„Wutbürger“ und „Empörte“ passen nicht unter den gleichen Stempel – Die beiden Bewegungen haben unterschiedliche Wurzeln…


Seestadtpresse Bremerhaven – Seit Stéphane Hessel seinen Appell „Empört Euch!“ veröffentlicht hat, wird über diese sozialen Bewegungen unter dem Stichwort „Empörung“ oder „Empörte“ berichtet. Auf Spanisch heißen sie bis heute „indignados“, auf Französisch „indignés“.

Auch in der deutschen Presse läuft die Berichterstattung in weiten Bereichen unter dem Stichwort „Empörung“. Allerdings taucht immer häufiger die Vermischung mit der Bewegung der sogenannten „Wutbürger“ auf, die mit den Thilo Sarrazins und Henryk Broders verbunden sind und die sich in den „Bürgern in Wut“ auch eine politische Plattform geschaffen haben.

Ich halte diesen gemeinsamen Stempel für beide Bewegungen für falsch.

Schon ein Blick auf die sprachgeschichtlichen Wurzeln kann das illustrieren.

Der >>>Begriff „Wut“ bezeichnet einen rasenden Menschen, der von Sinnen ist.

Der >>>Begriff „Empörung“ beschreibt Menschen, die sich erheben und sich gegen etwas auflehnen.

Die Bezeichnungen Wut und Empörung sollten folglich voneinander unterschieden werden. Dasselbe gilt für die politischen Bewegungen, die sich in jüngster Zeit unter diesen beiden Begriffen entwickelt haben.

Ich vermute, das Vermuddeln der Begriffe hängt damit zusammen, dass unseren konservativen Schreiberlingen jede Art von Aufruhr und Widerstand gleichermaßen verdächtig ist, egal aus welchen gedanklichen Quellen sich die jeweiligen politischen Aktivitäten speisen.

Meine Empfehlung an alle kritischen Leute: Das Wort „Wutbürger“ sollte als gemeinsamer Stempel für beide Bewegungen nicht verwendet werden. Geschieht das trotzdem, sollte Protest gegen das Vermuddeln der Begriffe eingelegt werden.

2 Antworten zu „Wutbürger“ und „Empörte“ passen nicht unter den gleichen Stempel – Die beiden Bewegungen haben unterschiedliche Wurzeln…

  1. samantha sagt:

    Empörung beschreibt einen Ausdruck von stark empfundener Entwürdigung, Entrüstung und man kann auch wütend sein ohne den Verstand zu verlieren

    Lieben Gruß
    Samantha

  2. Zolkowski sagt:

    Der Aussage von Samantha stimme ich zu, weil ich den Unterschied zwischen den beiden Bewegungen nicht aus der Sprachgeschichte ableite, sondern aus den unterschiedlichen sozialen Wurzeln. Die Wortgeschichte erwähne ich nur, weil sie einen Hinweis darauf liefert, dass es Unterschiede zwischen beiden Wörtern gibt.

    Die Unterschiede zwischen beiden Bewegungen zeigen sich meiner Ansicht nach an folgendem Beispiel sehr deutlich: Sehr viele „Wutbürger“ lehnen Migranten und Muslime wütend ab, während die „Empörten“ an diesem Punkt nicht einmal ein Problem sehen – im Gegenteil.

    Trotzdem versuchen manche Kommentatoren, die Muslim-Hasser und die Kritiker des wild gewordenen Finanzkapitalismus in denselben Topf der „Wutbürger“ zu stecken, und das verfälscht das gegenwärtige Geschehen.

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