Griechenland-Gequassel in der neoliberalen Mainstream-Presse – und eine harsche Kritik daran in der Londonder „Financial Times“…


Seestadtpresse Bremerhaven – Wer das Gequassel über „faule Griechen an sich“ und ihre Maßlosigkeiten nicht mehr ertragen kann, findet überraschenderweise in der Londoner Financial Times vom 8. November 2011 einen erhellenden Beitrag.  Die wahre griechische Tragödie, das seien ihre raublustigen Oligarchen („the real Greek tragedy – its rapacious oligarchs“), erläutert Misha Glenny.

Der britische Journalist und Mafia-Experte Glenny sieht die wahre Bedrohung für Griechenlands Stabilität im Netzwerk der griechischen Oligarchen-Familien, die große Teile der Geschäftswelt einschließlich des Finanzsektors und der Medien kontrolliere – und auch die Politiker.

Genau dieses Oligarchen-Geflecht sei auch der Profiteur der von der EU und dem Währungsfonds aufgezwungenen Privatisierungspolitik. Denn es bestehe die gute Aussicht, das staatliche Eigentum höchst günstig zu erwerben, teilweise zu einem Fünftel des tatsächlichen Werts. Für den Staat sei dies ein klägliches Geschäft, aber für die Käufer in den kommenden Jahren eine wahre Goldgrube.

Und genau dieses Oligarchen-Geflecht sei auch für die weit verbreitete Korruption im Land verantwortlich, betont Glenny und weist ausdrücklich auf deutsche Unternehmen wie Siemens hin, die durch Bestechungen riesige Geschäfte gemacht hätten, die letzten Endes von den griechischen Normalbürgern zu tragen seien – den griechischen Normalbürgern, die relativ wenig verdienen, aber anders als die Superreichen sehr wohl ihre Steuern bezahlen.

Erst wenn diese Plünderung der griechischen Wirtschaft durch die reichsten und mächtigsten Bürger („the pillaging of the Greek economy by its wealthiest and most powerful citizens“) beendet werde, könne Griechenland gerettet werden.

Nach Einschätzung Glennys ist Papandreou übrigens derjenige Politiker, der von den Oligarchien am wenigsten leicht zurechtzubiegen war. Seine Beseitigung macht nun den Weg zur Durchsetzung ihrer Interessen frei.

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