Verkehrspolitik als Kampfplatz der zukunftsblinden Fraktion der Unternehmer-Lobby – Bei der Wahl in Bremen sind diese Leute aber offensichtlich gescheitert…


Seestadtpresse Bremerhaven – Der großartige Aphoristiker Karl Kraus konnte Journalisten nicht besonders gut leiden. „Der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber effektives Stroh gedroschen wird“, lautet einer seiner Gedanken.

In einer anderen Anmerkung lästert Karl Kraus über den Journalisten, „der nachher immer alles vorher gewusst hat.

Wer sich die Auseinandersetzungen heimischer Journalisten mit dem grünen Bremer Umweltsenator Reinhard Loske noch einmal vor Augen führt, kann die Richtigkeit solcher Lästereien gut nachvollziehen.

Reinhard Loske ist vermutlich einer der wissenschaftlich am besten ausgestatteten Umweltsenatoren, die Bremen je gehabt hat. Dass er kein geborener Politiker war, konnte jeder ohne besondere Mühe feststellen. Gleichwohl: Reinhard Loske hat versucht, das aus wissenschaftlicher Sicht Notwendige in konkretes Handeln heute umzusetzen.

Seine journalistischen Gegner konnten ihm qualitativ selbstverständlich nicht das Wasser reichen, aber sie konnten sich stets auf die breite Unterstützung durch die gedanklich steckengebliebene Fraktion der heimischen Unternehmer-Lobby berufen, insbesondere in der Bremer Handelskammer bzw. der Bremerhavener Industrie- und Handelskammer.

Die Verkehrspolitik bietet dafür wunderbare Beispiele. „Loske hatte viele mit der Umweltzone in Bremen und einem Tempolimit auf der Autobahn verärgert“, gibt beispielsweise einer der journalistischen IHK-Freunde die Meinung seines geistigen Führungspersonals wieder.

Aber Loske ist offensichtlich von den normalen Bürgerinnen und Bürgern sehr viel besser verstanden worden als von den Unternehmer-Lobbyisten, die weit hinter den Notwendigkeiten unserer Zeit zurückgeblieben sind.

Das macht der Weser-Kurier am 25. Mai 2011 unter der Überschrift „Konservative Klientel in Not“ deutlich.

In diesem WK-Artikel wird klargestellt, dass CDU und FDP mit ihrer Kritik an Loskes Verkehrspolitik im Wahlkampf Punkte sammeln wollten. Allerdings sind sie nach den Erkenntnissen der Wahlanalysten mit dieser Strategie gegen die Wand gelaufen: „Was als Aufreger Stimmen für das konservative Lager mobilisieren sollte, hat die Wähler kaum interessiert.“

Tatsächlich hätten gerade auf dem Feld der Verkehrspolitik die Grünen „Terrain gewonnen“, lautet die Feststellung der Experten: „Beim Reizthema Verkehr liegen die Grünen noch vor der CDU.“

Dies illustriert den krassen Misserfolg der Unternehmer-Lobby bei dem Versuch, mit ihren Parolen und Haltungen von vorgestern in der Verkehrspolitik Aufregung und Protest zu schüren.

Laut Weser-Kurier nennt der Politikwissenschaftler Lothar Probst als ein großes Problem der CDU, dass sie „keine Antworten auf die Herausforderungen der großstädtischen Milieus“ zu bieten habe.

Das bedeutet im Kern nichts anderes, als dass die gedanklich abgehängten Konservativen in puncto Zukunftsfähigkeit nichts zu bieten haben. Im Gegenteil: Mit ihrer Politik gefährden sie die Zukunft unseres Landes.

Wissenschaftler und Politiker wie Reinhard Loske haben das längst erkannt und müssen sich gleichwohl ständig von den zukunftsblinden Auf-der-Stelle-Tretern beschimpfen lassen.

Vielleicht erinnert sich mancher noch an die Anfänge der Diskussionen über die Windenergie, als die grünen Vordenker in bösartigen Kampagnen als Träumer und Spinner diffamiert wurden.

Heute machen die zukunftsblinden Unternehmerlobbyisten und deren Journalisten wieder genau dasselbe.

Irgendwann werden sie von ihrer Blindheit nichts mehr hören wollen, denn wie üblich werden sie nachher alles wieder vorher gewusst haben.

Karl Kraus schrieb übrigens vor fast hundert Jahren auch den folgenden Satz auf: „Es gibt eine Lebensart, die so tüchtig ist, dass sie jede Bahnstation in einen Knotenpunkt verwandelt.“

Offensichtlich waren  die zukunftsblinden Möchtegern-Fortschrittler auch damals schon am Beispiel der Verkehrspolitik am deutlichsten zu erkennen.

Eine Antwort zu Verkehrspolitik als Kampfplatz der zukunftsblinden Fraktion der Unternehmer-Lobby – Bei der Wahl in Bremen sind diese Leute aber offensichtlich gescheitert…

  1. christian peters sagt:

    Herr Loske hat viel für Bremen getan, was von den genannten „Zukunftsblinden“ nicht als positive Entwicklung wahrgenommen wurde. Es hätte positive Effekte für Bremerhaven geben können, wo ebenfalls etliche Zukunftsblinde das Geschehen bestimmen. Die Verkehrspolitik in Bremerhaven ist da ein ebenso gutes wie grausames Beispiel. Maßstäbe aus den 70er Jahren werden ungeniert zu Lasten der gesamten Bevölkerung bei allen größeren Verkehrsprojekten angewandt und von der örtlichen Zeitung hofiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Grünen den von Herrn Loske initierten Impuls nicht ins Nirvana entweichen lassen, sondern ihn nutzen werden.
    Christian Peters

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