Liberalismus, Freihandel, Machtpolitik und Opiumkrieg – Eine kleine historische Erinnerung…


Seestadtpresse Bremerhaven – Wenn heute über „Freihandel“ verhandelt und geredet wird, dann bleibt oftmals im Dunkeln, auf welcher Seite die Profiteure der damit verbundenen Abkommen sitzen und wer die Lasten zu tragen hat.

Daher sei hier an ein historisches Beispiel erinnert, das der Cambridge-Ökonomie-Professor Ha-Joon Chang in seinem Buch „Bad Samaritans“ (2007) anführt.

Es geht um den sogenannten „Opiumkrieg“. In Herders Konversationslexikon von 1906 heißt es dazu knapp: „Opiumkrieg, Krieg Englands mit China 1840/42; so genannt, weil die nächste Veranlassung dazu das Verbot der Opiumeinfuhr von seiten Chinas war.“

Ha-Joon Chang erläutert die Sache sehr viel präziser und kritischer: Sogar nach den Maßstäben des 19. Jahrhunderts sei dies eine besonders beschämende Episode gewesen. Als Hintergrund nennt Chang die Tatsache, dass der wachsende englische Bedarf an Tee für ein großes Handelsdefizit mit China gesorgt habe.

Um für einen Ausgleich des Handelsdefizits zu sorgen, habe England mit dem Export von Opium begonnen, das in Indien produziert und nun nach China verkauft wurde. Allerdings war zu dieser Zeit in China der Handel mit Opium verboten. Als ein chinesischer Beamter 1841 eine Opium-Lieferung beschlagnahmte, nutzte England diesen Vorgang, um das Problem für alle Zeiten zu lösen und erklärte China den Krieg.

China wurde besiegt und musste im Vertrag von Nanking Hongkong an England „verleihen“ und außerdem darauf verzichten, eigene Zölle zu erheben.

Originalton Ha-Joon Chang: „In a desperate attempt to plug the gap (of the huge trade deficit, DK), Britain started exporting opium pruduced in India to China. The mere detail that selling opium was illegal in China could not possibly be allowed to obstruct the noble cause of balancing the books.

Chang macht klar, dass hier ein „liberales“ Land einem anderen den Krieg erklärte, weil dieses den illegalen Handel mit Drogen verhindern wollte.

Das konservative Lexikon aus dem Herder-Verlag kommentiert diese moderne Orientierung Englands auf den Freihandel übrigens mit großem Verständnis: China habe das Verbot der Opiumeinfuhr erlassen, „mehr um den engl. Handel zu schädigen, als aus Sorge für das Volkswohl. Im Frieden von Nanking (29. Aug. 1842) musste China Hongkong an England abgeben u. 5 Häfen öffnen.“

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In der Weltgeschichte von Karl Schib und Joseph Boesch, Band „Von der Aufklärung bis zur Gegenwart“ (1969) ist über den Opiumkrieg folgendes nachzulesen (S.157): „Fast gleichzeitig wie Japan wurde auch China gezwungen, seine Politik der Abschließung aufzugeben. Die Initiative lag bei England, das zwischen 1840 und 1860 zwei Kriege gegen China führte…China musste schon 1842 Hongkong an Großbritannien abtreten und die Handelsbeschränkungen lockern; 1860 verpflichtete es sich, den fremden Handel, auch jenen mit Opium (Anlass zum ersten dieser Kriege!), uneingeschränkt zuzulassen, keine höheren Zölle als fünf Prozent des Wertes zu erheben und den wichtigsten abendländischen Staaten die Meistbegünstigung und die Konsulargerichtsbarkeit zuzugestehen. Damit setzte das Ringen der Großmächte um … die koloniale Durchdringung Chinas ein.“

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