Stadttheater Bremerhaven: Ein nicht ganz harmonischer Dreiklang aus wunderbarer „Fairy Queen“, spannendem „Faust“ und quälendem „Goldenen Drachen“…


Seestadtpresse Bremerhaven – Ein Wochenende voller Theater – manchmal gibt es sowas. Für mich liegt der Reiz darin, Schlag auf Schlag sehr Unterschiedliches zu erleben.

Dieses Mal stand das Stadttheater Bremerhaven mit einer interessanten Mischung im Mittelpunkt des Geschehens: The Fairy Queen, Faust und Der Goldene Drache. Da ich mich als Theaterfremdling betrachte und professionelle Kritiken (meistens zu Recht) mit Misstrauen betrachte, erhebe ich ausdrücklich keinen Anspruch auf ein besonderes Gewicht meiner Meinung.

The Fairy Queen am Freitag (4. November 2011) brachte mir einen wunderbar entspannenden Theaterabend mit schönen Bildern, betörender Musik und einem Bühnengeschehen, das auch inhaltlich bei älteren und (hoffentlich) insbesondere bei jüngeren Menschen zum vergnüglichen Sinnieren anregte. Sehr schön übrigens das Schlussbild mit dem bunten Theaterkarren in einer immer eisiger werdenden Welt.

Faust am Sonnabend (5. November 2011) sorgte bei mir für intellektuelle Hochspannung und für großes Vergnügen beim Erleben des Bühnenspiels mit dem Faust-Stoff. Dass Traditionalisten unter den Besuchern erkennbar enttäuscht wurden, nehme ich als Bestätigung für die Richtigkeit dieses Konzepts. Verwirrung ist sehr oft belebender als Bestätigung. Selbst Zorn kann einen schließlich gedanklich auf interessante Pfade führen, wenn der Stoff danach ist.

Die Anmerkung des Intendanten während der Premierenfeier, das Team (und insbesondere Thomas Oliver Niehaus) habe sich mit dem Goethe-Stoff „gequält“, bestätigte mir mein Gefühl, dass es um ein wirklich ernsthaftes (und kein modisch-beliebiges) Ausloten des Stoffs aus der Gegenwartsperspektive ging. Das sprachliche und körperliche Agieren der Schauspielerinnen und Schauspieler mit der Mischung aus Zurückhaltung und Präzision war mir ein großes Vergnügen.

Wenig vergnüglich und geradezu quälend langweilig erlebte ich den dritten Abend am Sonntag (6. November 2011). Der Goldene Drache ist inhaltlich zusammengebastelter Kram, der sich um einen menschenfreundlichen Gedanken herum rankt, aber nur reichlich krampfhaft einen Zusammenhang herstellt. Hilfreich ist es, wenn mensch sowieso schon weiß, dass unsere großartige Globalisierung für erhebliche menschliche Kollateralschäden sorgt. Wer sich dann schon bei dem Gedanken an einen fremden Zahn im eigenen Mund ekelt, hat seine Ansprüche genügend weit zurück geschraubt, um einen netten Theaterabend zu erleben.

Die Schauspielerei mit ihrem Versuch, Komik durch Gehampel und Gebölke zu erzeugen, um vor dieser Folie so etwas wie stille menschliche Qual aufleuchten zu lassen, hat bei mir ebenfalls nicht funktioniert. Das scheint bei begeisterungswilligen Lokalkritikern anders gewesen zu sein. „Großes Theater im Kleinen Haus“ will da einer erlebt haben. Na, nu aber…

Wenn ein solches Stück zum „Stück des Jahres“ gewählt wurde, dann sagt das mehr über die Qualität der Jury und des Jahres als die des Stücks. Dass ein heutiger Autor das Fabel-Bild von der faulen Grille und den fleißigen Ameisen in das Verhältnis zwischen (faulen?) Einwanderern und (fleißigen?) Einheimischen an zentraler Stelle in das Stück einbaut, ist mir ein unverständliches Ärgernis.

Und der Schauspielerschar sage ich: Präzises Agieren und Sprechen in der Gruppe hat (in den allermeisten Fällen) nichts mit Hampelei und Bölkerei zu tun. Leise Gesten und Töne bringen mehr. Schließlich ist das Kleine Haus ganz klein und mensch hört und sieht sogar von hinten noch sehr gut.

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