Der Maler Ronald Franke ist tot – Ein Nachruf von Elke Grapenthin…

7. Februar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Der folgende Nachruf auf Ronald Franke wurde von Elke Grapenthin verfasst. Durch einen >>>Klick an dieser Stelle geht es zur Webseite des Malers, auf der auch die im Nachruf angesprochenen „Goldbilder“ zu sehen sind.

Nachruf auf Ronald Franke

Am 31.1.2015 starb der in Köln lebende Städte-, Häfen und Flusslandschaftenmaler Ronald Franke, der auch in Bremerhaven kein Unbekannter war. Er wurde nur 54 Jahre alt.

Franke, der von 1982 bis 88 an der Kölner Kunsthochschule studierte und Meisterschüler von Dieter Kraemer war, trat früh mit seinen Werken an die Öffentlichkeit und erhielt bald Preise und Stipendien für Auslandsaufenthalte und wurde von renommierten Galerien vertreten. Jährlich beteiligte er sich durchschnittlich an vier Ausstellungen sowie an Kunstmessen.

Seit 1984 fuhr der Maler wiederholt auf Binnenschiffen mit, um das Geschehen auf Flüssen und Kanalen zu dokumentieren, ein mehrjähriges Projekt, das ihn 1999 auch von Moskau nach St. Petersburg führte. Bereits im November 1989 holte ihn der damalige Direktor des Schifffahrtsmuseums, Gert Schlechtriem, zur Vorbereitung einer für 1990 geplanten Ausstellung mit deutschen Flusslandschaften und Seestadt-Bildern nach Bremerhaven. Vom Wilke-Atelier aus startete der 29jährige mit einem VW-Bus voller Malutensilien seine Entdeckungstouren, malte trotz eisiger winterlicher Temperaturen draußen, v.a. im Hafen.

Ronald Franke war einer der ersten Gastkünstler in Bremerhaven, der den Anwohnern mit seinen Bildern von Lagerschuppen, Schleusen, Kränen und Autotransportern vor Augen führte, was diese Stadt zu bieten hat. Die Ausstellung im Schiffahrtsmuseum wurde ein großer Erfolg und Franke verkaufte viele Bremerhavenmotive – an Museen, Geschäftsleute, private Kunstliebhaber.

Schon im März 1990 kam er wieder in das Atelier am Alten Vorhafen. Von Juni bis Oktober führte er Bilder im Auftrag des Motorenwerk Bremerhaven aus, und von November 1990 bis zum Februar 1991 richtete er sich auf Wunsch des Magistrats ein Atelier im Radarturm ein, um die Stadt am Meer von oben festzuhalten. Am Ende präsentierte er die entstandenen Werke im Wilke-Atelier.

Er hatte Leinwände in unterschiedlichen Formaten verwandt, von klein bis so groß, dass er manche Rahmen der Größe wegen an beiden Längsseiten hatte ansägen müssen, um sie im Fahrstuhl des Turms nach unten transportieren zu können. Frankes stark abstrahierte und auf wenige Farben reduzierte Bilder, die unterschiedliche Lichtverhältnisse und Tageszeiten an der Wesermündung und Geesteeinfahrt wider spiegelten, fanden großen Anklang. Zwei der großformatigen Gemälde, die Bremerhaven zu etwas Besonderem machten und in einem neuen Licht erscheinen ließen, befinden sich heute im Sitzungssaal des Magistrats.

Ronald Franke – inzwischen auch international anerkannt und erfolgreich – kehrte noch häufiger in die Region zurück. 2002 entstanden Bilder vom Umland Bremerhavens, von Äckern und Feldern. Und er malte die Windkrafträder, die für ihn die Umgebung der Stadt radikal verändert hatten, zeigte völlig andere Werke als bisher.

