Unternehmerlobby des Bremer Tabak-Collegiums mit sehr ausgewählten Gästen – Pressevertreter nur von der politischen Rechten?


Seestadtpresse Bremerhaven – „Das Bremer Tabak-Collegium ist eine in den 1950er Jahren von Bremer Kaufleuten begründete Gesprächsrunde zu Themen der Zeitgeschichte mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur“, lautet ganz harmlos der Einleitungssatz bei Wikipedia.

Es handle sich um eine „freie Gesprächsrunde“, zu der „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ eingeladen würden, „um sich miteinander im liberalen Geist über aktuelle Themen auszutauschen“. Es sei „eine reine Herrenrunde, die sich der Pflege bremischer Tradition und Kultur verpflichtet fühlt“. Und weiter: „Die Collegien finden zweimal im Jahr an stets wechselnden Orten in Deutschland aber auch in EU-Staaten statt. Sie dienen der Pflege der Beziehungen Bremens.“

Das Tabak-Collegium unterhält eine eigene Webseite. Dort werden die Zusammenkünfte dokumentiert, einschließlich der Gästelisten.

Auch die bekannten bremischen Politikgestalter wie Henning Scherf, Jens Böhrnsen, Josef Hattig, Heiner Heseler, Ralf Nagel, Jörg Kastendiek, Thomas Röwekamp und Jörg Schulz  tauchen selbstverständlich auf diesen Gästelisten auf.

Man nehme als Beispiel die Gästeliste der 162. Zusammenkunft am 19. September 2006 im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

An diesem Tag durften laut Liste aus Bremerhaven nur Oberbürgermeister Jörg Schulz und Ingo Kramer als Präsident der Unternehmensverbände im Land Bremen teilnehmen.

Im Kreise der Unternehmer, Richter, Anwälte, Wissenschaftler, Unternehmensberater und anderer Geschäftsleute waren auch Politiker vertreten, darunter Bundesminister Wolfgang Schäuble, Ministerpräsident Georg Milbradt, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und Ex-Bundesminister Rupert Scholz.

In dieser honorigen Versammlung deutschen Führungspersonals waren zwei Vertreter der Presse mit dabei – der seinerzeitige Chefkorrespondent der Tageszeitung Die Welt und der Chefredakteur der Wochenzeitschrift Junge Freiheit.

Über die Junge Freiheit schreibt Wikipedia sehr vorsichtig, das Blatt verstehe sich „als unabhängiges, konservatives Medium“.

Manche Wissenschaftler ordneten diese Zeitung allerdings „als Sprachrohr der Neuen Rechten sowie als Medium mit ‚Scharnier-‚ oder ‚Brückenkopf‘-Funktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus ein“.

Manchmal sind Blicke auf solche Gästelisten ganz interessant, weil man eine Ahnung bekommt, in welchen personellen und geschäftlichen Geflechten die wichtigen politischen Entscheidungen in unseren Regionen heranwachsen oder beeinflusst werden…

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