Skandalöse Unverschämtheit oder falsches Zitat? – Der Bremerhavener Sozialstadtrat Klaus Rosche (SPD) muss sich entscheiden…


Seestadtpresse Bremerhaven – Der Bremerhavener Sozialstadtrat Klaus Rosche wird in der Nordsee-Zeitung vom 12. September 2011 mit einer skandalös-unverschämten Bemerkung über Mitarbeiterinnen der Sozialberatung „Solidarische Hilfe“ zitiert: „Wenn die beiden Mitarbeiterinnen… wirklich so gut seien, dann hätten sie wohl schon längst eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt.“

Für einen Sozialdemokraten ist eine solche Aussage über einen seit zwei Jahrzehnten ehrenamtlich tätigen Verein und dessen Mitarbeiterschaft nicht nur peinlich, sondern sogar menschlich widerlich.

Auch ein Sozialstadtrat, der sich politisch angegriffen fühlt, darf nicht dermaßen blind die Denkschablonen der neoliberalen Verunstalter unseres Gemeinwesens transportieren. Er kann und muss wissen, dass solche abfälligen Einstufungen gerade in Bezug auf die „Solidarische Hilfe“ schlicht unsinnig sind.

Dass die CDU sich klipp und klar für eine Unterstützung der „Solidarischen Hilfe“ stark macht, setzt Rosche vor dem Hintergrund der in der Nordsee-Zeitung berichteten Äußerungen in ein noch schlechteres Licht.

Aus einer Pressemitteilung der Bremerhavener CDU vom 12. September 2011: „Die CDU-Stadtverordnetenfraktion hat sich am letzten Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung ebenfalls für den Erhalt der Solidarischen Hilfe ausgesprochen. Die Arbeit der Solidarischen Hilfe bei der Beratung der Hilfesuchenden ist in Bremerhaven weiterhin dringend erforderlich.“

Die CDU weiter: „Es ist die Aufgabe vom Stadtrat für Arbeit Klaus Rosche (SPD), nach einer geeigneten Lösung für die Solidarische Hilfe zu suchen.“ Und: „Für uns ist die Solidarische Hilfe nicht nur ein Verein. Die Arbeit in der jetzigen qualitativen Form muss erhalten bleiben. Der finanziell am besten geeignete Weg ist hierfür zwischen dem Amt und der Solidarischen Hilfe zu beraten. Wir dürfen die Ratsuchenden nicht im Regen stehen lassen.

Auf diese Gedanken hätte auch Klaus Rosche selbst kommen können.

Nun muss er sich entscheiden: Entweder er dementiert seine von der Nordsee-Zeitung zitierten Äußerungen und sorgt endlich dafür, dass die Arbeit der Solidarischen Hilfe auf ein solides Fundament gesetzt wird. Oder er hat sich für das Amt des Sozialstadtrats auf dramatische Weise selbst disqualifiziert.

In beiden Fällen sollte auch seine Partei, die SPD, klar Stellung beziehen.

 

10 Antworten zu Skandalöse Unverschämtheit oder falsches Zitat? – Der Bremerhavener Sozialstadtrat Klaus Rosche (SPD) muss sich entscheiden…

  1. Jochen Hertrampf sagt:

    deine Ansichten finde ich vollkommen richtig – ich war auch geschockt, als ich die Äußerungen las und kann es gar nicht glauben, dass ein Sozialdemokrat sowas so formuliert…. herzlichen Gruß Jochen Hertrampf

  2. Heinz Wöhlbrand sagt:

    Mir kam beim Lesen auch der Kaffee hoch. Eine gute Antwort war die der Betroffenen bezgl. des Vergleichs mit den Zennisprofis in BHV. Wie schreibt doch Thomas Wieczorek in einem seiner tollen Bücher: Politik handelt überwiegend asozial. Ist doch etwas dran, oder?
    Heinz Wöhlbrand

  3. christian peters sagt:

    An der STVV habe ich ab TOP 3.4 teilgenommen. Die Herrn Rosche in den Mund gelegten Worte habe ich so nicht gehört. Ich bin mir sicher, dass er es so formuliert hat: „… wenn sie so gut sind, dann gehören sie doch längst auf den ersten Arbeitsmarkt!“
    Meiner Meinung nach hat er sein Unverständnis darüber Ausdruck verliehen, dass diese fähigen Frauen seit Jahren mit Fördermaßnahmen dort geparkt werden, anstatt sie in „Lohn und Brot“ zu bringen. Ich behaupte die NZ hat falsch zitiert.

  4. Janin Cordes sagt:

    Ich war bei der StVV und habe die Worte so gehört, wie sie niedergeschrieben waren.

    Wenn man die verwandschaftlichen Beziehungen zwischen den Angestellten im Verein, die rechtswidrige Einzelförderung von Vereinsmitgliedern und das intransparente und uneinsichtige Gebahren des Bremer Vorstands dieses Bremer Vereins mal außen vor lässt, ist das natürlich ein „Skandal“.

  5. Werner Brischke sagt:

    Nicht nur, dass Herr Rosche derzeit hauptamtl. zuständiges Magistratsmitglied ist und nun so zitiert wird – ob falsch oder richtig muss natürlich geklärt werden. Hinzu kommt m.E. noch die elementare Tatsache, dass Klaus Rosche schon früher als ehrenamtl. Stadtrat die sog. Arbeitsförderung unterstützen sollte/wollte. Auch vor diesem Hintergrund ist eine Erklärung durch die SPD eigentlich unabdingbar.

  6. Zolkowski sagt:

    Liebe Janin Peters,

    ich würde doch gerne wissen, warum „verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Angestellten im Verein“ im Verein etwas Schlimmes sein sollen. Wie leicht zu ermitteln ist, erledigt diese „Verwandte“ die Beratungsarbeit bereits seit mehreren Jahren in ausgesprochen guter Qualität. Was also wollen Sie mit Ihrem Hinweis sagen?

    Noch nebulöser ist der Hinweis auf „die rechtswidrige Einzelförderung von Vereinsmitgliedern“. Solche Vorwürfe sollten Sie nicht genüsslich als Gerücht in die Welt streuen, sondern zumindest präzisieren.

    Wenn ich es richtig sehe, gibt es tatsächlich Dissonanzen in der Zusammenarbeit mit der Solidarischen Hilfe in Bremen. Die Frage ist, ob man das den Bremerhavenern tatsächlich vorwerfen kann, denn möglicherweise haben sie einfach nur zu wenig Durchsetzungskraft, um sich mit ihren Einstellungen zu behaupten.

    Dies alles macht es meiner Ansicht nach doch um so wichtiger, dass die hiesige Arbeit der Solidarischen Hilfe endlich auf ein einigermaßen solides Fundament gesetzt wird.

    Denn über die Unverzichtbarkeit und die Qualität der Beratungsarbeit sind sich doch offenbar alle einig. Auch Sie haben daran keine Zweifel geäußert.

    Mit bestem Gruß

    Detlef Kolze

  7. Janin Cordes sagt:

    Hallo Herr Kolze,

    mein hier benutzter Name ist Cordes, dass nur nebenbei, aber soviel Genauigkeit muss sein. Dass es sich hierbei um ein Pseudonym, vulgo: Nick, handelt, will ich gern vorab bestätigen.

    Die Unverzichtbarkeit der Beratungstätigkeit habe ich nicht in Zweifel gezogen und wollte dies auch nicht tun, soviel ist richtig. Die Qualität ist mir nicht bekannt, scheint bisher aber nicht ernsthaft kritisiert worden zu sein. Wobei hier sicherlich irgendwann einmal eine neutrale Überprüfung in Betracht gezogen werden sollte. Vielleicht kann man diese ja sogar noch verbessern. Das wäre für den Fortbestand ein gutes Argument.

    Mir ist die Durchsetzungskraft der Bremerhavener gegen den Vorstand in Bremen nicht bekannt, nach öffentlicher Aussage von Frau Kappus ist es aber nicht gut damit bestellt. Dies verwundert, da ja ausreichend Energie vorhanden ist, um in Bremerhaven selbst aktive und gewichtige Fürsprache zu betreiben. Dies ist, das will ich klarstellen, nichts Verwerfliches , muss aber in eigene Überlegungen einbezogen werden, wenn man sich ein möglichst objektives Urteil bilden will.