Obgleich das sein letzter längerer Aufenthalt in der Region war, fand er selbst, dass seine Begegnung und Auseinandersetzung mit der Seestadt ihn all das gelehrt hatte, was für seine späteren Städtelandschaften wesentlich war: Ob es sich um Köln, Hamburg, New York , Kyoto oder Kapstadt handelte – es ging ihm darum, „eine Stadt als gesamtes Gefüge zu begreifen“, um das Besondere an ihr wiedergeben zu können. Seine dynamischen Stadtimpressionen fangen Straßenkreuzungen und Häuserschluchten an markanten Punkten und häufig aus der Froschperspektive ein.

Trotz seiner schweren Krankheit, mit der er sehr offen umging, malte Franke bis kurz vor Ende des Jahres 2014 immer noch unentwegt, unterstützt von Assistenten, die Vorarbeiten vornahmen. Riesige Kreise und Spiralen – Brücken und Hochstraßen ähnlich – ziehen sich durch diese neuen Bilderlandschaften, die allein auf die Farben Gold und Grau beschränkt sind und auf eine Größe von 3 m x 5 m anwuchsen. Unter dem Titel El Dorado wurden sie in Stuttgart präsentiert. Mit der Idee, sich dem Farbton Gold zu widmen im Kontrast zum Grau, gelang es Franke nach der Krebsdiagnose weiterzuarbeiten. Die Unendlichkeit – symbolisiert durch das Gold, die perfekte Endlichkeit in den runden Formen und die Nähe des Todes in den Grautönen – viele seiner Empfindungen und Gedanken über seine Situation konnte er in diese Bilder einfließen lassen.

Elke Grapenthin (E.G.)

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So setzen Zeitungen Akzente – Gegensätzliche Pegida-Einschätzung…

5. Februar 2015

Seestadtpresse Bremerhaven – Ein Politologe der TU Dresden hat laut Weser-Kurier vom 4. Februar 2015 „die bisher gründlichste Pegida-Studie vorgelegt“. Das Ergebnis laut WK: „Die… Bewegung besteht hauptsächlich aus ‚besorgten und empörten Gutwilligen‚.“ Die Nordsee-Zeitung setzt den Akzent auf derselben Informationsbasis ganz anders: „Viele Pegida-Anhänger extrem rechts“.

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Spiegelt sich in solchen geradezu gegensätzlichen Akzenten eigentlich eine politische Haltung der Redaktion?

Oder hängt es nur davon ab, welche politische Einstellung der jeweilige Redakteur zu dieser Problematik hat?

Oder ist die Wahrheit so biegsam, dass auch solche gegensätzlichen Darstellungen ohne Probleme zu rechtfertigen sind?

Eine denkbare Lehre: Leserinnen und Leser müssen in jedem Fall genau hinkucken, auf welche Figuren sie sich in unseren Medien jeweils verlassen sollen – und auf welche sie sich wirklich verlassen können.


„Trotz Kauflaune weniger Umsatz“ – Nur Überraschung oder doch Dämlichkeit?

1. Juli 2014

Seestadtpresse Bremerhaven – Nehmen wir mal ein Beispiel: Da bescheinigt ein Gutachter einem Familienvater extreme Weichherzigkeit und Kinderliebe. Ein Blick auf das tatsächliche Geschehen in der Familie zeigt aber, dass der Vater seine Kinder tagtäglich mit übermäßiger Gewalt verprügelt.

Was sagt ein Mensch dazu? Das überrascht mich, obwohl die Diagnose  bestimmt korrekt ist? Oder muss doch festgestellt werden: Der Gutachter muss ein ziemlicher Trottel sein…

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Nehmen wir ein anderes Beispiel: Ein Gutachter bescheinigt dem Verbraucher „gute Kauflaune“. Ein Blick auf die Tatsachen zeigt allerdings, dass nicht mehr, sondern weniger gekauft und verkauft wird.

Wie berichten unsere Medien (hier der Weser-Kurier am 1. Juli 2014): „Trotz Kauflaune weniger Umsatz“.

Im Text heißt es dazu: „Das schwache Geschäft der Einzelhändler überrascht, da die Stimmung der deutschen Verbraucher derzeit so gut ist wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr.“

Die Grundlage für diese kuriose Berichterstattung liefert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit ihrem „berühmt-berüchtigten Konsumklimaindex“. Sie wurde auf der Webseite namens >>>„NachDenkSeiten“ (NDS) bereits mehrfach mit kritischen Anmerkungen versehen.

