Deutsche Presse agiert als „Tatsachenkanaille“, statt als Diagnostiker den „Puls einer kranken Zeit“ zu fühlen – Karl Kraus kritisiert…


Seestadtpresse Bremerhaven – Eine Vorbemerkung: Wenn der großartige Schriftsteller Karl Kraus über Journalisten schreibt, dann tauchen Gedanken über den „schamlosen Missbrauch von Druckerschwärze“ und über eine „Symphonie der Gehirnerweichung“ auf. Karl Kraus schreibt auch von der „entfesselten Tatsachenkanaille, die durch die deutschen Lande rast, Menschenopfer fordert und mit ihrem Brüllen die Musik des Gedankens übertönt“.

Aufmerksame Leserinnen und Leser unserer Tageszeitungen können für diese bitter-bissige Kritik so manchen Beleg aufspüren. Was sich Karl Kraus wünschte, war eine „Presse, die als Arzt den Puls der kranken Zeit fühlt, anstatt als Spucknapf deren Auswurf zu übernehmen“.

Ein Hinweis: Eines der beängstigenden Beispiele für das Versagen vieler Medien in unserem Land kann mit dem Stichwort „Freihandelsabkommen“ charakterisiert werden. Diese internationalen Verträge kommen mit harmlosen Abkürzungen wie CETA, TTIP oder NAFTA daher und sorgen schon seit vielen Jahren dafür, dass die Ökonomie der Welt insbesondere im Interesse der mächtigen Großkonzerne grundlegend umgekrempelt wird.

Als sehr informativ möchte ich hier einen Beitrag im Deutschlandradio vom 21. November 2014 empfehlen. Darin wird das NAFTA-Abkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko unter die Lupe genommen, das bereits seit mehr als 20 Jahren in Kraft ist. Die Sendung kann durch den Link „http://www.deutschlandfunk.de/nafta-freihandelsabkommen-oder-blaupause-des-neoliberalen.1170.de.html?dram:article_id=299940“ angehört werden (auf dieser Seite auf „Audio abspielen“ klicken).

In der Ankündigung des Beitrags ist zu lesen: „Und so hat NAFTA Maßstäbe gesetzt. Vor allem – wie sich erst heute zeigt – wegen der ihn ihm festgeschriebenen Sonderrechte für Investoren. 20 Jahre später kann man die Folgen von NAFTA sehen. Versprochen hatten seine damaligen Befürworter Wachstum und Arbeitsplätze. Stattdessen haben Millionen Menschen in allen drei Ländern ihre Arbeit verloren oder Lohnsenkungen hinnehmen müssen. Auch die Umwelt hat gelitten. Und der Staat hat deutlich an Macht verloren. Profitiert hingegen haben in jeglicher Hinsicht transnationale Großkonzerne.“ (Hervorhebungen DK)

Auch auf diesen Seiten der Seestadtpresse sind mehrfach Anmerkungen zur Problematik des Freihandels erschienen – der Link „https://seestadtpresse.wordpress.com/?s=Freihandel“ kann hier angeklickt werden oder ist in die Adressleiste zu kopieren.

Nachtrag: Die New York Times warnt in ihrer >>>Ausgabe vom 3. Dezember 2014 unter der Überschrift „When Corporations Sue Governments“ nachdrücklich vor den Gefahren der internationalen Schiedsgerichte. Die klare Botschaft am Schluss, nachdem zahlreiche Beispiele für die Bereicherungsstrategien der großen Konzerne gegenüber den Staaten erläutert wurden: „The investor-state dispute settlement mechanism is like playing soccer on half the field. Corporations are free to sue, and nations must defend themselves at enormous cost — and the best a government can hope for is a scoreless game. As the T.T.I.P. and T.P.P. negotiations continue, Pacific Rim vs. El Salvador should remind us not to privilege foreign investors to the detriment of the national — or global — good.“

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