Politische Hilfstruppen im Journalismus – NDR-Medienmagazin „Zapp“ über „Stuttgart 21“ und den angeblich bestandenen Stresstest…


Seestadtpresse Bremerhaven – Ein schönes Beispiel für politische Dienstleistungsbereitschaft von Journalisten präsentiert wieder einmal das NDR-Medienmagazin „Zapp“. In seiner Ausgabe vom 29. Juni 2011 geht es um das Milliardenprojekt der Bahn, das unter dem Namen „Stuttgart 21“ Schlagzeilen macht.

„Welcher Seite dabei bundesweit die Sympathien zufliegen, liegt auch immer an der jeweiligen Berichterstattung. Anfangs hatte die Bahn die Deutungshoheit – dann waren es die Demonstranten – und nun, nach der von Heiner Geissler verordneten Ruhepause, ist wieder die Bahn obenauf. Weil die Journalisten begeistert auf jeden Zug aufspringen“ – so kündigt „Zapp“ den Beitrag an.

Auch die Nordsee-Zeitung tutete am 27. Juni 2011 munter mit ins große PR-Horn:

 

Festzuhalten ist, dass dies nur ein Beispiel für viele ist. Denn Journalisten begeben sich immer leichtfertiger in die trickreicher werdenden Krakenarme der politischen und unternehmerischen PR-Industrie.

Der konservative schweizerische Medienexperte Udo W. Zimmermann spricht von einer Art „neuer Konvergenztheorie“. Wie das funktioniert? „PR und Journalismus nähern sich an. Die PR-Branche wird journalistischer, der Journalismus PR-orientierter.“

Und um den Zusammenhang zu der (offensichtlich erfolgreichen) Kampagne der Nordsee-Zeitung gegen eine ungewöhnliche Fraktionsbildung im Stadtparlament herzustellen, zitiere ich hier noch eine Erläuterung von Zimmermann: „Journalisten lernen heute das Gewerbe der zielorientierten Öffentlichkeitsarbeit im eigenen Bereich. Sie wissen, wie man als Spin-Doctor Informationen dreht, wie man Kampagnen baut, wie man missliebige Fakten ausklammert und dienliche Fakten überhöht, sie wissen um das subtile Wechselspiel zwischen öffentlichem und privatem Interesse.“

Mit einem Wort: Journalisten praktizieren dieselben Strategien wie die PR-Industrie und werden dabei oftmals zu Propagandisten der Mächtigen und Reichen.

Sehr schade, dass sie das nicht einmal merken (wollen).

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