Ich empfehle die >>>NDS noch einmal ausdrücklich zur möglichst täglichen Lektüre! Das gilt auch für Journalisten.

In der taz vom 28./29. Juni 2014 gab Johannes Ludwig, Professor für Medien und journalistische Fächer in Hamburg, den Journalisten folgende Empfehlung für einen nutzbringenden und verantwortlichen Journalisten-Alltag: „Indem man sein Gehirn einschaltet, Widersprüche erkennt, sagt, da stimmt etwas nicht und sich dann fragt: Wie komme ich an die nötigen Informationen“…

P.S. Schon gemerkt? Selbstverständlich lässt sich heute auch die Nordsee-Zeitung die Chance nicht entgehen, den Agentur-Blödsinn nachzuplappern (NZ 1. Juli 2014, Seite 5):

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Eine „große Koalition“ taugt nix – Schluss mit dem sozialdemokratischen Eiertanz…

20. November 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17. November 2013 war eine Karikatur zu sehen, auf der ein stolzer Sigmar Gabriel Seit‘ an Seit‘ mit Angela Merkel das Wort ergreift und verkündet: „Die große Koalition steht. Wir haben uns geeinigt auf einen Mindestlohn für die Auszähler von Volksabstimmungen, eine serienmäßige Mietpreisbremse für Leihwagen und eine Mautbefreiung für verheiratete Homosexuelle.“

Auch wenn es nicht ganz so drollig kommen sollte, bleibt zu befürchten, dass sich die Kiste verhängnisvoll entwickelt. Ich nehme als Beispiel eine Bemerkung Sigmar Gabriels, die in der Nordsee-Zeitung vom 11. November 2013 zitiert wurde: „Sollten wir ein gerechteres Steuersystem mit CDU/CSU nicht hinbekommen – wonach es zugegebenermaßen derzeit aussieht – bleiben ja noch viele andere Themen, bei denen wir etwas bewegen können.“

Dazu kommt mir dann der >>>Aufruf „Wider die Große Koalition“ in die Hände, in dem es unter anderem heißt: „Die SPD will zukunftsfähig sein, bestärkt aber die Konzepte einer vergangenen Politikepoche… Die SPD wandelt sich durch Annäherung an die CDU/CSU zur Gesichtslosigkeit.“

Und: „Eine Große Koalition stellt keine unterschiedlichen Konzepte zur Wahl, sie stellt die Kaste der Politiker den Wählern gegenüber…“

Wahrscheinlich habe ich wieder nicht mitbekommen, dass über diesen Aufruf, zu dessen Unterzeichnern u.a. Oskar Negt, Konstantin Wecker, Roger Willemsen, Ingo Schulze und Hanna Schygulla gehören, breit in unserer Presse berichtet wurde. Der Aufruf wurde bis zum 20. November bereits von fast 5000 Menschen unterzeichnet.

Er kann weiterhin über den oben genannten Link unterzeichnet werden.

P.S. In der Tageszeitung Neues Deutschland war am 16. November 2013 ein Gedicht von Volker Braun abgedruckt:

„Was geht da schemenhaft entschlossen lang? Die Politik. Nun sehn wir sie genau: Die Schatten ihrer selbst. Ein Posten-Gang! Schwarz-Rot, es wird ein rostiges Grau.“


Statistiken haben ihre Knütten – Wer das nicht bedenkt, greift leicht daneben…

15. Januar 2013

Seestadtpresse Bremerhaven – Wie leicht mit Statistiken Schindluder getrieben werden kann, wenn jemand irgendwelche Erfolgsmeldungen in die Welt hinaus trompeten will, illustriert wieder einmal sehr schön Paul M. Schröder vom >>>BIAJ in einer Pressemitteilung vom 15. Januar 2013.

