Der öffentlich millionenschwer geförderte Tourismus erweist sich für Bremerhaven als ziemlich mickeriges Standbein – Aktuelle Gästebefragung liefert Hinweise, aber Nordsee-Zeitung druckt nur Presseerklärung des Magistrats nach…


Seestadtpresse Bremerhaven – Die mehrere hundert Millionen Euro schwere Förderung des Tourismus in Bremerhaven erweist sich für die Kasse der Stadt als schlechtes Geschäft. Gerade einmal zwei geschätzte Millionen Euro landeten im Jahre 2012 in Form von Steuereinnahmen bei der Stadtkämmerei. Das ist so peinlich wenig, dass die Zahl in der Pressemitteilung des Magistrats gar nicht erst erwähnt wird.

In dieser Magistrats-Pressemitteilung ist ohnehin wieder Schönfärberei angesagt, wie mein erster Blick auf die Darstellungen deutlich macht. Wer die Magistrats-Pressemitteilung lesen möchte, findet sie (bis auf ein paar Auslassungen am Schluss usw) in der Nordsee-Zeitung vom 12. Juli 2013  wortgetreu nachgedruckt. (Diese kritiklose Abschreiberei der offiziellen Magistrats-Schönfärberei wird von der Nordsee-Zeitung tatsächlich auch noch auf Seite 1 angekündigt!)

Welches Ergebnis der Gästebefragung 2012 zeigt beispielsweise nach Auffassung des Oberbürgermeisters deutlich, „dass sich die Investitionen in die touristische Struktur gelohnt haben“? Seine Antwort steht im Satz davor: „Für rund 80 Prozent der Gäste ist der Name ‚Havenwelten Bremerhaven‘ inzwischen ein fester und bekannter Begriff. Im Jahr 2008 lag diese Zahl noch bei 27 Prozent.“

Wer soviel Gewicht allein auf die Bekanntheit einer Marke legt, muss selbstverständlich im Gegenzug den aus dieser Bekanntheit resultierenden mickerigen Steuereinnahmen entsprechend weniger Gewicht beimessen.

Ein anderes Beispiel: Als Erfolg wird verbucht, dass mittlerweile 81 Prozent der Bremerhaven-Besucher Tagesgäste sind. Leider lässt sich das auch anders formulieren: Der Anteil der (kommerziell bedeutsameren) Übernachtungsgäste ist trotz der riesigen Investitionen nicht gestiegen, sondern im Gegenteil um 12 Prozent gesunken.

Ein paar weitere durchaus nicht gerade ermunternde Ergebnisse der Gästebefragung 2012: Die Bremerhaven-Besucher werden immer älter, die Gesamtzahl der Gäste ist um 2,4 Prozent gesunken, die aus dem Tourismus erwachsenden Brutto-Umsätze sind sogar um 8 Prozent geringer geworden, die Gästezufriedenheit ist erneut gesunken, und als hauptsächliche Beschäftigung der Gäste erweist sich laut Befragung das Bummeln und Einkaufen in der Stadt.

In der Präsentation der Ergebnisse ausdrücklich angemerkt wird übrigens, dass der „Geschäftsreiseverkehr“ in der Stichprobe systematisch unterrepräsentiert sei, weil diese Leute an den Standorten der Befragung normalerweise nicht auftauchen. Dadurch geraten die Befragungsergebnisse in eine interessante Schieflage, deren Ausmaß allerdings nicht beziffert wird. Ich erinnere hier an die Nordsee-Zeitung, die kürzlich den erschreckend dünnen Faden aufgedeckt hat, an dem der Bremerhavener Tourismus tatsächlich bammelt – meine Zusammenfassung ist in der >>>Seestadtpresse vom 8. April 2013 nachzulesen.

Wer einen Blick auf die Zusammenfassungen des Befragungsinstituts werfen möchte, kann hier klicken: >>>Tourismus Gästebefragung 2012.

2 Antworten zu Der öffentlich millionenschwer geförderte Tourismus erweist sich für Bremerhaven als ziemlich mickeriges Standbein – Aktuelle Gästebefragung liefert Hinweise, aber Nordsee-Zeitung druckt nur Presseerklärung des Magistrats nach…

  1. schwiebert sagt:

    >>Die mehrere hundert Millionen Euro schwere Förderung des Tourismus in Bremerhaven erweist sich für die Kasse der Stadt als schlechtes Geschäft. Gerade einmal zwei geschätzte Millionen Euro landeten im Jahre 2012 in Form von Steuereinnahmen bei der Stadtkämmerei.<<

    Das ist nicht nur peinlich wenig, dass ist Verschwendung von öffentlichen Geldern. Hätte man "mehrere hundert Millionen Euro" angelegt zu einem Zinssatz von 0,5 %, man hätte aus dem Zinsertrag Bratwürste kaufen und diese an die Touristen verkaufen können. Das hätte sich bestimmt rumgesprochen und hätte Gste in die Stadt gelockt.

  2. Pauli sagt:

    Invest. 500 Mio € x 0,5 % = 2,5 Mio € : 0,5€/Wurst sind 5 Mio Bratwürste. Donnerwetter!

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