Hungerstreik ist nicht gleich Hungerstreik – Aufmerksamkeit deutscher Medien sehr ungleich verteilt…


Seestadtpresse Bremerhaven – Wer am 15. Mai 2012 (8.15 Uhr) bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das >>>Suchwort „Hungerstreik“ eingab, fand einen Hinweis auf einen Hungerstreikenden in Lappland und zahlreiche Erwähnungen einer umstrittenen ukrainischen Politikerin.

Palästina war dort aktuell nicht zu finden, obwohl andere Zeitungen über den „größten Hungerstreik in der Geschichte des Nahost-Konflikts“ (so der Spiegel) mit mindestens 1600 Hungerstreikenden (andere Quellen nennen 2500) berichteten.

„Die Streikenden protestierten gegen ihre Haftbedingungen: gegen die Isolationshaft, gegen die Einschränkung von Familienbesuchen. Und gegen Israels Politik, Palästinenser unter Terrorverdacht in der sogenannten Verwaltungshaft ohne Anklage auf unbestimmte Dauer festzuhalten“ – diese Zusammenfassung über die Ursachen nennt der >>Spiegel am 14. Mai 2012. Auch die >>>Süddeutsche Zeitung berichtete unter demselben Datum, wenn auch knapper als der Spiegel.

Nur in Zeitungen wie der Berliner „jungen Welt“ werden Hinweise wie der folgende überhaupt erwähnt (>>>Ausgabe vom 15. Mai 2012): „Unterdessen haben Nichtregierungsorganisationen der israelischen Regierung vorgeworfen, Dutzende mit EU-Geldern finanzierte palästinensische Häuser, Brunnen und landwirtschaftliche Einrichtungen zerstört zu haben. 110 weitere Strukturen seien bedroht, heißt es in einer von mehreren lokalen und internationalen NGO unter Leitung des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Montag veröffentlichten gemeinsamen Untersuchung. Insgesamt wurden demnach 2011 im Westjordanland 620 Strukturen zerstört. Die israelische Armee verteidigte das Vorgehen. Man sei aufgrund fehlender Baugenehmigungen zu den Maßnahmen gezwungen gewesen.“ (Hervorhebung DK)

Ich schlage vor, einmal darauf zu achten, wie dieser seit Wochen laufende „größte Hungerstreik in der Geschichte des Nahost-Konflikts“ (!) in der Berichterstattung der Lokalzeitungen wie der Nordsee-Zeitung behandelt wurde. Vielleicht bietet sich auch ein Vergleich mit der Berichterstattung über den eigenartigen Hungerstreik der umstrittenen ukrainischen Politikerin an.

Ein höchst informativer und erstaunlich kritischer Beitrag über die Situation von Journalisten in Palästina und Israel war >>>am 15. Mai 2012 im Deutschlandfunk zu hören. Titel: „Ein- und ausgemauert. Vom täglichen Kampf der Journalisten in Israel und Palästina“ von Dominik Bretsch. Eine Dreiviertelstunde aufregende Aufklärung – sehr empfehlenswert.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: