >>>Philosophischen Gesellschaft Bremerhaven.

Der Weg zum Beitrag im Nordwestradio führt über einen >>>Klick an dieser Stelle. Die vier Teile der Gesprächszeit können dann etwas weiter unten auf der Seite angeklickt werden.

Wer direkt zum vierteiligen Gespräch gelangen möchte, kann das auch hier tun: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

Noch einfacher ist der Weg über ein Podcast, weil hier alle Teile in einem Beitrag vereint sind. >>>Hier geht’s lang zum Podcast.

Ich betone noch einmal ganz ausdrücklich: Das Anhören lohnt sich wirklich.


Bremerhaven: Frenssenstraße nichts als eine „Adresse mit Ekelfaktor“? – Das lässt wohl doch ein paar interessante Fragen allzu offen…

10. März 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Überblicke geben und Zusammenhänge herstellen ist eine der zentralen Aufgaben des Journalismus. Gleichwohl wird ein solches genaues Hinsehen und Abwägen gerne beiseite geschoben, wenn es um auffällige Schaumschlägerei gehen soll.

Ein Beispiel dafür lieferte jüngst der journalistische Haudruff der Nordsee-Zeitung, als er die Bremerhavener Frenssenstraße als „Adresse mit Ekelfaktor“ bezeichnete. Der Schriftsteller Gustav Frenssen sei „ein überzeugter Antisemit und Unmensch“, hieß es in der Nordsee-Zeitung vom 8. Februar 2012.

Genaues Hinsehen? Abwägen? Das ist nicht Sache eines Haudruffs. Er will plakative Holzschnitte ohne jegliche Differenzierung. Schade eigentlich, denn am Beispiel Frenssens wäre manches zu lernen.

Die Benennung der Frenssenstraße erfolgte im Jahre 1925, also lange Jahre vor Beginn der Nazi-Zeit. Im Jahre 1933 war der 1863 geborene >>>Gustav Frenssen bereits 70 Jahre alt.

Gustav Frenssen war in der Kaiserzeit das, was man einen Heimatdichter von altem Schrot und Korn nennen kann. >>>Jörn Uhl“ ist wohl sein bekanntestes Buch. Es erschien im Jahre 1901 und schildert die Lebensgeschichte eines Mannes, der den Untergang seines großen väterlichen Bauernhofs durchleidet und dann sein Auskommen als Ingenieur findet – ein Stoff, der eine zahlreiche Leserschaft fand. „Jörn Uhl“ war innerhalb von sieben Monaten mehr als 100.000 mal verkauft worden. 1933 steuerte die Auflage auf die Millionengrenze zu.

Wer den Roman heute kritisch liest, kann erkennen, dass es sich um eine Spielart von Blut-und-Boden-Literatur handelt. Die Charaktere sind durch die Scholle geprägt, die Dithmarscher Bauern werden als „harter Menschenschlag“ einsortiert, die sozialen Unterschiede haben eine ganz natürliche Fundierung abseits aller Politik und so weiter.

In einer Neuausgabe des Buchs von 1982 (Verlag H. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording) ist im Vorwort von einem „ländlichen Bauernroman“ die Rede, „wie ihn bürgerliche Leser lieben, je stärker sie sich der Stadt und ihrer neuen Arbeitswelt zuwenden müssen“.

Und weiter: „In seinen Vorzügen und besonders in seinen Schwächen ist ‚Jörn Uhl‘ ein Bestseller der Kaiserzeit, der nach Inhalt und Sprache diese Zeit dokumentiert. Der Leser gerät am Beispiel Dithmarschens in eine Zeitstimmung krisenreichen Übergangs. Frenssen hat 1901 niemals an späteren Rassenwahn und reaktionäre Verherrlichung der Bauernkultur gedacht.

Dann folgt ein wichtiger Satz: „Aber als ‚Blut und Boden‘ zur Mode verkam, ließ er sich missbrauchen.“

Das macht deutlich: Gustav Frenssen ist mit Sicherheit kein Ruhmesblatt der deutschen Literaturgeschichte, aber ob er durch platte Dämonisierungen à la NZ-Haudruff ausreichend charakterisiert ist, scheint mir doch etwas zweifelhaft zu sein.

Oder sollte etwa der bekannte Bremerhavener Verleger Kurt Ditzen allein durch seine NSDAP-Mitgliedschaft von 1937 bis 1945 ausreichend ins rechte Licht gerückt sein?

Auf der >>>Netzseite „Dithmarschen-Wiki“ lassen sich ein paar Überlegungen zu diesem interessanten Fragenkomplex nachlesen. Dort wird sehr klare Kritik an Frenssen formuliert, insbesondere über seine rassistischen Äußerungen, aber es wird ebenfalls deutlich gemacht, dass „Frenssen in seiner Person und in seinem Werk nicht auf seine nationalsozialistischen Anschauungen eingeschränkt“ werden könne und dass eine offene Diskussion über eine solche Straßenbenennung von zentraler Bedeutung sei.

Was ich damit sagen will: Selbstverständlich ist Frenssen kein besonders vorbildlicher Mensch, der mit einem Straßennamen geehrt werden muss. Es gibt gute Gründe, diese Straßenbennnung zurückzunehmen.

Wenn aber ein Journalist meint, mit dem Stempel „Adresse mit Ekelfaktor“ seien bereits alle Fragen ausreichend beantwortet, dann halte ich das für deutlich zu kurz gegriffen.

Und dann komme ich leicht ins Grübeln, ob ich vielleicht doch lieber in einer Frenssenstraße als in einer Klaus-Haudruff-Straße wohnen möchte…