    Verwandschaftliche Beziehungen sind per se nicht unbedingt negativ, sollten aber auch nicht verschwiegen werden. Dies könnte selbst beim geneigten Betrachter ein „Geschmäckle“ erahnen lassen. Der Vollständigkeit halber hätte ich mir dies gewünscht. Dies ist sicher auch kein Problem, wenn man nicht tendenziös erscheinen möchte.

    Und die angesprochene rechtwidrige Einzelförderung war mitnichten nebulös. Diese ist belegt und wurde von Herrn Rosche auch in der StVV angesprochen. Es handelt sich dabei um die strittige Förderung zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen. Diese ist in der Laufzeit beschränkt, wurde aber hier aber darüberhinaus gewährt. Eine Sonderbehandlung, die sicher auch andere Eingliederungswillige gern erhalten hätten. Exakt diese will aber der Vorstand in Bremen genau so weiter haben und scheint nicht kompromissbereit. In diesem Zusammenhang ist auch das Zitat gefallen.

    Auch wurden Frau Kappus in der jüngeren Vergangenheit einige Vorschläge zur Finanzierung unterbreitet, die alle rundweg abgelehnt wurden.

    Dies haben Sie leider alles nicht berichtet.

    Bei aller Kritik an Rosche, die zum Teil auch gerechtfertigt ist: wer im Glashaus sitzt…

    • Ute Haack sagt:

      Hallo Frau Cordes,
      Sie schreiben

      „Die Unverzichtbarkeit der Beratungstätigkeit habe ich nicht in Zweifel gezogen und wollte dies auch nicht tun, soviel ist richtig. Die Qualität ist mir nicht bekannt, scheint bisher aber nicht ernsthaft kritisiert worden zu sein. Wobei hier sicherlich irgendwann einmal eine neutrale Überprüfung in Betracht gezogen werden sollte. Vielleicht kann man diese ja sogar noch verbessern. Das wäre für den Fortbestand ein gutes Argument.“

      Machen Sie sich doch einfach mal die Mühe und hospitieren Sie bei der Solidarischen Hilfe.
      Warum ist eine“neutrale“ Überprüfung(wer sollte diese denn durchführen?) nicht schon längst passiert?Wenn diese doch dem verein helfen könnte.
      Irgenwann?,Der Verein steht kurz vor dem Aus,da braucht es Taten und keine politischen Worthülsen.

      Grüße
      Ute Haack

  8. Zolkowski sagt:

    Ich fürchte, bei so manchen Kritikern der Solidarischen Hilfe geht es leider darum, regelmäßig irgendwelche Bedenken und „Gschmäckles“ in die Öffentlichkeit zu raunen, weil man weiß, dass davon immer etwas hängen bleibt. Und es fällt dann leichter, Unterstützungsmaßnahmen auf die lange Bank zu schieben oder ganz abzuwimmeln.

    Das ist bedauerlich, weil es von einer mehr als 20-jährigen erfolgreichen und erkennbar dringend benötigten Arbeit eines Selbsthilfevereins ablenkt, der finanziell immer am Abgrund entlang werkelte.

    Wenn sich alle einig sind, dass hier eine notwendige und für die Betroffenen Partei ergreifende Arbeit geleistet wird, dann sollte es doch gelingen, Unterstützung für eine tragfähige Basis zu organisieren.

    Das muss auch nicht allein mit den Mitteln der Arbeitsmarktförderung geschehen, weil dabei stets komplizierte Vorschriften zu beachten sind. Nur nebenbei: Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass beispielsweise die finanzielle Förderung des Bremerhavener Spitzensports nicht allein über die Arbeitsmarktförderung organisiert wird, sondern mit Millionenbeträgen direkt aus der Stadtkasse.

    Daher könnten Wege außerhalb der Arbeitsmarktförderung (in sehr viel bescheidenerem Ausmaß!) auch für die Solidarische Hilfe angesteuert werden, meine ich. Das wäre gleichzeitig eine Anerkennung für die bislang ehrenamtlich geleistete mühevolle Arbeit.

  9. […] dieser Bericht löste unter anderem in der Seestadtpresse eine rege Diskussion aus, und davon ist in der Nordsee-Zeitung (bisher) nichts zu […]

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