Murat Kurnaz berichtet in der New York Times über seine Guantánamo-Erfahrungen…


Seestadtpresse Bremerhaven – Der jahrelang im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo inhaftierte deutsche Staatsbürger Murat Kurnaz bekam jetzt die Gelegenheit, zumindest in Kurzform über einige seiner Erlebnisse in der >>>New York Times Sunday Review (Datum 7. Januar 2012) zu berichten.

Es sind Kleinigkeiten, die den Text interessant machen – selbstverständlich steht  der große Skandal des völlig willkürlichen Einsammelns irgendwelcher Verdächtiger durch die USA mit Hilfe von Prämienzahlungen weiterhin an erster Stelle.

So berichtet Murat Kurnaz, wie er noch auf dem Rückflug zu seiner Freilassung in Deutschland in unwürdiger Haltung im Flugzeug gefesselt und durch etwa zehn US-Soldaten bewacht wurde. Als die Amerikaner bei der Übergabe anboten, Kurnaz neue Fesseln anzulegen, widersprach der deutsche Offizier mit Nachdruck: „Er hat kein Verbrechen begangen; hier ist er ein freier Mann.“

Murat Kurnaz kommentiert diese Szene mit Erstaunen: „Merkwürdig, dachte ich, als ich auf der Rollbahn stand und beobachtete, wie die Deutschen den Amerikanern eine Grundlektion über Rechtsstaatlichkeit beibrachten.“ („Strange, I thought, as I stood on the tarmac watching the Germans teach the Americans a basic lesson about the rule of law.“)

Der unrechtmäßig Inhaftierte berichtet über Folterungen und willkürliche Bestrafungen aus nichtigen Anlässen. Einmal habe er Leguane am Zaun mit Brot gefüttert und wurde dafür mit 30 Tagen in Isolation und Dunkelheit bestraft. („I started hiding a piece of bread from my meals and feeding the iguanas that came to the fence. When officials discovered this, I was punished with 30 days in isolation and darkness.“)

In seiner Schlussbemerkung fragt Murat Kurnaz, wie es möglich ist, dass eine demokratische Regierung Menschen unter unerträglichen Bedingungen und ohne ein faires Verfahren einsperren kann. („Still, it is hard not to think about my time at Guantánamo and to wonder how it is possible that a democratic government can detain people in intolerable conditions and without a fair trial.“)

Diese Frage steht weiter im Raum, zumal der US-Präsident Barack Obama im völligen Gegensatz zu seinen früheren Versprechungen die Existenz des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba für die Zukunft noch einmal ausdrücklich abgesichert hat. Ein Bericht von Spiegel Online >>>kann hier angeklickt werden.

Hinweis: Vor mehr als sechs Jahren (am 5. Juni 2005) berichtete die New York Times schon einmal über den Fall Murat Kurnaz. Überschrift: „One Muslim’s Odyssey to Guantánamo.“

Eine Antwort zu Murat Kurnaz berichtet in der New York Times über seine Guantánamo-Erfahrungen…

  1. christian peters sagt:

    Die willkürliche und weltweit stattfindenden Entführungen von Menschen durch die USA (oder Handlangern) kann stattfinden, weil es auf der Welt kein demokratisches System gibt. Alle Staaten, die sich in der Öffentlichkeit als „demokratisch“ bezeichnen, verstoßen und verstießen zu jeder Zeit gegen die demokratische Regeln. Somit ist das Etikett „Demokratie“ nur ein Werbespruch wie auf der Milchschnitte (Extraportion Milch). Für den Erhalt von Einfluss, Macht oder des persönlichen Lebensstils wird von den Machthabern der „Demokratien“ gegen die demokratischen Werte verstoßen. Das „Demokratie“-Geschwafel unserer Politik und medialen Welt dient nur dazu, uns einzulullen, und um kritische Fragen der Nicht-Machthaber zu vermeiden.

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