Seestadtpresse Bremerhaven – Statistiken liefern immer wieder interessanten Stoff für die Beurteilung gesellschaftlicher Entwicklungen. Die unglaubliche Kette der Tricksereien bei der Arbeitslosenstatistik ist nur ein (wenn auch gigantisches!) Beispiel dafür.
Zugegeben: Manchmal lassen sich die Tricksereien kaum richtig aufklären, weil beispielsweise durch Veränderung von Kriterien die Vergleichbarkeit nicht mehr vorhanden ist. Gleichwohl bleiben Hinweise auf Auffälligkeiten und Merkwürdigkeiten wichtig, weil sie die Aufmerksamkeit schärfen.
So bleibt abzuwarten, was hinter dem jüngsten Hinweis des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufsbildung (BIAJ) auf eine Spezialität der Bremerhavener “Hartz-IV-Statistik” tatsächlich steckt.
Dem BIAJ fiel in der Statistik von SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (so die korrekte Bezeichnung) auf, dass “in keiner anderen kreisfreien Stadt und auch in keinem Landkreis … die Zahl der Personen pro Bedarfsgemeinschaft (in der Grundsicherungsstatistik) so stark verringert wurde wie in Bremerhaven”. Die BIAJ-Analyse einschließlich Statistiken >>>kann hier angeklickt werden.
Aus dem BIAJ-Dokument: “In der Stadt Bremerhaven sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Vorjahresvergleich (Oktober 2010 – Oktober 2011) um 2,3 Prozent, die Zahl der in diesen Bedarfsgemeinschaften lebenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten um 4,4 Prozent und die der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, vorwiegend Kinder, um 16,8 Prozent.”
Durch dieses weit überdurchschnittliche „Verschwinden von Kindern“ aus den Bremerhavener SGB II-Bedarfsgemeinschaften sei die durchschnittliche Größe der Bedarfsgemeinschaften in der Stadt Bremerhaven stark gesenkt worden.
Die Folge: Rechnerisch stiegen so die durchschnittlichen Geldleistungen pro Leistungsempfänger in Bremerhaven deutlich an.
Die Frage des Bremer Instituts: “Wie erklärt sich die auffällige Verkleinerung der Bedarfsgemeinschaften und das Verschwinden von Kindern aus den Bedarfsgemeinschaften in der Stadt Bremerhaven?”
Und ich frage noch: Wer könnte von solchen Veränderungen in der Statistik einen Vorteil gehabt haben?
Verfasst von Zolkowski 









