Sommerempfang der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven – Antworten auf interessante Fragen können noch bedacht und gesucht werden…


Seestadtpresse Bremerhaven – Der diesjährige Sommerempfang der Arbeitnehmerkammer fand am 31. August 2011 im Klimahaus statt. Mitten in den nagelneuen Bremerhavener Havenwelten also. Wie immer waren zahlreiche eingeladene „Wegbegleiter und Partner der Arbeitnehmerkammer, Gäste aus Politik, aus den Gewerkschaften, aus Betrieben, Wissenschaft und Kultur“ (so der Einladungstext) mit dabei.

Präsident Peter Kruse schlug einen Bogen von den kuriosen Mechanismen einer finanzgetriebenen Weltwirtschaft bis zur Lage auf dem Bremerhavener Arbeitsmarkt, der trotz einiger erfreulicher Ansätze immer noch unter einem riesigen Sockel von Arbeitslosen leidet. Nicht zu überhören waren die kritischen Andeutungen und Fragen dazu.

Oberbürgermeister Melf Grantz stellte unter anderem mit Blick auf die Havenwelten die Frage: War das alles richtig? – eine Frage, die er selbstverständlich im Grundsatz bejaht.

Einen Punkt fand ich interessant: Er verwies auf die immer noch zu beobachtende Distanz der Bremerhavener Einwohner zu den Havenwelten. Als neuer Stadtteil sei das Quartier im Bewusstsein der Einwohner noch nicht angekommen, meinte der Oberbürgermeister.

Diese Beobachtung ist zweifellos richtig. Grantz drückte den Wunsch aus, die noch vorhandene Trennung zwischen dem Touristenrevier und der Bremerhavener Bevölkerung müsse überwunden werden. Er ließ auch nicht unerwähnt, dass sich viele arbeitslose Menschen die Havenwelten schlicht nicht leisten können.

Der Oberbürgermeister hätte noch erwähnen können, dass sich in dem Quartier bisher nur reiche (oder zumindest ausnehmend gut situierte) Leute angesiedelt haben. Auch diese Entwicklung enorm teuren Wohneigentums fördert die Distanz zu den weitaus stärker gemischten und dadurch viel lebendigeren Stadtteilen.

Grantz kündigte an, mit einigen Einsprengseln in den Havenwelten für Auflockerungen solcher sozialer Verhärtungen zu sorgen.

Das kann das Grundproblem nicht entscheidend verändern, aber man darf gespannt sein, wie die Einsprengsel aussehen. So etwas wie ein Kinderspielplatz wird da wohl nicht reichen. Seine politische Richtung hat Melf Grantz zumindest noch einmal dick unterstrichen: „Ich will kein Oberbürgermeister einer Klassengesellschaft sein.“

Solche Fragen sollten in der Stadt viel ernsthafter diskutiert werden, meine ich: War das alles richtig mit den Havenwelten? Wie müssen die entstandenen baulichen Tatsachen entwickelt werden, um sie nicht noch stärker von der Stadtgesellschaft abzuschotten? Wie kann erfolgreicher mit der hohen Arbeitslosigkeit umgegangen werden?

Und wie hängt das alles mit den seit Jahren propagierten Grundsätzen einer finanzgetriebenen Weltwirtschaft zusammen, die uns mit ihren Einzelmechanismen wie Konkurrenz, Beschleunigung und Sparzwang in die Hirne getrommelt worden sind?

Viele anregende Fragen. Es wäre schön, wenn sich auch die Nordsee-Zeitung an solchen erhellenden Gedankenspielen beteiligen würde, statt sich auf wenig hilfreiche Stereotypen-Trommelei zu beschränken, wie sie erst jüngst in puncto Kriminalität zu beobachten war.

Sicherlich wird aber zumindest über diese Veranstaltung der Arbeitnehmerkammer morgen etwas Erhellendes in der Nordsee-Zeitung zu lesen sein…

Eine Antwort zu Sommerempfang der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven – Antworten auf interessante Fragen können noch bedacht und gesucht werden…

  1. […] Worte und auch Versprechungen“ gegeben. Auch Oberbürgermeister Melf Grantz, der bekanntlich nicht der Oberbürgermeister einer Klassengesellschaft sein möchte, versprach nach Auskunft der Solidarischen Hilfe, mit den Zuständigen zu […]

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