„Polizei-Rapporte“ täglich auch in Bremerhaven – Der Dichter Heinrich von Kleist entdeckte darin Perlen des Alltäglichen…


Seestadtpresse Bremerhaven – Der Dichter Heinrich von Kleist startete kurz vor seinem Tod ein einigermaßen „waghalsiges Unternehmen“, wie kürzlich die Berliner Tageszeitung Neues Deutschland (Ausgabe vom 26. März 2011) in Erinnerung brachte.

„Kleist, den ‚Prinz von Homburg‘, sein beinah fertiges Stück, in der Tasche, braucht dringend einen Erfolg“, schreibt der Autor Klaus Bellin. „Er ist arm, bettelarm sogar und ohne Stellung.“

„Zur Überraschung selbst wohlgesinnter Freunde, die ihre Skepsis nicht leugnen“ startete Kleist dann sein Experiment und gab die „Berliner Abendblätter“ heraus.

Fast auf den Tag genau vor 200 Jahren, am 30. März 1811, scheiterte dieses Experiment nach nur sechs Monaten, obwohl ihm Freunde wie Clemens Brentano und Wilhelm Grimm halfen.

Diese frühe Berliner Tageszeitung (die berühmte „Vossische Zeitung“ beispielsweise gab es laut Bellin nur dreimal wöchentlich) erscheint in einer vierseitigen Ausgabe täglich außer Sonntags „in kleinem Format und winziger Schrift auf miserablem Papier gedruckt“.

Klaus Bellin weist darauf hin, dass es einen Lesestoff gab, der exklusiv in den „Berliner Abendblättern“ erscheint – die täglichen „Polizei-Rapporte“, also die Nachrichten über Diebstähle, Einbrüche, Unglücke und Verbrechen, die von Kleist oft zu kleinen Gedankenperlen gefeilt wurden.

Ein Beispiel aus dem Abendblättern vom 24. Oktober 1810: >>Wer ist der Ärmste? „Geld!“ rief, „mein edelster Herr!“ ein Armer. Der Reiche versetzte: „Lümmel, was gäb‘ ich darum, wär ich so hungrig, als er!“<<

Das ist doch mal ein Gedanke für die heutigen Zeiten, denn Polizeiberichte gibt es täglich auch in Bremerhaven. Sie sind hier nachzulesen.

Ein Bremerhavener Beispiel vom 6. März 2011 zeigt (hier in ungefeilter Form), dass arme Leute auch heute nicht einmal als Gauner so recht auf einen grünen Zweig kommen können: >>Viel Mühe für wenig „Lohn“ machten sich unbekannte Einbrecher am Sonnabend in der Schillerstraße: Sie brachen zunächst ein Gitter auf, um an das dahinter gelegene Fenster zu gelangen. Auch hier setzten sie den Hebel an und konnten so in die Geschäftsräume gelangen. Sie durchsuchten das Büro und wühlten den Inhalt der Schränke heraus. Letztlich fanden die Einbrecher fünf Euro in der offen stehenden Kasse und verließen dann den Tatort wieder.<<

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