Bremerhavener Provinzialtheater in der Nordsee-Zeitung – Zusammenarbeit einzelner Stadtverordneter wird skandalisiert…


Seestadtpresse Bremerhaven – “Die Erzeugung des Skandals entsteht durch ein dreistufiges Modell der journalistischen Alltagsarbeit”, erläutert der konservative schweizerische Medienexperte Kurt W. Zimmermann in seinem Buch “Schlagzeilen, Skandale, Sensationen. Wie Medien und Journalisten heute agieren”. Es beginne mit dem ersten Dreh einer Geschichte, dann folge das Aufblasen und schließlich das Zuspitzen.

Die Nordsee-Zeitung bietet immer wieder schöne Beispiele für diese Mechanismen der sogenannten “Aufmerksamkeitsökonomie”.

Als jüngstes Beispiel kann der Anlauf mehrerer einzelner Bremerhavener Stadtverordneter betrachtet werden, die sich durch die Bildung einer Fraktion einigermaßen arbeitsfähig machen wollen. Dann können sie sich wenigstens ein Büro mit Schreibkraft leisten und auf diese Weise die organisatorische Basis für ihre Aufgaben als Stadtverordnete schaffen.

Diese Möglichkeit existiert unabhängig davon, ob einem diese Parteien politisch gefallen oder nicht.

Wie leicht in Erfahrung zu bringen ist, wird dies in den Kommunen anderer Bundesländer seit langer Zeit ohne besondere Aufregung praktiziert, und auch der Bremerhavener Stadtverordnetenvorsteher wird in der Nordsee-Zeitung schließlich noch einigermaßen unauffällig mit der Mitteilung zitiert, dass er laut Stadtverfassung juristisch keinerlei Möglichkeiten zum Einschreiten gegen solche Fraktionsbildungen sieht.

Gleichwohl trompetet die Nordsee-Zeitung wütend gegen das Vorhaben und führt  allerlei dubiose Quellen ins Feld, darunter ein FDP-Mitglied, das nach Jahren stiller Mitgliedschaft nun wenigstens noch einmal lauthals ausgetreten ist.

Nachdem sich die Nordsee-Zeitung kräftig aufgeregt hat (“Das macht mich richtig fassungslos”), fasst sie in ihrer Ausgabe vom 29. Juni 2011 das Ergebnis ihrer Bemühungen zur Skandalisierung erfreut zusammen: “Stress für die Polit-Hochzeit”.

Das angebliche “politische Techtelmechtel” stehe “unter keinem guten Stern”, wird befriedigt mitgeteilt: “Die Hochzeitsglocken sind kaum verklungen, da schmeißt ein Altliberaler aus Protest sein Parteibuch fort.” Womöglich komme es nun sogar noch zum Rechtsstreit über die Zulässigkeit einer solchen Fraktion, die sich nur Geld unter den Nagel reißen wolle.

All das darf wohl als billiges Einmischungs-Gequassel abgehakt werden, dem als Sahnehäubchen eine kümmerliche Fotomontage auf der ersten Lokalseite beigefügt wird.

Man darf gespannt sein, wie die Nordsee-Zeitung ihre Skandalisierungs-Inszenierung im heimischen Provinzialtheater zu Ende bringt.

3 Antworten zu Bremerhavener Provinzialtheater in der Nordsee-Zeitung – Zusammenarbeit einzelner Stadtverordneter wird skandalisiert…

  1. [...] von FDP, Bremer und Bremerhavener Wählergemeinschaft B+B und „Für Bremerhaven“ das journalistische Trommelfeuer mit heftigem Getöse [...]

  2. lady-yvi sagt:

    Gut,dass einige aufmerksame Menschen das unsägliche Treiben der NZ auffällt. Die Bremerhavenfraktion wäre in der alten Form ein interessantes politisches Arbeiten gewesen, doch die Basis der FDP hatte nicht den A… in der Hose sich dieser neuen Form zu stellen. Gerade die FDP waren sehr schnell einverstanden in den Koalitionsgesprächen sich mit `´ Für Bremerhaven“ und “B&B” zu verbünden.

  3. Insider sagt:

    Zum Austritt des Bremer FDP-Mitglieds, das nach Jahren stiller Mitgliedschaft nun lauthals ausgetreten ist, muss man einge Dinge wissen. R. M. hat schon seit Jahren nicht mehr an der Parteiarbeit teilgenommen. Man hat ihn weder bei den Sitzungen in Bremerhaven noch in Bremen gesehen. Wie soll er auch, wenn die Arbeit für den sozialdemokratischen Oberbürgermeister doch die ganze Kraft in Anspruch nimmt. Manchmal sah man ihn aber doch, immer dann, wenn es darum ging, ganz bestimmte Informationen – im Sinne des Dienstherrn – zu streuen. Dann hatte man Zeit und die FDP Kollegen wurden informiert und für die eigenen Interessen eingespannt. Nun kann man gespannt sein – wann Herr M. in die SPD eintritt.

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