Kritik am Bremerhavener Hafentunnel muss aufrecht erhalten werden, weil der Bau auf verfälschten Annahmen beruht…


Seestadtpresse Bremerhaven – Das Bremerhavener Millionenprojekt namens Hafentunnel lebt weiterhin von Beschwörungen einer angeblichen Notwendigkeit und vom dreisten Schaffen von Tatsachen vor einer juristisch sauberen Grundlegung. Das gilt auch, wenn Oberbürgermeister Melf Grantz sich in seiner weit ausschweifenden Rede während des Neujahrsempfangs in der Stadthalle demonstrativ auf den ersten Spatenstich freut.

Zwar machen auch die Grünen in einer Presseerklärung vom 10. Januar 2013 deutlich, dass sie für das Vorgehen des Magistrats einen reichlich wackeligen Grund sehen. Allerdings bleibt diese Kritik insgesamt sehr zaghaft. Sie erweckt mehr den Anschein, als wollten sich die Grünen beim späteren Auftauchen von Problemen die Möglichkeit offenhalten, auf ihre „rechtzeitigen Warnungen“ zu verweisen.

Hier die Presseerklärung im grammatisch etwas holprigen Weichzeichnerformat:

„Die Stadtverordnetenfraktion steht zu ihrer Zustimmung zum Bau des Hafentunnels unter der Cherbourger Straße, wie es in den Koalitionsverhandlungen vereinbart wurde.

>Wir erwarten allerdings, dass nicht versucht wird z.B. durch sofortige Fällung von Bäumen Tatsachen zu schaffen, bevor der Flächennutzungsplan geändert wurde<, so der umweltpolitische Sprecher Dr. Ulf Eversberg.

>Wir erwarten auch, dass erst der Planfeststellungsbeschluss – auch wenn er juristisch sofort vollziehbar ist – rechtsbeständig sein muss. Das bedeutet für uns, dass möglichen juristischen Eilverfahren, die durch die Bürgerinnen und Bürger angestrengt werden, vor dem Baubeginn abschließend durch das Oberverwaltungsgericht beschieden sein müssen<.

>Auch wenn wir den grundsätzlichen Beschluss zum Bau des Tunnels nicht in Frage stellen, so muss doch bei solch einem immensen, die Stadt auf viele Jahre belastenden Bauprojekt mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der Tunnel auch erforderlich ist<, so Dr. Eversberg abschließend.

Nur zwei Anmerkungen:

– Die Grünen monieren, „z.B. durch sofortige Fällung von Bäumen Tatsachen zu schaffen“. Das ist geradezu niedlich ausgedrückt, weil dabei die mehrmals vollzogenen Abrisse von Häusern und das völlige Plattmachen nicht nur einer Grünfläche hinter dem „z.B“ zum Verschwinden gebracht werden.

– Zwar verlangen die Grünen, „dass der Tunnel auch erforderlich ist“. Aber wo ist der Nachdruck beim Einfordern einer klaren und eindeutigen Zahlenbasis für diese bisher stets nur behauptete „Erforderlichkeit“? Wann werden endlich die Ergebnisse der Verkehrszählung veröffentlicht?

Um angesichts der finanziellen Folgen für die Bevölkerung meine Bedenken gegenüber dem millionenschweren Agieren unserer Magistrats-Oberen zu illustrieren, variiere ich ein Zitat aus David Mitchells Buch „Der Wolkenatlas“: „Die Leute (im Magistrat – DK) glauben die Welt is so un so gemacht, un wenn du ihnn sagst (oder: wenn sich zeigt – DK) dasses nich so is, stürzt ihnen ihr Dach aufn Kopf un du stehst vielleicht mit drunter.“

Zusatz 11. Januar 2013: Die Nordsee-Zeitung verschweigt die Pressemitteilung der Grünen zum Hafentunnel in ihrer heutigen Ausgabe vollständig. Als erheblich bedeutsamer werden beispielsweise folgende Themen eingestuft: „Fahrer gerät ins Schleudern“, „Ein Vogel auf Wohnungssuche“, „‚Liebesschlösser entfernt“, „Täter auf frischer Tat ertappt“, „Extra-Führung für Senioren“, „Grünkohl und Pinkel für den guten Zweck“, „Kaninchen im Altersheim“ und so weiter.

Da merkt der Mensch auf den ersten Blick: So sieht verlässlicher Lokaljournalismus hoher Qualität aus. Die Leserinnen und Leser werden stets über das informiert, was für ihr Leben tatsächlich Bedeutung hat.

7 Antworten zu Kritik am Bremerhavener Hafentunnel muss aufrecht erhalten werden, weil der Bau auf verfälschten Annahmen beruht…

  1. Klaus Görke sagt:

    …so geht das ! Das Unnütze ist das Rentable.
    Bahnhof Stuttgart, Flughafen Berlin, Hafen-Oper Hamburg,
    U-Bahn München, Nürburgring Rhl. Pfalz, – und angemessen kleiner, – der Hafentunnel.! Es wird so kommen.
    Klaus Görke

  2. S sagt:

    Ueber die Tageszeitung in Bremerhaven braucht man nicht mehr zu diskutieren. Sie wird kaum noch wahrgenommen.

  3. grünneindanke sagt:

    Wenn die NordseeZeitung, wie Sie sagen, kaum noch wahrgenommen wird, frage ich mich, warum immer noch so viele Leute, meine Verwandtschaft eingeschlossen, das glaubt, was da drin steht.
    Was glauben Sie, warum es hier in Bremerhaven so ist, wie es ist.

  4. Heinz Wöhlbrand sagt:

    Gut, dass es diese Seestadtpresse online gibt. Ich empfehle jedem, das Buch „Die verblödete Republik“ von Thomas Wieczorek aus dem Knaur-Verlag zu lesen. Untertitel: Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen. Nach erfolgter Lektüre wundert man sich z.B. bei der Nordsee-Zeitung oder dem Sonntagsjournal über gar nichts mehr.
    Bei all den riesigen Bauvorhaben in Deutschland dürfte doch klar sein, dass sich die Lobbyisten der Bauwirtschaft die Politik gekauft haben, oder?

  5. Al sagt:

    @grünneindanke

    Die ueberwaeltigende Mehrheit der Bremerhavener lesen eben nicht diese Zeitung. Was glauben Sie, warum das so ist?

    Die Geschaeftsfuehrung der Nordsee-Zeitung hat sich selbst einen Knieschuss verpasst. Das gilt besonders fuer den Onlineauftritt, wo Potentiale nicht ausgeschoepft werden.

    Die letzten die sich von der Berichterstattung beeinflussen lassen, sind vor dem Aussterben bedroht. Wenn von hundert nur fuenf den Quatsch in der NZ lesen und als Argumentationsbasis nutzen, kann man nicht davon spechen, dass diese Zeitung von den Bremerhavenern wahrgenommen wird.

    Diese Tageszeitung fuer Bremerhaven ist so gut wie Geschichte. Ich weine ihr nicht hinterher.

  6. @Al

    Tut mir Leid, ich verstehe gerade nicht, was Sie mir sagen wollen.

    Ich weiß nicht, ob Sie es schon gehört haben, es soll Tastaturen geben, auf denen man ä, ö und ü eingeben kann.

  7. Eris sagt:

    Der einzige Grund, warum die SPD für den Tunnelbau ist, dass durch die Bauaufsicht durch die BIS sich die BIS aus Landes und Bundesmitteln refinanzieren kann. Genau der gleiche Grund ist auch der Hintergrund der Fusion der Gesellschaften.

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