Seestadtpresse Bremerhaven – Wer staunen möchte über kritische Stimmen aus dem bürgerlichen Lager, die sich mit den Auswüchsen des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus auseinandersetzen, findet dazu aktuell zwei geradezu dramatische Beispiele.
Der eine Text von Frank Schirrmacher erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 15. August 2011. Die Überschrift: “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”.
Schirrmacher lässt keinen Zweifel daran, dass die aktuelle “bürgerliche” Politik falsch ist, weil sie ihre Versprechungen längst nicht mehr einlöst. Im Gegenteil: Die These, dass das politische System nur den Reichen dient, werde immer plausibler. Der Neoliberalismus habe sich aus dem “imaginativen Depot des bürgerlichen Denkens” bedient und daraus seine Legitimation bezogen. Aber, so Schirrmacher: “Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt.”
Der zweite Text von Charles Moore, auf den sich Schirrmacher in seiner Argumentation ausführlich bezieht und den er als “erzkonservativ” charakterisiert, erschien in The Telegraph am 22. Juli 2011.
Einer der Kerngedanken von Charles Moore: Die Reichen dieser Welt haben ein globales System organisiert, das mit seinen Freiheiten und demokratischen Rechten allein ihnen nützt. Die vielen Anderen haben zu arbeiten, um die Reichen noch reicher zu machen. (“The rich run a global system that allows them to accumulate capital and pay the lowest possible price for labour. The freedom that results applies only to them. The many simply have to work harder, in conditions that grow ever more insecure, to enrich the few. Democratic politics, which purports to enrich the many, is actually in the pocket of those bankers, media barons and other moguls who run and own everything.”)
Bemerkenswert ist übrigens, dass die taz, die es am nötigsten hätte, sich mit solchen Positionen auseinanderzusetzen, in ihrer Ausgabe vom 15. August 2011 nichts als dämliches Gequassel über Schirrmacher zustande bringt, während Neues Deutschland sich u.a. am 17. August 2011 sehr ernsthaft mit Schirrmachers provokativem Text auseinandersetzt.
[...] Wer also genau darauf achtet, wie sich die politische Rechte in den USA gegenwärtig aufführt, kann erkennen, in welche Richtung der Zug fährt. Deshalb sind kluge Analysen dieser Entwicklung auch für uns von größter Bedeutung. (Siehe dazu auch >>>meinen Beitrag über Frank Schirrmacher und Charles Moore.) [...]