Dämliches Spiel mit Prozentzahlen soll Tourismus-Investitionen in Bremerhaven rechtfertigen – Nordsee-Zeitung macht sich wieder einmal lächerlich…


Seestadtpresse Bremerhaven – Es ist doch immer wieder das gleiche lächerliche Spiel mit den Prozentzahlen, wenn irgendwelche Erfolge “nachgewiesen” werden sollen. Ob Produktions- oder Tourismuszahlen, irgendwo gibt es einen prozentualen Zuwachs, der für eine Schlagzeile herhalten muss. In der Nordsee-Zeitung vom 25. November 2011 war es der prozentuale Zuwachs bei den gesammelten Bremer und Bremerhavener Übernachtungszahlen, der die Titelseite des Blatts zierte.

“Seestadt lockt die Urlauber” – da kann die Leserschaft sich manche großartige Entwicklung vorstellen. Aber was hat die Nordsee-Zeitung zu bieten? Einen Zuwachs bei den Übernachtungszahlen in den Städten Bremen und Bremerhaven in Höhe von 8,1 Prozent in den Monaten Januar bis September im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2010.

Das ist gewaltig viel mehr als in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin, denn die kamen lediglich auf den Zuwachs von 7,4 bzw. 6,7 Prozent.

Was macht die Nordsee-Zeitung aus dieser mikroskopischen Differenz bei den Zuswachszahlen? Bremen und Bremerhaven hätten “die Top-Städtereiseziele Berlin und Hamburg” abgehängt. Das steht da tatsächlich: Abgehängt!

Und welche Botschaft wird aus dieser unsinnigen Zahlen-Akrobatik heraus gequetscht? “Die Millioneninvestitionen der vergangenen Jahre in die touristischen Erlebniswelten in Bremerhaven und Bremen zahlen sich aus.”

Wer lacht da angesichts einer solchen kuriosen Beweisführung?

Quelle für diese Wahnsinns-Botschaft ist übrigens das “Sparkassen-Tourismusbarometer”. In der dazu gehörigen Pressemitteilung des Sparkassen-und Giroverbandes werden die Ergebnisse etwas anders akzentuiert als in der Nordsee-Zeitung, die offensichtlich wieder einmal in treuen Diensten für “diese Stadt” tätig wurde.

In dieser Pressemitteilung ist nämlich zu lesen: “Wachstumsmotor unter den deutschen Bundesländern sind die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin. Sie verzeichnen einen Übernachtungszuwachs von bis zu 8 Prozent (Januar bis September 2011). Nach dem Europäischen Tourismus-Destinationsindex (DESTIX) liegt Berlin sogar auf dem zweiten Platz der wettbewerbsfähigsten Tourismusregionen Europas.”

Der bestürzend große Erfolg Bremens und Bremerhavens wurde von der Nordsee-Zeitung aus einer angehängten Grafik entnommen und dann mit dicken Backen aufgeplustert.

Dass es sich bei dem Sparkassen-Text um Informations- und Marketing-Material für die Tourismuswirtschaft handelt, sei nur am Rande erwähnt. Für eine Presse, die ihre Aufgabe mehr in PR und Promotion sieht und für die Journalismus zur  Nebenabteilung der Werbung gemacht wird, dürften solche Hinweise auf die Quellen ohnehin nur von geringer Bedeutung sein.

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