Designlabor Bremerhaven auf beschämende Weise abgewickelt – Kommunalpolitik beobachtet das Ganze erstaunlich sprachlos…


Seestadtpresse Bremerhaven – Die fast geräuschlose Abwicklung des bis zum Schluss stets hoch gelobten Designlabors ist ein Trauerspiel sondergleichen.

Jetzt legt sich überraschend noch einmal die Bremerhavener CDU für das Designlabor ins Zeug. Auch die Nordsee-Zeitung berichtete am 17. Januar 2012 darüber.

Ich skizziere die verdrehte Lage hier einmal, wie sie sich im Augenblick in meinem Kopf darstellt und hoffe auf Ergänzungen und Korrekturen.

Also: Da ist als wichtiger Akteur ein BIS-Chef-Ingenieur, der für die Designlabor-Kreativwirtschaftsaktivitäten keine besonders große Begeisterung aufbringen kann. Außerdem muss er um jeden Cent kämpfen, der seine mit hohen Kosten und geringen Einnahmen belastete BIS einigermaßen über Wasser halten kann.

Wenn solch ein Anführer die Chance hat, jährlich 250.000 Euro für seine BIS einzustecken, die zuvor ins Designlabor geflossen sind, dürfte er froh sein.

Der Bremer Senat hat diese Lage der BIS trickreich ausgenutzt, indem er das bisher aus Bremen finanzierte Designlabor unter die Fittiche eben dieser BIS zu schieben anbot. Die Reaktion war absehbar.

Die Bremerhavener Kommunalpolitiker hatten das Designlabor zwar stets unisono als kleines Bremerhavener Aushängeschild gelobt, aber der Sparzwang, der Sparzwang… Außerdem kann man eben nicht alles haben und so weiter. Damit sollte die Position der mehr oder weniger gestaltenden SPD mit ihrem grünen Anhang einigermaßen beschrieben sein.

Die CDU hat sich jetzt noch einmal zu einem Zwischenruf aufgerafft – ziemlich spät, wie anzumerken ist. Schließlich hat die >>>Nordsee-Zeitung nicht nur einmal über die skandalöse Abwicklung berichtet – auch wenn sich dort der journalistische Furor in Grenzen hielt. Vielleicht war die Energie zuvor schon etwas leichtfertig für eingängigere Kampagnen verpulvert worden.

Jetzt muss zwar für das schön hergerichtete Designlabor-Gebäude erst einmal noch Miete vom Senat gezahlt werden, aber die Stäwog wird schon kooperieren, zumal Mieter für die Räume in spektakulärer Lage nicht schwer zu finden sein dürften.

Etwas irritierend ist der bremische Gedanke, das bewährte Designlabor-Stipendiatenmodell zwar in Bremerhaven aufzugeben, aber in Bremen noch kostengünstiger als Dienstleistung für die Kreativwirtschaft fortzuführen.

Das Designlabor Bremerhaven sei etwas unglücklich zwischen die Stühle geraten, formulierte ein Senatssprecher kürzlich einmal. Politische Eiereien lassen sich immer auf sehr unterschiedliche Weisen banalfärben…

6 Antworten zu Designlabor Bremerhaven auf beschämende Weise abgewickelt – Kommunalpolitik beobachtet das Ganze erstaunlich sprachlos…

  1. Klaus Görke sagt:

    … und was sagen die verantwortlichen Damen und Herren des Labors zu der ganzen Geschichte ???
    Sind sie froh nach Bremen zu kommen?
    Sagen sie lieber nichts, weil möglich Folgen nicht überschaubar sind ?
    Klaus Görke

  2. Joachim Dubrow sagt:

    Gleich am Anfang: Das Designlabor ist in Bremen sicherlich besser aufgehoben als in Bremerhaven. Der spießige Mief der Bremerhavener Kommunalpolitik hat sich schon in den letzten drei Jahren nicht zu einem klaren „Ja“ zu dieser Einrichtung bekennen können. Dies gilt auch für die CDU, deren Krokodilstränen sich daher aus ihrem neuen Status als Oppositionspartei erklären.

  3. Conny Wischhusen sagt:

    Von den Havenwelten in die Weserwelten. Was macht der kleine Unterschied schon…..

  4. Exilant sagt:

    Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen. Günthner hatte nur kein Geld mehr mehrere Projekte am Leben zu haben, weil die EU eine richtlinie Erlassen hat, dass Kulturprojekte und Kreativwirtschaft jetzt aus einem Topf finanziert werden müssen. Dadurch soll doppelte Subventionierung verhindern…

    Aber wer seinen Laden zu 100% auf Fremdgelder aufbaut, darf sich nicht wundern, wenn das irgendwann auffliegt und schiefgeht.

  5. Zolkowski sagt:

    Interessanter Hinweis auf eine EU-Richtlinie zur gemeinsamen Förderung von Kulturprojekten und Kreativwirtschaft als einem möglichen Hintergrund für das Designlabor-Ende.

    Aber das lässt noch so manche Frage offen, zum Beispiel: Wo gibt es in der Wirtschaftsförderung einen „Laden“, der nicht „zu 100 % auf Fremdgelder aufgebaut“ ist? Nach dieser Logik müssten noch ganz andere dieser Einrichtungen auf die Abschussliste kommen.

    Und warum mache ich „aus einer Mücke ein Elefant“, wenn ich bedauere, dass über die tatsächlichen Hintergründe der (offensichtlich schon lange vor der EU-Richtlinie) geplanten (und dann auf einen Zeitpunkt nach der Wahl verschobenen) Abwicklung des Designlabors nicht offen und ehrlich diskutiert wurde?

    • Exilant sagt:

      Weil das quasi dem gesamten Kreativwirtschaftssektor einen griechischen Haircut verpassen würde, ähnlich den 1-Euro Jobs.

      Wer da wohl ein Interesse hat, dass das nicht passiert.😉

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