Nordsee-Zeitung setzt weiter auf reißerische Kriminalitäts-Panikmache – Munteres Hauen in die Lieblingskerbe der „Wutbürger“…


Seestadtpresse Bremerhaven – Die Nordsee-Zeitung lässt mit ihrer Panikmache wegen angeblich bedrohlicher Kriminalität in Bremerhaven nicht locker.

Verbrechen, Opfer, überforderte Polizei – in den Überschriften auf der Titelseite und der ersten Lokalseite der Ausgabe vom 30. August 2011 spielt das früher einmal relativ solide aufgemachte Heimatblatt munter weiter auf der Klaviatur der politischen Rechten.

Wer allerdings die Texte in der Nordsee-Zeitung liest, findet dort viele Hinweise und Erläuterungen, warum die Lage in Bremerhaven längst nicht so schlimm ist, wie es in den Überschriften suggeriert wird.

Bemerkenswert sind die Widersprüche zwischen reißerischer Überschrift und sachlichen Informationen in den dazu gehörigenTexten. So taucht für die Behauptung von der angeblich überforderten Bremerhavener Polizei im Text nicht ein einziger Beleg auf. Es wird einfach nur marktschreierisch diese Frage gestellt. Das soll dann wohl reichen für eine solide Berichterstattung der modernen NZ-Art.

„Jeder Achte wird zum Opfer“ – diese Einordnung im Ranking der „gefährlichsten Städte“ (!!!) (mit 13308 Fällen pro 100000 Einwohnern ist es rechnerisch genau jeder 7,5.!) gilt nicht nur für Bremerhaven , sondern mit relativ geringen Unterschieden für alle Städte in der Spitzengruppe. So kann für Frankfurt mit 15977 Fälle pro 100000 Einwohnern etwa von jedem sechsten (genau 6,3.) gesprochen werden, der zum Opfer wird, während es in Oldenburg mit 10646 Fällen pro 100000 Einwohnern immer noch etwa jeder neunte (genau 9,3.) ist.

Außerdem sind die „Opfer“ sehr unterschiedlicher Art. Während es in Bremerhaven sehr oft Opfer von Einbrüchen und anderen Eigentumsdelikten sind, handelt es sich in Frankfurt deutlich häufiger um Opfer von Überfällen. Erläuterungen zu solchen Differenzierungen sind in den Texten sehr wohl enthalten.

Was die Nordsee-Zeitung mit ihrer reißerischen Berichterstattung erreichen will, lässt sich nur ahnen. Jedenfalls liegt sie damit auf derselben Linie wie beispielsweise die „Bürger in Wut“, die vor der Wahl einen Brief mit der Überschrift „Bremerhaven – ein El Dorado für Kriminelle!“ verschickten.

Werden die Statistiken sorgfältig ausgewertet, spricht alles gegen solche Pauschalisierungen über die Kriminalität in Bremerhaven.

Eine Antwort zu Nordsee-Zeitung setzt weiter auf reißerische Kriminalitäts-Panikmache – Munteres Hauen in die Lieblingskerbe der „Wutbürger“…

  1. Fischkopp sagt:

    … diese Art von Berichterstattung mit einer Überschriften-Aufmache wie Bild & Co in der „guten alten“ Nordseezeitung ist doch sowas von peinlich!!!
    Als ehem. „Fischkopp“, der jetzt in Süddeutschland lebt, sind diese Aufdeckungen von Zolkowski höchst amüsant, vor allem weil aufgezeigt wird, wie sich die NZ von guten journalistischen Recherchen abwendet und zu einem Blatt verkommt, was sich u.a. von Versicherungen und Parteien steuern lässt… und den „Überschriften-Leser“ bedient statt mündige Bürger tiefgründig und kritisch zu informieren und zur eigenen Meinung herauszufordern. Wo soll das Ganze noch hinführen – ich jedenfalls werde wohl weiter meine Freude haben?!!

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