Der Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) als kleines Lehrstück über regionale Medien…


Seestadtpresse Bremerhaven – Am vergangenen Montag (17. September 2012) fand das Sommerfest der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven statt. Auch der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen dabei und machte einige Bemerkungen über den OTB: Eine private Finanzierung sei offensichtlich sehr schwierig, aber dies bedeute nicht, dass der OTB nicht gebaut werde…

In der Runde der Sommerfest-Gäste murmelte neben mir ein Kommunalpolitiker: „Na endlich, das wurde aber auch Zeit! Und was hat Böhrnsen vorher auf Zeit gespielt, um das zu verhindern!“ Und von einem anderen Gesprächspartner kam die Bemerkung: „War das nicht eine Unverschämtheit? Das ist doch geradezu eine Einladung an die Privaten, sich auf staatliches Geld zu verlassen.“

Wäre ein Vertreter der Nordsee-Zeitung (NZ) an diesem Abend anwesend gewesen, dann hätte die Wende der Bremer Politik in puncto OTB bereits am Dienstag (18. September 2012) in der Zeitung stehen können.

Ich habe niemanden von der NZ entdeckt, obwohl ich die meisten nicht mehr kenne. Aber auch Nachfragen vor Ort ergaben nur Kopfschütteln. Und in der NZ war folglich am nächsten Tag nichts zu entdecken.

Erst am Mittwoch (19. September 2012) kam Radio Bremen mit der OTB-Neuigkeit. Allerdings schöpfte der Sender aus einer anderen Quelle, denn mittlerweile hatte Wirtschaftssenator Martin Günthner auf der Messe Husum-Wind eine entsprechende Botschaft ausgesandt.

Einen Tag später (20. September 2012) berichtete sowohl der Weser-Kurier (WK) als auch die Nordsee-Zeitung über die Neuigkeit.

„Suche nach privatem Investor gescheitert“, lautet die Schlagzeile im WK-Wirtschaftsteil. Dort wurde solide über die Zusammenhänge und Hintergründe berichtet. In einem Kommentar auf Seite 2 setzte sich Annermarie Strußß-von Poellnitz abwägend und kritisch mit dem Geschehen auseinander. Überschrift: „Riskante Entscheidung“.

Ein kurzer Überblick über die Argumentation: Es herrschte noch Goldgräberstimmung in der Branche, als im Herbst 2010 die ersten Pläne für einen OTB auftauchten. Allerdings zeigte sich schnell, dass nur zwei Interessenten für die Investition von 200 Millionen Euro übrig blieben.

„Vielleicht haben sie von vornherein darauf gesetzt, dass Bremen einsteigt, denn die Politik wollte den OTB – unbedingt“, schreibt die WK-Kommenatorin. Aber da liege ein Problem, denn angesichts der Haushaltslage sei es „schwer vorstellbar“, dass Bremen noch einmal einen kompletten Hafen baut und ihn später an private Betreiber vermietet.

Die Folgerung: „Nach den Kriterien der Marktwirtschaft rechnet sich das Projekt nicht.“ Und Annemarie Struß-von Poellnitz warnt leise: Die Offshore-Branche sei „schon jetzt stark globalisiert und nicht an einen Standort gebunden“. Daher müsse mit bedacht werden, dass Konzerne ihren Standort schnell wechseln, während „der OTB bleibt“.

Und was macht die Nordsee-Zeitung am 20. September 2012 aus der OTB-Frage?

Sie überlässt dem hauseigenen Haudruff wieder einmal das Feld, um eine seiner platten Trommeleien für private Interessenten loszulassen. Aber solche provinziellen Trommeleien werden mittlerweile von so manchem in der Stadt nur noch kopfschüttelnd belächelt und müssen hier nicht weiter zusammengefasst werden.

Ergänzung 20. September 2012 – aus einer Pressemitteilung der FDP: „Bremen darf nicht an den bisherigen Planungen festhalten. Wenn sich kein Investor findet, der bereit ist, das wirtschaftliche Risiko zu tragen, hat dies gute Gründe. Das Land kann sich nicht noch ein Großprojekt leisten, welches den Haushalt erheblich belastet. Der bisher gewählte Standort ist aus nautischen Gründen falsch und der Senat hat ohne Not den Flugplatz Luneort kaputt gemacht. Rot-Grün muss sich von seinen Illusionen lösen und der Realität stellen.“

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