Lesertäuschung: Trickreiche Schönfärberei bei der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven – Einwohnerzahl manipulativ dargestellt…


Seestadtpresse Bremerhaven – Schönfärbereien im Journalismus sind keine Seltenheit, besonders wenn eine Zeitung wie etwa die Nordsee-Zeitung so eng mit professionellen PR-Trommlern wie der Industrie- und Handelskammer verbandelt ist.

Ein kleines Beispiel für ein großes Problem: In ihrer Ausgabe vom 4. Mai 2011 findet sich die Überschrift „Zahl der neuen Einwohner gestiegen“ in der Rubrik „3 Dinge, die ich in Bremerhaven heute wissen sollte“.

Wer mit den journalistischen Tricksereien einigermaßen vertraut ist, wird  misstrauisch: Warum ist hier von neuen Einwohnern die Rede? Was ist mit den alten Einwohnern?

Im NZ-Text wird mitgeteilt, dass die Stadt im März „419 neue Einwohner begrüßt“ hat. Da gleichzeitig nur 371 Menschen die Stadt verließen, bleibt zunächst einmal ein Plus in der Wanderungsbilanz.

Allerdings zeigt ein Blick auf die Seiten des Statistischen Amtes der Stadt, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Denn leider war die Zahl der Geburten nicht groß genug, um mit der Zahl der Gestorbenen Schritt zu halten, so dass sich ein Sterbeüberschuss von 60 Menschen ergab.

Folglich ist die Gesamtbilanz für die Einwohnerzahl Bremerhavens im März 2011 nicht positiv, sondern negativ: Die Zahl der Einwohner hat sich tatsächlich um 12 verringert. Von einer gestiegenen Einwohnerzahl kann also nicht die Rede sein.

Hier wird deutlich, warum die positiv gestimmte Nordsee-Zeitung zu dem Trick mit den „neuen Einwohnern“ greifen musste. Hätte sie über die Zahlen vollständig und damit wahrheitsgemäß berichtet, dann wäre leider keine aufmunternde Meldung zustande gekommen.

Mit dem kleinen Trick konnte aber die Täuschung der Leserinnen und Leser gelingen.

Was sagte Wolfgang Storz dazu in seiner Rede zum Harry-Bohnsack-Preis?

„Das leichte, oberflächliche, beflissen schnell dahingeschriebenen Geschäft des Lokalpatriotismus kann jeder betreiben. Einem guten Lokaljournalisten, der sich mit ’seiner‘ Stadt verbunden fühlt, ist gerade dies verwehrt.“

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