So wurde kürzlich in allen möglichen Medien die gestiegene Frauenerwerbsquote in Deutschland gelobt und gefeiert. Allerdings – so erläutert Schröder – werden in dieser Quote auch die erwerbslosen Frauen mitgezählt. Das bedeutet, dass diese spezielle Quote auch dadurch steigen kann, dass die Zahl der erwerbslosen Frauen größer wird.

Das kann eigentlich nicht als besonderer Erfolg gefeiert werden – oder?

Was die medialen Lobpreiser offensichtlich im Kopf hatten, ist Erwerbstätigenquote. Auch die Erwerbstätigenqoute der Frauen ist in Deutschland größer geworden, allerdings in entscheidendem Maße durch Teilzeit. Von 2000 bis 2011 stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit um 2,2 Millionen auf über 8,1 Millionen. Das ist ein Anstieg um knapp 37 Prozent.

Die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Vollzeit stieg in diesem Zeitraum fast überhaupt nicht – nämlich um magere 0,7 Prozent.

Statistiken müssen immer sorgfältig gelesen und interpretiert werden. Das BIAJ gibt >>>auf seiner Webseite stets anregende Hinweise.


Geldschneiderei der Nordsee-Zeitung durch Aufforderung zum Telefonieren? – Kleinvieh macht auch Mist…

8. Dezember 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn die Nordsee-Zeitung ihre Leserinnen und Leser zum Telefonieren auffordert, ist Aufmerksamkeit geboten, denn das könnte teurer werden als gedacht.

Die jüngsten Beispiele lieferte im NZ-Landkreisteil die Vorbereitung auf die Landtagswahl in Niedersachsen. „Wer soll mit diesen Politikern diskutieren?“ fragte die Redaktion und forderte die Leserschaft zur telefonischen Abstimmung auf (hier in der Ausgabe vom 1. Dezember 2012).

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Was nicht dabei stand: Solche Anrufe mit den Anfangszahlen „01375…“ kosten aus dem Festnetz immerhin 14 Cent und werden von den üblich gewordenen Flat-Rates nicht gedeckt.

Ich gebe zu: Das macht einen durchschnittlichen Menschen nicht arm, aber es gehört sich, diese Kosten zu erwähnen, wie es beispielsweise die Nordsee-Zeitung am 8. Dezember 2012 im Lokalteil ordnungsgemäß getan hat.

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Wie leicht zu erkennen ist, kostete dieser Anruf zur Auswahl der schönsten Bude auf dem Weihnachtsmarkt satte 50 Cent pro Anruf. Das bringt doch schon etwas ein!

Es ist nicht das erste Mal, dass diese Verhaltensweise der Nordsee-Zeitung in der Seestadtpresse kritisiert wird. Vor zwei Jahren ging es um den Leserkalender, der durch telefonische Auswahl der Fotos Geld in die NZ-Kasse spülen sollte. Anklicken lassen sich die beiden Texte >>>hier und >>>hier.

Wer sich einen Überblick über die Kosten solcher O137-Rufnummern verschaffen will, kann beispielsweise >>>hier klicken.


Falsche Zahlen in der Hartz-IV-Debatte? – Eine Kritik des BIAJ…

6. Dezember 2012

Seestadtpresse Bremerhaven – Insgesamt seien es mehr als eine Million Menschen gewesen, die in den vergangenen zwölf Monaten unter Sanktionen im Rahmen von Hartz IV zu leiden hatten. So interpretiert jedenfalls Paul M. Schröder vom >>>BIAJ (Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe) die offiziellen Zahlen der Agentur für Arbeit.

Laut Schröder wurde in allen möglichen Medien die sehr viel niedrigere Zahl von angeblich nur 146.000 Hartz-IV-Sanktionierten weitergeplappert, obwohl diese Zahl absolut nicht plausibel sei.

Das ist >>>an dieser Stelle auf Schröders BIAJ-Seite nachzulesen, verbunden mit der Bemerkung: „Fragt man da nicht mal nach?“

Seine Antwort: Offensichtlich sei hier Journalismus nach der Methode „Stille Post“ zu erleben. Kritische Zeitungsleserinnen und -leser wissen, dass diese Methode häufiger vorkommt, als uns lieb sein kann.