Skurriler Artikel im Sonntagsjournal über die Bremerhavener „Weiberwirtschaft“ – Bekannter Ober-Stadt-Anwalt auf irritierenden Abwegen…


Seestadtpresse Bremerhaven – Soweit musste es zum Start des angeblich neuen Jahres kommen: Da möchte sich ein Ober-Stadt-Anwalt offensichtlich mit Glanz bekleckern, kommt mit seinen Ergüssen einige Jahrzehnte zu spät und verwechselt die Berichterstattung der Nordsee-Zeitung mit der Realität.

Nur weil die Nordsee-Zeitung lauthalsiger über Ina Müllers Auftritt berichtet als über Michael Teisers Äußerungen zur Haushaltslage, meint der Autor allen Ernstes, Müller habe Teiser die „Show“ gestohlen (früher wurde einem Menschen übrigens die „Schau“ gestohlen, aber wer zeitgeistig daher quasseln will, kann sich nicht alle Wörter aussuchen).

Da hat ja wohl bestenfalls die NZ-Redaktion dem Teiser die „Show“ gestohlen, aber überraschend ist das nun wirklich nicht: Wer den Boulevard und das Show-Business zum redaktionellen Leitfaden macht, rückt eine musikalisch glänzende Plapper-Show in der Stadthalle eben stärker ins Licht als eine sachliche Meldung aus der Kommunalpolitik. Bewiesen wird dadurch nichts anderes als genau dies.

Mit dem Hinweis, er finde es bedauerlich, dass Müller „mit ihrem volkstümlichen Charme“ nicht die Bremerhavener Oberbürgermeisterin sei, glitscht der Experte für „Weiberwirtschaft“ (O-Ton!) zum amtierenden Oberbürgermeister, dem er Allüren eines Renaissancefürsten (!) vorhält.

Allüren von Renaissancefürsten sind mir nicht nur bei zahlreichen anderen Männern, sondern auch bei so manchen Frauen in Führungspositionen bekannt geworden.

An der positiven Beschreibung Bremerhavens als einer „Stadt der Frauen“ gibt es selbstverständlich gar nichts zu deuteln oder gar zu mäkeln.

Aber warum versucht sich jemand mit jahrzentelanger Verspätung zu profilieren, indem er den „testosterongeschwängerten Akteuren“ ordentlich eins auf die Birne gibt? Sollte das ein Akt emotionaler Selbstreinigung sein? Werden da neue berufliche Betätigungsfelder erschlossen? Oder was steckt sonst dahinter?

Würde ein harter Macho über Frauen-Power schwärmen, wäre dies lächerlich. Wenn der bisher nicht als Feminist bekannt gewordene Ober-Stadt-Anwalt sich mit einer merkwürdigen Lobhudelei über die geschlechtliche Verteilung von Geschäftsführerposten zu Wort meldet, sollte dies zumindest leise Irritationen wecken.

Interessant ist, dass es im Text an sexistischen Anspielungen der alten Macho-Art keinesweges fehlt: Wenn der Autor etwa schmunzelnd formuliert, dass Hillary Clinton dem syrischen Präsidenten „seine Pipeline einweiht“, dann ist das fatal nahe an der Formulierung, dass eine Frau ihrem Mann die Stange hält.

Und die Schlussbemerkung im Sonntagsjournal über die weiblichen Dusselköppe, die nicht mal das Abflussrohr des Waschbeckens von (ihren eigenen) langen (!!) Haaren reinigen können, weil nur Männer Rohrzangen packen können – nun ja, die darin angeblich steckende Komik ist den „testosterongeschwängerten Akteuren“ im Weltgeschehen sicherlich leichter zugänglich als den weiblichen Akteuren.

2 Antworten zu Skurriler Artikel im Sonntagsjournal über die Bremerhavener „Weiberwirtschaft“ – Bekannter Ober-Stadt-Anwalt auf irritierenden Abwegen…

  1. Zolkowski sagt:

    Satire geht anders…

    Der Künstler Michael Wolff schrieb mir einen Brief zum SJ-Artikel von Manfred Ernst, bevor er meinen Text gelesen hatte. Hier ein paar Auszüge, die auf seinen Wunsch mitgeteilt werden:
    „Hab nochmal über Dr. Manfred Ernst und seinen SJ-Artikel vom 1.1.12 gegrübelt: Also, schnelle Lacher der Damenwelt waren ihm damit garantiert… Nun ja, gut + schön soweit. Das sei ihm gegönnt…

    Ohne Zweifel ist es grauenhaft, was für Pfeifen und Despoten in der Männerpolitik buten & binnen mitmischen. Es wird Zeit für charismatische Köpfe und Käuze… Auch ich ertrage diese Kotzbrocken nicht mehr, fast alle Pranger sind schon lange vollbesetzt. Und das Gefluche + Geblödele über diese Typen langweilt einen langsam. Da muß Dr. Ernst nicht auch noch damit anfangen. Satire geht anders. Soll er doch weiterhin so emsig sein seriöses Feld bestellen – das kann er doch mit größter Vortrefflichkeit! – Aber Ina Müller als Trumpf gegen den „Nobody’s darling“ Teiser anzuführen – wen soll das denn beeindrucken?…“

  2. Jochen Hertrampf sagt:

    ich finde deinen Kommentar auch sehr treffend und hatte mir auch schon einen Leserbrief überlegt gehabt aber… wie so die Trägheit ist…. dieses larmoyante mit der Frauenfrage auf angeblich witzige Weise umzugehen hatte ich schon bei meinem Vater des öfteren erlebt. Nun hat sich auch ein ansonsten für seine Eloquenz geschätzter Herr Ernst auch in diese Niederungen des „ach so intelligenten Witzes“ hineinbegeben – schade drum….und schade auch für das doch wichtige Anliegen, das er hat und hatte( oder war das kein richtiges Anliegen??

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