Griechenland als billiger Prügelknabe der deutschen Stammtische – NDR-Medienmagazin „Zapp“ über dumme Stereotype…


Seestadtpresse Bremerhaven – Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ kritisiert in einem Beitrag vom 23. Juni 2011 die dummen Griechenland-Stereotype, die in der deutschen Berichterstattung und in den öffentlichen Diskussionen dominieren.

In der Sendung schildert der Journalist Michalis Pantelouris die „große Erzählung“, die die sich seiner Meinung nach über die gesamt Berichterstattung gelegt hat und die trotz der beispiellosen Einschnitte in Griechenland allerorten munter weiter erzählt wird : „Das sind die faulen Südländer, die haben jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt, sind korrupt, arbeiten nicht so viel wie wir, sondern beuten ihren Staat aus und nutzen jeden Vorteil und gehen dann früh in Rente.“

Journalistische Experten wie Claus Hulverscheidt von der Süddeutschen Zeitung kritisieren dieses wenig differenzierte Bild mit den zahlreichen falschen Stereotypen über Griechenland.

Ein paar Hinweise auf die tatsächlichen Ursachen der Probleme lassen sich beispielsweise hier finden.

Vielleicht ist es ganz aufschlussreich, den Blick auf grundsätzlichere Punkte zu richten, beispielsweise die deutsche Niedriglohnentwicklung im Zusammenspiel mit der rücksichtslosen deutschen Exportorientierung.

Interessant ist auch der Blick auf die deutschen Rüstungsexporte nach Griechenland, die Riesensummen aus dem griechischen Haushalt nach Deutschland spülen. Laut Süddeutscher Zeitung kauften Griechenland und die Türkei zwischen 1999 und 2003 zusammen rund ein Drittel der deutschen Panzer, Fregatten und U-Boote.

Festzuhalten ist auch, dass es nicht „die Griechen“ sind, die bei der Steuer in unglaublichem Maße betrügen, sondern insbesondere die griechischen Oberschichten.

Laut Neuer Zürcher Zeitung vom 16. April 2011 gaben beispielsweise 40 Prozent von 151 Ärzten, die in Athens teuerstem und wirtschaftlich lukrativstem Stadtteil praktizierten, ein Jahreseinkommen von weniger als 20.000 Euro an – ein Betrag der unter dem landesweiten Durchschnittslohn von Angestellten liegt.

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