Nordsee-Zeitung glänzt wieder mit unternehmerfreundlicher Schlagzeile – und korrigiert die Verfälschung zaghaft in der Kommentierung…


Seestadtpresse Bremerhaven – Die Nordsee-Zeitung meint es am 9. August 2013 wieder einmal gut mit der heimischen Unternehmerschaft und ihren Nöten bei der Besetzung (gelegentlich sehr unattraktiver!) Ausbildungsplätze. Das Blatt schickt die Unternehmer-Botschaft direkt über den Aufmacher auf der Titelseite in die Welt hinaus:

R0027312Was die „Tausende von Lehrstellen“ angeht, die angeblich noch offen sind: Im Text auf Seite 1 ist von bundesweit 146.000 offenen Lehrstellen die Rede.

Was dort nicht erwähnt wird, steht viel kleiner im Kommentar auf Seite 2: Dass nämlich „gleichzeitig mehr als 200.000 junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen“.

Das bedeutet klipp und klar, dass angebotene und gesuchte Lehrstellen bundesweit nicht einmal bei den Gesamtzahlen in Übereinstimmung zu bringen sind. Aber solche Verdrehungen liebt unsere Unternehmerschaft: Sie möchten gerne als die Notleidenden erscheinen, die mit mangelhafter Versorgung zu kämpfen haben.

Korrekt, aber weniger unternehmerfreundlich hätte die Schlagzeile in der Nordsee-Zeitung also heißen müssen: „Tausende junger Leute noch auf der Suche nach Ausbildungsplätzen“ – eine Botschaft, die im Kommentar auf Seite 2 dann auch deutlich gemacht wird.

Einen Tag später (NZ 10. August 2013) rückt der Chefredakteur der Nordsee-Zeitung die Schlagzeilen-Botschaft des Vortages in ein noch schlechteres Licht: In Bremerhaven seien aktuell gerade einmal 143 Ausbildungsplätze  unbesetzt, und „gleichzeitig suchen über 500 junge Bremerhavener nach einer Lehrstelle“.

Die Botschaft dieser Zahlen sei klar, meint der NZ-Chefredakteur dazu.

Damit aber über die Unternehmerfreundlichkeit seines Blattes keine Zweifel auftauchen können, hängt er an diese „klare Botschaft“ übergangslos (und unlogisch und unkritisch) die bekannte Unternehmer-Litanei an: „Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer und viele Unternehmen klagen seit Jahren immer stärker darüber, dass sie immer weniger qualifizierte Bewerber finden.“

Auch diese Unternehmer-Litanei wurde übrigens in dem angesprochenen Kommentar in der NZ vom 9. August 2013 kritisch beleuchtet: Die Unternehmen dürften sich nicht ausruhen und hoffen, dass ihnen die gewünschten Jugendlichen auf dem Präsentierteller serviert werden: „Gewinnen werden die, die schon heute mehr in die Ausbildung investieren und auch sogenannten schwachen Jugendlichen eine Chance geben“, heißt es da vollkommen richtig.

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